Wenn der Größte den Zweitgrößten schluckt…


… und dann zum Allergrößten wird!

Lange Zeit habe ich mich Facebook komplett verschlossen, hatte kein Profil, trotz drängen von Familie und Freunden; viele Kontakte konnte ich in meinem Auslandssemester auf Gran Canaria bspw. nicht knüpfen oder halten, weil alle Facebook nutzen. Ich persönlich wollte nicht Facebook nutzen. Und tat es dann irgendwann doch…

Denn zu Facebook habe ich eine Hassliebe. Auf der einen Seite finde ich es nett, einen Foren-Ersatz zu haben; früher hat man seine lustigsten Links irgendwo in einem Fundstücke/Albernes/…/Thread gepostet, in den politischen Threads Diskussionen geführt, und sich in Technik-Threads hilfe geholt oder gegeben.

Heute nutzt kaum mehr einer Foren, Zulauf haben lediglich noch die wirklich großen, etablierten, internationalen Foren – kleine Gemeindeforen, in denen man sich irgendwann auch kannte und sich sogar zu Usertreffen verabredet hat, das gehört schon länger der Vergangenheit an (nachdem gerade ein paar Bilder in einer Facebook(!)-Gruppe zu einem Board gepostet wurden, von einem dieser Usertreffen, das jetzt 10 Jahre her ist, werde ich ein wenig nostalgisch – und das obwohl ich nicht mal dabei war…).

Auf der anderen Seite ist Facebook ja eigentlich mehr ein Freunde-Netzwerk. So wie StudiVZ damals, nur das Facebook mit dem Aufkommen von Twitter versucht hat, auch diese Funktionalität zu integrieren. Damit kommen viele nicht klar – während die einen Facebook als Twitter und Board-Ersatz verwenden (was ja mit den Teilen-, Diskutier- und Like-Funktionen durchaus auch technisch unterstützt wird) fühlen sich andere wiederum genervt, die im Prinzip nur wissen wollen, wer gerade mit wem, und wer wo im Urlaub. Oder eben einfach nur Kontakt halten wollen.

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Was sind eigentlich “Social Signals”?


… oder auch: “Boah, fall doch nicht auf das Like-Gebettele rein!”

Aber fangen wir doch von Anfang an an. Wenn ich eine Webseite habe, dann möchte ich natürlich, dass sie von anderen gelesen wird. Insbesondere habe ich ein sehr großes Interesse hieran, wenn ich eine Firma bin, und mit meiner Webseite direkt oder indirekt Geld verdiene. Wie findet man eine Webseite? Nun, damals war das noch ein wildes unterfangen, heute gibt es Google, welches mittels vieler intelligenter Methoden und Profiling weiß, was ich wahrscheinlich sehen möchte.

Und woher weiß Google das? Nun, genau dazu gibt es sogenannte Website-Rankings. Diese sortieren Webseiten anhand der Relevanz, und der Beliebtheit – ganz grob gesagt. In wirklichkeit sind das natürlich sehr ausgefeilte Algorithmen, die unterschiedliche Parameter untersuchen, diese mit persönlichen Preferenzen des Suchenden abgleichen und daraus individuell errechnen, was man eigentlich sehen möchte.

Eines dieser Parameter nennt der Fachmann “Social Signal“, also in etwa gesellschaftliches Signal. Was genau bedeutet das? Nun, um zu gucken, ob eine Seite relevant ist oder nicht, wird schon lange nicht nur nach den eingehenden Verlikungen und häufigen Klicks geguckt. Nein, heute ist viel relevanter, was das “Soziale Netz” über eine Seite sagt. Sprich, untersucht werden “Shares” auf Twitter, Facebook, Google+, sowie “Likes” oder “+1” auf Facebook oder Google+. Ja, diese Informationen werten Suchmaschinen, wie Google aus, und wenn ein Profil hinterlegt wird, fallen natürlich auch noch Shares, Likes und +1 von Freunden auf diesen Netzwerken stärker ins Gewicht als die von anderen.

Aber auch auf den Sozialen Netzen selbst haben diese Signale eine wichtige Bedeutung. So hat Facebook bspw. schon gar keine zeitliche Sortierung der Beiträge mehr – die Nutzer sehen das, von dem Facebook denkt, dass es einen interessieren könnte, weiter oben – uninteressante Beiträge erscheinen später, bei einem Reload, oder manchmal auch garnicht. Alle Aktivitäten wiederum sind im Kleinen auf der Seite rechts oben zu sehen – und hier werden wieder alle Aktivitäten aufgelistet. D.h. dass ein Nutzer, der einen Beitrag erstellt, kan nicht mehr sicher sein kann, dass jeder diesen Beitrag sieht – liked aber jemand anders diesen Beitrag, so ist dies für alle in dessen Freundeskreis sichtbar – die Wahrscheinlichkeit, dass jemand dieses mitbekommt, und deshalb anklickt und vielleicht sogar auch liked, steigt also exponentiell. Daher raten SEO-Experten auch zum (eigentlich als “pfui” geltendes) “Selbst-liken”; damit umgeht man dann, dass der eigene Beitrag bei den anderen im Nirvana verschwindet.

Und jetzt geht dem ein oder anderen vielleicht auch ein Licht auf, warum bestimmte Leute und Seiten andauernd nach “Likes” betteln. Teilweise mit den traurigsten Methoden: “Find’ste sie hot?? -> Like! Not?! = Comment”. Und es gibt immer irgendjemanden im eigenen Freundeskreis, der auch auf so etwas eingeht *facepalm*. “Fairer” sind da schon Seiten, die Likes und Comments mit einem Preis versehen – das machen vor allem kleinere Seiten, Musiker, Schriftsteller, Blogs, Versandhäuser, etc. Und da stehen die Chancen dann auch, je nach Bekanntheitsgrad, nicht so schlecht, etwas zu gewinnen, für seinen Like/Comment. Ob man das nun moralisch richtig findet, und mitmacht, muss jeder für sich entscheiden.

Die Höhe der Dreistigkeit aber sind in meinen Augen Seiten, die einen für dumm verkaufen wollen. Es wird eine lustige Geschichte erzählt; irgendetwas das passieren wird, wenn z.B. eine Millionen Likes zustande kommen. Ein aktuelles Beispiel und mein Anlass für diesen Beitrag: Die hübsche, junge Volontärin Anna macht den “Selbstversuch”. Sie möchte selbst Chefin sein, bei WAZ – und ihr Chef will zwar nicht, würde sich aber dem Druck der Masse beugen. Anna muss eine Millionen Likes sammeln, dann darf sie. Für einen Tag. Ein bisschen naiv wird sie im zugehörigen Beitrag dargestellt:

Ich soll freundlich und sympathisch sein. Das kriege ich hin, freundlich kann ich gut. Ich nehme Pakete für meine Nachbarn entgegen und behalte sie auch dann nicht heimlich. Ich biete meinen Platz Omas und Opas in der Bahn an, und an der Kasse lasse ich Leute mit zwei Teilen vor. Außerdem lächle ich und grüße – auch fremde Menschen.

Dazu ein Foto mit selbstgemachtem Schild, dass sie mit Hundeblick in die Kamera hält. Wer kann es ihr denn da verwehren wollen, dass sie für einen Tag Chef spielen darf?

Natürlich wird das Bild von der WAZ-Präsenz auf Facebook geteilt, die Likes gehen also auf das WAZ-Konto. Und dass die sich gar nicht so dumm angestellt haben, zeigt sich u.A. dadurch, dass gerade wieder eine Welle an “Likes” auf Facebook losgetreten wurde – ich habe das Bild heute drei male gesehen. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer wird daraufhin vielleicht schmunzeln, sein Like drunter setzten, und weiter scrollen. Aber halt doch mal. Bis wann muss Anna die Likes eigentlich zusammen haben? Dazu gibt es auf Facebook keine Informationen. Auch muss man, um zu sehen von wann das Bild ist, dieses erst einmal anklicken. Wer das nicht tut, dem entgeht wahrscheinlich, das der Artikel von Februar 2013 ist. Fast ein Jahr ist das ganze her. Und seit einem dreiviertel Jahr arbeitet Anna auch garnicht mehr bei WAZ, verrät ihr öffentliches Facebook-Profil. Im Mai 2013 hat sie ihr Volontariat aufgegeben. Auch kann sie – obwohl sie die Likes noch garnicht zusammen hat, garnicht so naiv sein. Studiert, mehrere Praktika in der Medinebranche, dann das Volontariat bei WAZ – und jetzt ist sie wirklich Chefin. Als Mitinhaberin einer mit zwei Schulfreunden selbst gegründeten Modemarke – Glückwunsch!

Aktuelle Kommentare zum Bild

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Ihr Bild aber geistert weiter durch Facebook und wird das noch eine ganze Weile tun. Denn es gibt genug Unbewusste, die ihr “Like” dafür hergeben – heute über den Tag sind es fast 100 000 Likes gewesen, nachdem die Welle wieder losgetreten wurde. Es kostet ja auch nichts, und tut nicht weh. Im Hintergrund aber freut sich der einzige wirkliche Gewinner der Aktion: WAZ. Denn jedes Like wird weitere Besucher generieren, und auf die WAZ-Seite aufmerksam machen. Und damit nicht nur Umsatz generieren, sondern auch dafür sorgen, dass Google WAZ-Beiträge für relevant für mich hält – immerhin liken so viele meiner Freunde das…

Als kleine Bitte also: Mein_e liebe_r Facebook-Freund_in! Lass Dich nicht von Like-Bettlern veräppeln. Lass nicht zu, dass Unternehmen das “Like” instrumentalisieren, um damit Geld zu machen. Nutze das Like statt dessen für das, für das es vorgesehen war: Um anzugeben, dass Dir etwas gefällt. Weil es Dir gefällt, und nicht weil andere Dir sagen, dass Dir etwas gefallen soll…

Und weil ich möchte, dass Du es auch siehst, werde ich es jetzt – ganz pfui – auf Facebook auch selbst liken!

Warum es manchmal auch schön ist, dass im Netz nichts gelöscht wird…


Aus irgend einem Film habe ich folgendes Zitat gehört, dass sich irgendwie in meinen Gehirnwindungen verfangen hat, und immer mal wieder hervorlugt. Sinngemäß lautete es wie folgt:

Wenn Du eine Ratte töten willst, dann gibst Du ihr kein Rattengift – das merkt die Ratte sofort, sie wird es nicht fressen. Statt dessen gibst Du ihr etwas richtiges zu fressen und mischt dort nur sehr kleine Mengen rein. Soviel, dass eine Portion die Ratte nicht töten würde. Die Ratte aber merkt nun nichts mehr von dem Gift, und wird sich über Wochen sattfressen und so langsam dahinsiechen.

Jeder kann sich Vorstellen, dass sich diese Tatsache auch auf viele andere Bereiche übertragen lässt – sogar auf unser Leben. Besonders gerne benutzen die Politiker diese Taktik. So hat die USA es mit dem Krieg gegen den Terrorismus ermöglicht, auch einige Gesetzte, Methoden und Techniken einzuführen, die sonst nur in den feuchten Träumen einiger Überwachungsfanatiker möglich gewesen wären. Auch hat es ein Präsident geschafft damit einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, in dem es ganz offensichtlich um andere Interessen ging. Wichtig ist, dass die Sache, die man als leckeres, richtiges Fressen anbietet, und in der man dann sein Gift einbettet, sehr stark ist – quasi so appetitlich, dass man sein Essen wie ein Rottweiler herunterschlingt. Emotional und wichtig muss sie sein, und möglichst unstrittig, ganz egal welche Gesinnung und welche Geschmäcker und Vorlieben man hat. Ein sehr starkes Thema ist z.B. Kindesmissbrauch/-vergewaltigung. Denn wer kann ernsthaft dafür sein, das Kinder missbraucht werden? Wie schwer es ist, mit gutem Grund gegen ein solches Thema vorzugehen, weil es in Wirklichkeit vorgeschoben wird um eine ganz andere Agenda zu verwirklichen, haben wir vor einigen Jahren an der Diskussion um die “Netzsperren” der von der Leyen mitbekommen. Vor allem der starken Aufklärungsarbeit der Piratenpartei ist es zu verdanken, dass das ZugErschwG wieder gekippt werden konnte – ironischer Weise, denn ansonsten wird dieser Partei von chaotischen Amateuren vom Volk und Medien nicht viel zugetraut (anderen Quellen, wie beispielsweise Expertenmeinungen aus beispielsweise Kreisen wie dem CCC wurden sehr viel weniger Gehör geschenkt).

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~ PygoscelisPapua ~ goes Facebook


Du hast über Facebook hergefunden? Dann herzlich willkommen hier. Ja ich blogge, das schon seit dem 15. Mai 2008 (damals noch aus ganz anderen Beweggründen und in einer ganz anderen Sprache!); nächstes Jahr habe ich also mein 5-jähriges Jubiläum. Ich finde es schön, dass Du hierher gefunden hast, ich wünsche Dir viel Spaß beim durchstöbern dieses Blogs und ich hoffe es gefällt Dir hier, und wenn Du nun noch einen Kommentar hinterlässt, würde mich das sehr freuen 😉

Like-Box auf pygospa.wordpress.comVerrückt, ja! Wer aufmerksam ist, wird eventuell schon gesehen haben: An meiner Sidebar ist unter dem Kalender ein neues Widget erschienen: “Like me on Facebook”. Ich als jahrelanger Web 2.0 Kritiker bin vergangenes Jahr ja nun auch endlich zum Web-2.0-Uberdienst, nämlich zu Facebook gewandert (nicht ohne vorher noch mal einen Dialog mit mir selbst zu führen).

Nun nach einem Jahr habe ich entschlossen, nun auch meinen Blog in Richtung Facebook wandern zu lassen. Wer jetzt innerlich aufschreit: Das heißt nicht, dass sich irgendetwas für euch ändert, ihr jetzt ebenfalls zu Facebook wechseln müsstet, oder dieser Blog gar dicht macht! Das einzige, was sich ändert, ist zum einen die neue Sidebar – man kann mich jetzt auch auf Facebook “liken” (vorher konnte man nur einzelne Artikel teilen), und zum anderen die Tatsache, dass dieser Blog nun mit einer Facebook-Seite verknüpft ist, und über diese meine Beiträge nun auch als Facebook-Nachricht erscheinen. Seit einem halben Jahr nun spiele ich mit dem Gedanken, meinen Blog mit Facebook zu verknüpfen – der Grund ist ein ganz simpler:

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Datenschutz im Zeitalter von Web 2.0


Wer mich kennt, weiß dass ich ziemlich viele Ideale habe. Unter anderem ist der Datenschutz etwas, das ich für sehr wichtig halte. Dem gegenüber stehen alle Institutionen, Erfindungen und Dienstleistungen, die dem Datenschutz nicht folgen. Seit es das Internet gibt, nimmt der Datenschutz eine besonders wackelige Stellung ein – war man früher bieder und skeptisch, wenn es um die eigenen Daten, wie Telefonnummer, Wohnort, Arbeitsplatz, Gehalt oder den Abendplänen ging, so werden diese Daten heute an verschiedenen Stellen im Internet der gesamten Welt zur Verfügung gestellt – oft ohne tiefgehend nach zu denken, was ebenjene Daten in falschen Händen bedeuten können. Angenommen, das Internet wäre ein Mann der vor der Tür stünde und nach all diesen Daten fragte – wie viele Daten würdet ihr ihm geben?


(extra-3 zum Thema Datenschutz bei Passanten)

Der absolute Gegenpol wäre, komplett auf solche Dienste zu verzichten. Was bei der Payback-Karte beispielsweise relativ einfach geht, wird bei anderen Diensten, wie etwa facebook, StudiVZ, myspace oder Twitter immer schwieriger.

Ich persönlich bin jahrelang den Weg gegangen, habe mich StudiVZ längere Zeit ferngehalten, anderen Diensten wie facebook oder myspace habe ich mich komplett entsagt. Twitter und ganz neu Google+ habe ich aus persönlichem und beruflichem Interesse angeteste. Nun überdenke ich meinen Standpunkt, und möchte die Ergebnisse dieses Prozesses hier diskutieren.

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