Google, sometimes you suck!


Google ist ein riesiges Unternehmen, dass eine riesige Vielzahl an Diensten anbietet. Oft handelt es sich hierbei auch um Techniken, die marktführend sind, oder aber um einfach verwendbare und stark in andere Google-Tools integrierte Services. Allerdings ist Google – bedingt durch seine Vielzahl an Diensten – derjenige der auch die meisten Dienste wieder einstellt.

Ein wirklich beliebter Dienst – daher wundert es mich sehr dass dieser aufgrund von rückläufigen Nutzerzahlen eingestellt wird – ist der Google Reader. Google Reader war einer der ersten webbasierten Feed-Reader – mehr als ein durch Benutzer gestaltbarer online Feed-Aggregator, da auch der Lesestatus von Artikeln online festgehalten wurde. Damit wurde der Service zu der Lösung, wenn man seine Feeds sowohl mit dem Handy als auch mit Rechner lesen wollte, und nicht auf unterschiedlichen Geräten unterschiedliche Stände haben wollte, von dem was man gelesen hatte und was nicht.

Daneben gab es eine “soziale” Komponente, Freunde konnten sehen, was man abonniert hatte, man konnte Abonnements Freunden empfehlen, etc. Hat mich weniger interessiert, aber auch diese Funktionen hatten ihre Freunde.

Für mich war vor allem die Software Reeder interessant – ein netter RSS Reader, der sich direkt über die API mit Google Reader verbindet und die Feeds darstellt. Ich habe lange Zeit nach einem Feed-Reader gesucht, der meinen Anforderungen genügte, und diese solange herunter geschraubt bis nur noch zwei Anforderungen übrig blieben:

Idealerweise sollte die Software möglichst Plattformunabhängig sein, ich nutze ja auch noch ein Linux, und auch wenn es nicht mehr mein Desktop-System ist, so ist es für mich immer schön zu wissen, wenn eine Transition nach Linux unproblematisch möglich wäre, sollte ich mich irgendwann mal dazu entschließen, mein Hauptsystem doch wieder zu wechseln (immer mal wieder wird der Drang bei einigen Beschränkungen, bzw. Problemen doch wieder lauter…). Gleiches gilt für mein Mobiltelefon. Allerdings hab ich das sowieso schon aufgegeben. Die einzig gangbare Lösung zeigte sich mir im Reeder für OS X und iOS, ohne Synchronisierung, da der Datenbestand über Google Reader aktuell gehalten wurde.

Wie dem auch sei, am ersten Juli diesen Jahres wird der Dienst eingestellt. Das ist doof. Und das finde nicht nur ich doof. Wie wichtig dieser vielen unscheinbare Dienst doch ist, macht sich vor allem in dem Medienhype bemerkbar, der sogar total fachfremde Magazine erreicht hat – etwa die Wirtschaftswoche oder das Handelsblatt! Welcher andere IT-Dienst hat ob seiner Schließung wegen rückläufiger Benutzerzahlen schon solch ein mediales Interesse genießen dürfen? (Okay, ausgenommen SchülerVZ…)

Der Unternehmer Dan Lewis geht noch einen Schritt weiter: Er hat die Petition “Google: Keep Google Reader Running” auf der Petitionsplattform Change.org eröffnet, die mittlerweile (nach nur einem Monat) bei über 150 000 Unterschreibern ist. In einem offenen Brief an Google fordert er das Unternehmen dazu auf, den Reader nicht zu “nuken”:

Our confidence in Google’s other products — Gmail, YouTube, and yes, even Plus — requires that we trust you in respecting how and why we use your other products. This isn’t just about our data in Reader. This is about us using your product because we love it, because it makes our lives better, and because we trust you not to nuke it.

Tatsächlich muss man sich fragen, wenn so beliebte Dienste eingestellt werden, in wie weit man Google generell bei Diensten vertrauen kann… ich persönlich überlege schon seit einer ganze Weile wegen diverser Gründe, ob ich meine Facebook-Aktivitäten nicht in Richtung Google+ bewegen sollte. Ärgerlich, wenn solch ein Service dann nach so einem Schritt ebenfalls geschlossen wird – immerhin hat G+ ja eh schon den Ruf, “deserted” zu sein, und das obwohl es technisch als auch vom Funktionsumfang Facebook ziemlich überlegen ist…

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Unabhängig davon ob der Service nun weiter geführt wird oder nicht: Ich suche eine Alternative. Meine bisher präferierte Software, Reeder, wird wohl weiter laufen – die Entwicklung des Ein-Mann-Projekts ist allerdings sehr langsam – viele User hatten sich über Monate darüber beschwert, dass der Druck-Support wegen eines winzigen Programmier-Fehlers (rechte für die Sandbox in der die App läuft) nicht mehr funktioniert, und vergeblich auf ein Update gewartet. Bis die Version 2.0 auch für OS X veröffentlicht wird, gibt es den Reeder jetzt kostenlos. Das lässt gerade viele jubeln die auf die letzten Monate Google Reader nun auf Reeder umsteigen wollen, und denen die 10€ vorher zu viel Geld waren. Dabei verlieren sie eines aus den Augen:

Die iPhone-Version, die schon auf Version 3.1 aktualisiert wurde, nutzt jetzt feedbin.me als Dienst. Dieser ist lediglich als Bezahldienst vorhanden und kostet $2USD/Monat.

Weiterhin ist folgendes zu bedenken: Wenn jetzt jeder kostenlos die Version 1.x von bekommt, wird ein Upgrade, das spätestens am 01.07.2013 fällig wird sicherlich nicht gemacht werden können – die Software wird also höchstwahrscheinlich für alle, auch diejenigen, welche die Version 1.x gekauft haben, erneut kostenpflichtig sein. Ich habe schon einmal in Summe (iPhone + OS X Version) ~15€ ausgegeben – das war es mir auch Wert. Allerdings – in dieser Zeit hat sich die Software so gut wie gar nicht weiter entwickelt, Bugfixes (siehe oben) fanden nicht statt (gut, hat mich nicht gestört, ich hab bisher noch nicht das Bedürfnis verspürt einen Feed auszudrucken). Ob mir ein persönlicher synchron haltbarer Feedaggregator $2USD wert ist, müsste ich mir noch mal überlegen. Wenn der Dienst gut ist, könnte man sich das jedenfalls überlegen – schön ist, dass die eingesetzte Software OpenSource ist, und unter github ein Repository zu finden ist, und für einen Campus Suite Kaffee weniger könnte ich mir dann auch jeweils ein Vierteljahr feedbin finanzieren. Weiter 15€ für die Software (dann also insgesamt 30€, die ich investiert hätte) sind es mir aber definitiv nicht wert.

Daher meine generelle Frage an alle, die hoffentlich bis hierhin gelesen haben: Kennt ihr Alternativen? Würdet ihr Feedbin nutzen? Welche Software verwendet ihr so als Feedreader?

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One thought on “Google, sometimes you suck!

  1. Ich bin bei feedly gelandet. Da ich genau die Abschaltzeit im Urlaub war, hatte ich ziemlich bammel, ob die Migration geklappt hat – vor meinem Urlaub stand als Quelle immer noch “Google Reader” und nicht, wie es eigentlich sein sollten “Feedly Cloud”. Aber es ging.
    Nur mit der iOS App dauerte es etwas, bis es funktionierte. Ich nutze Feedly am PC über die Firefox und Chrome-Erweiterungen und auf dem Kindle per Android App. Einige sachen gefallen mir sogar besser als beim Google Reader. Andere nicht. Aber es funktioniert und sieht sogar ganz schick aus. Ich werde wohl dort bleiben.

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