Fail der Woche


Media Markt? Ich bin doch nicht blöd!

Die Frage nach dem Sinn dieses Slogans stelle ich mir schon, seit dem ich den Slogan gehört habe, denn bis dahin hatte ich die Antwort “Ich bin doch nicht blöd” auf ein Produkt eher als ablehnende Haltung für dieses Produkt gehalten. Das kann eigentlich nicht der Sinn dieser Aktion gewesen sein.

Was man ihnen aber lassen muss: Das Branding hat hervorragend funktioniert, und auch wenn Media Markt mit Slogans nur so um sich wirft – nach eigener Aussage assoziieren heutzutage 96% der Deutschen Media Markt auf “Ich bin doch nicht blöd”.

Egal, was man von der Werbung halten möchte – blöd hat sich der Media Markt damit nun wirklich nicht angestellt. Das sieht allerdings ganz anders bei der Werbeaktion “Kick Deines Lebens” aus, die vom 30.05. bis 11.06. lief. Dahinter verbirgt sich die Aktion, dass man seinen Einkauf ausgezahlt bekommt, wenn man ihn zunächst sachgerecht bezahlt und dann an der Torwand einen Treffer landet.

Media Markt überlegte sich keine weiteren Regeln oder Einschränkungen – man konnte so viel kaufen, wie man wollte, man konnte so oft teilnehmen wie man wollte, wer trifft bekommt sein Geld zurück – pro Einkaufsbon, den man beim Verlassen der Kasse in der Hand hatte, durfte man einmal ran, und traf man, gab es das Geld auf diesen Bon zurück. Und so begaben sich viele (Amateur-)Fußballer in den Media Markt und sahnten ab, was das Zeug hält. Zu besonderer Berühmtheit brachte es der Co-Fußballtrainer Dany Ward, der sich nicht nur mehrfach für sich selbst umsonst einkaufte, sondern auch für andere Kunden antrat. So lange, bis man ihm irgendwann “kriminellen und bandenmäßigen Betrug” vorwarf, und ihm ein Hausverbot aussprach. Ward ist kein Einzelfall, Thorsten Kirschbaum, der von Cottbus nach Stuttgart gewechselt hatte, sah ebenfalls seine Chance seine neue Wohnung in Stuttgart kostengünstig einzurirchten, und bekam nach den ersten Einkäufen später dann ein Teilnahmeverbot ausgesprochen, da es sich nicht um “handelsübliche Mengen” handle. Was genau handelsübliche Mengen sind, bei einem Großmarkt für Elektrogeräte, steht dabei auf einem anderen Blatt.

Damit hat der Media Markt scheinbar nicht gerechnet, entweder sind die Werbegenies hinter “Ich bin doch nicht blöd” und “Geiz ist Geil” abgeworben worden, oder aber sich mittlerweile zu selbstsicher? Ein bisschen leid tun kann der Konzern einem ja schon. Besonders dass man im Fall Ward eingeschritten ist, kann ich verstehen – so war die Aktion nicht gedacht und hier nutzt jemand ganz klar eine Lücke zur (eigenen) Bevorteilung aus. Fair ist das nicht wirklich, auch wenn ich trotzdem sagen würde: selbst schuld.

Ein ganz besonders interessanter Fall ist allerdings der von Lubomir Guechev, Student, 24. Dieser marschierte mit Smartphones im Wert von knapp 9.000€ an die Torwand – welche er sich zum Teil aus Geschenkekarten finanzierte, die er vorher ebenfalls gekauft hatte, um sie an der Torwand frei zu schießen – ohne Erfolg. Eine Lektion war dies dem Student scheinbar nicht, die 14 Smartphones wurden – teils mit den nicht gewonnenen Geschenkekarten finanziert – ebenfalls nicht gewonnen, der Kauf musste also bezahlt werden, und der Student stiefelte mit 14 Smartphones und knapp 9.000€ ärmer nach Hause. Aber natürlich hatte Guechev noch einen Trumpf im Ärmel: “Umtausch ohne Wenn und Aber” – ein Werbeversprechen, dass der Media Markt gibt, und damit das “freiwillige Rückgaberecht” bewirbt. Das galt auch während der Aktion, dort allerdings ohne Barauszahlung, daher wartete Guechev auch, bis die Aktion zu Ende war. Das Versprechen besagt:

Da machen Sie garantiert nichts falsch. Sollte Ihnen ein
bei uns gekaufter Artikel nicht gefallen, können Sie ihn originalverpackt innerhalb von 14 Tagen zurückgeben. Wir tauschen um. Ohne Wenn und Aber.

Der Media Markt beruft sich nun jedoch darauf, dass es für Ladenkäufe kein gesetzliches Widerrufs-/Rückgaberecht gibt, dass das freiwillige Rückgaberecht ein freiwilliges Rückgaberecht ist, und mit der Begründung, dass der Student eh nie an der Ware interessiert gewesen sei, sondern dem Unternehmen schaden wollte, wurde ihm die Rückgabe verwehrt. Guechev wiederum beruft sich auf das Wahlversprechen “ohne Wenn und Aber”, fühlt sich hintergangen und möchte klagen.

Mir fällt es hier ehrlich gesagt sehr schwer, Partei zu ergreifen. Nicht nur, das Guechev in der Tat versucht hat, hier ein in seinen Grundzügen gut gemeintes Angebot an die Kunden auszunutzen (in seinen Grundzügen, weil das ganze natürlich wieder eine Werbekampagne war, und das Unternehmen sicherlich darauf spekuliert hat, dass durch diese Aktion besonders viele Menschen in den Markt kommen und viel Geld dalassen werden und nur ein geringer Bruchteil wirklich einen Chance haben wird). Er war, dafür das er noch nicht einmal Talent hat, ziemlich dumm, diese Aktion überhaupt anzugehen. Spätestens als der erste Teil – der, wär er zusammen mit dem Handykauf geglückt, eine Verdopplung des Einsatzes bedeutet hätte – kein Erfolg war, hätte er einsehen können, dass seine Chancen gegen ihn standen. Da ich kein Freund einer Gesellschaft bin, in der jeder ohne Rücksicht auf Verluste nur an seinen eigenen Gewinn bedacht ist, und jede Lücke so lange und intensiv ausnutzt, bis diese geschlossen wird (siehe bspw. die DB Gruppenkarten-Schlepperbanden), kann ich an für sich nicht Partei für den Studenten ergreifen – auch wenn der Gegner ein böses kapitalistisches Großunternehmen ist, dass sicherlich auch seinen Teil an diesem gesellschaftlichen Verfall geleistet hat.

Andererseits hat er natürlich recht: Ist es rechtens, ein freiwilliges Rückgaberecht derart zu bewerben, dass es sich nach einem Versprechen anhört welches in jedem Fall gewährt wird? Oder ist es nicht doch Betrug an den Kunden? Ja, natürlich bin auch ich nicht auf den Kopf gefallen und suche immer nach dem Kleingedrucktem – man kennt das ja: “Jetzt neu bei der Telekom – DSL für nur 5€* ** *** ****“. Freiwilliges Rückgaberecht hätte allerdings, so muss ich zugeben, auch mich nicht stutzig gemacht. Ist es mittlerweile notwendig, dass man sich gleichzeitig mit der Gesetzeslage auskennen muss, sowie mit Präzedenzfällen und Gesetztesauslegungen wenn man nur einkaufen möchte? Es hätte ja durchaus auch mich treffen können, hätte ich etwas (abseits dieser Aktion) zurück geben wollen, und der/die Verkäufer*in hätte aus welchem Grund auch immer beschlossen: Nö, nehmen wir nicht zurück. Ist ja auch nur freiwillig. Auch solche Fälle hat es schon gegeben, das Internet ist voll von Beispielen.

Wie seht ihr das?

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2 thoughts on “Fail der Woche

  1. Habe darüber auch schon diverse Artikel gelesen. Und ich finde das Handeln von Media Markt (mal wieder) einfach nur empörend. War doch von Anfang an zu erwarten dass da einige “Profi”-Fußballer teilnehmen und ausnutzen werden. Daher werden solche Aktionen von den anderen Unternehmen erst gar nicht gestartet. Und wenn sie ganz groß mit “Ohne wenn und aber” werben, dann müssen (!) sie es auch “ohne wenn und aber” umtauschen! Ich würde da genauso gegen klagen, wobei MM wahrscheinlich auch sehr erfolgreiche Anwälte haben und es vorher mit denen abgesprochen haben, wo der schmale grad zwischen legal und illegal liegt. Ich mag MM nicht, hatte aber persönlich (und auch mein Umfeld) noch nie ärger mit denen. Und dennoch kaufe ich immer wieder Filme ein. Ein paar Angebote kann ich mir einfach nicht entegehen lassen.

    • Unverständlich bleibt für mich, wieso man das eben genau so aufgezogen hat. Wie Du sagst, dass Profis kommen, war zu erwarten, dass die gewinnen, ebenfalls – und dass die, wenn es keine anderen Regeln gibt, wiederkommen, dazu bedarf es doch keinem all zu großen IQ? Beschränknung auf einen Artikel, oder eine Preisobergrenze, oder auch, dass man nur einmal teilnehmen darf (es werden doch sicherlich in irgend einer Form Daten aufgenommen, wenn man denn gewinnt – kann mir nicht vorstellen, dass das nicht gegen Quittung rausgeht),…

      Ist Media Markt da echt zu blöd für?!

      Ich hab Gott sei Dank keinen Media Markt da, und war sowieso immer mehr der Saturn-Mensch (was natürlich nix besser macht :D). Meine Schwäche ist da eher Amazon…

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