Wasser ein Menschenrecht?!


Auf unserem kleinen Planeten ist Wasser (Chemische Formel: H2O) der Stoff, der uns von allen anderen Planeten im Sonnensystem abhebt. Das heißt nicht, dass es nicht auch auf anderen Planeten Wasser gibt. Allerdings haben wir durch günstige Umstände eine Umlaufbahn, in der Wasser im Flüssigen Zustand vorkommen kann. 71% unseres Planeten sind von Wasser bedeckt, was ihm den Namen “Blauer Planet” verdankt. 1,4·109 km3 verbirgt sich auf unserem Planeten insgesamt, also ausgeschrieben 1 400 000 000 Kubikkilometer, oder eben 1,4 Milliarden. Da ein Kubikmeter 1 000 Litern entspricht, kommen wir auf eine Literzahl, die in unserem Zahlenverständnis in der Regel gar nicht mehr handhabbar ist – in Exponentialschreibweise 1,4·1021 Liter, also eine Zahl mit 20 nullen, nach der 14; als Präfix für die SI-Einheit Sprärche man hier von 1,4 Zettaliter, oder aber 1,4 Trilliarden Litern. Würde man versuchen, das ganze in ein großes, quadratisches Aquarium einzufüllen, so müsste dieses eine Kantenlänge von 1 120km haben – zum Vergleich: Deutschland hat vom nördlichsten Punkt, nämlich dem Ellenbogen auf Sylt, bis zum südlichsten Punkt, bis zum Haldenwanger Eck, dem Südlichsten Punkt Deutschlands eine Ausdehnung von 886km, Luftlinie, von Ost nach West sind es mit 640 noch mal deutlich weniger – die Grundfläche Deutschlands würde also nicht ausreichen, diesen Würfel zu tragen.

Wasser zeichnet die Erde in unserem Sonnensystem nicht nur aus; man muss davon ausgehen, dass sie der Grundstein des uns bekannten Lebens sind. Erst das Wasser ermöglichte es, dass Leben entstehen konnte, unsere Vorfahren waren irgendwann Wasserwesen, die an Land gekrabbelt sind, und so verwundert es auch nicht, dass auch der Mensch zu ca. 70% aus Wasser besteht. Wasser ist wichtiger Bestandteil unseres Lebens, Mangel führt zu vielen Gesundheitlichen Problemen, zu Organversagen und auch zum Tod. Während unser Körper bis zu 6 Wochen ohne Nahrung (und damit Energiezufuhr) überleben kann, sterben wir – in unseren Temperaturgefilden – schon nach 3 Tagen ohne Wasserzufuhr! Aber auch für die Hygiene ist Wasser unerlässlich und leistet damit auch einen indirekten Beitrag zur Gesundheit, und da nicht nur wir, sondern auch Tiere und Pflanzen existenziell von Wasser abhängig sind, führt auch bei unserer Nahrung letztendlich kein Weg am Wasser vorbei. Schlussendlich wird in der oxygenen Photosynthese aus CO2 und Wasser zusammen mit Licht der Stoff O2, also Sauerstoff gebildet, die dritte Grundlage für unser Leben. Daher wird bei der Suche nach Außerirdischem Leben in der Regel nach Planeten geguckt, welche ebenfalls in einer sogenannten Habitablen Zone um einen Stern kreisen – als Habitable Zone wird dabei der Abstand genannt, in dem ein Planet um einen Stern kreisen muss, damit auf diesem Planeten Wasser in flüssiger Form existieren kann.

Die Meinung unterscheidet sich, wie viel Wasser ein erwachsener Mensch täglich zu sich nehmen soll – im Schnitt landet man bei 2 Litern täglich. Auf eine Lebenserwartung von 80 Jahren bedeutet dies dass der Mensch 80·365·2 = 58 400 Liter in seinem Leben verbraucht.

Kurioser Weise sind nur ca. 3% der Wasservorkommen für Menschen und Tiere trinkbar – die anderen 97% befinden sich in den Ozeanen und sind so Salzig, das sie den Durst nicht löschen, sondern ihn verschlimmern. Aber immerhin sind von 1,4 Milliarden Kubikkilometern 3% immer noch eine stattliche Menge von ca. 48 Millionen Kubikkilometer. Aber auch hier gibt es dann ein kleines Problem – von diesen 48 Millionen Kubikkilometern an Wasser, fallen 69% auf Eismassen an den Polen ab. Damit bleiben 30% an Wasser übrig, die auf das Grundwasser abfallen. Damit dieses Getrunken werden kann, ist, je nach Situation des Wassers noch eine Aufbereitung notwendig – denn je nach Quelle ist das Wasser mit bestimmten Mineralien und Salzen in unterschiedlichen Konzentrationen versetzt – hier gibt es ganz genaue Bestimmungen, welche Stoffe in welcher Höchst-Konzentration vorliegen dürfen, damit Wasser als Trinkwasser verbreitet werden darf, denn auch hier können sonst gesundheitliche Risiken entstehen (vor allem Leber- und Nierenschäden können bei schlecht aufbereitetem Wasser verursacht werden).

Stadt- und Wasserwerke sind in Deutschland öffentliche oder gemischt-wirtschaftliche Unternehmen, d.h. sie gehören letztendlich dem Staat, und sind im öffentlichen Auftrag dazu verpflichtet, eine Grundversorgung für jeden Bürger sicher zu stellen – die betriebswirtschaftliche Grundmotivation Gewinnmaximierung sollte also außen vor stehen, und bei durschnittlich 1,50€/m3, also 1 000 Liter, kann man wohl davon sprechen, dass der Versorgungsgedanke im Vordergrund steht.

Dies ist allerdings nicht überall so. In Afrika beispielsweise sind die wenigen Trinkwasserbrunnen hart erkämpftes Eigentum – ganze Kriege werden hier – nicht politischer Ideologien wegen und auch nicht wegen religiöser Verblendung (welch Luxus das eigentlich ist!) – sondern um’s nackte Überleben geführt! Laut WHO sterben Jährlich rund 2,4 Millionen Menschen – das sind umgerechnet 6 500 Menschen täglich(!), entweder durch direktes Verdursten, oder durch die Folgen von verunreinigtem Trinkwasser. Dabei ist an für sich heute noch genug Wasser da – oft mangelt es an der Versorgung und der Aufbereitung. Sollte Wasser, als Grundlage für unser Leben nicht eigentlich ein Recht sein? Sonst wäre ja auch das Recht auf Leben, das wir jedem Menschen zusprechen eine Farce?

Die Idee eines solchen Rechtes auf Wasser ist dabei garnicht so neu – Geschichtlich ist der älteste Fall für ein Recht auf Wasser bei den alten Ägyptern schriftlich festgelegt. Der König Ḫammu-rapi I. von Babylon erlies in der Codex Hammurapi, der ältesten erhaltenen Rechtssammlung um 1700 v. Chr. ein Wasserrecht! In unserer Modernen Welt ist erst 2010 das Land Bolivien auf den Trichter gekommen, der UNO eine Resolution vorzulegen, nach der Wasser zu einem Menschenrecht wird. Zur UNO-Vollversammlung die über diesen Entscheid abstimmen sollten, waren von 193 Staaten jedoch nur 163 Staaten anwesend und nur 122 Stimmten für die Resolution. Man könnte meinen, ein Armutszeugnis, wenn nur knapp 60% der Staaten für eine solche Resolution sind – wohlgemerkt, die Menschenrechte sind für die Mitglieder der UN noch nicht einmal rechtlich bindend, oder einklagbar! Es geht rein um eine politische Symbolwirkung und die Willenserklärung, diese Einzuhalten.

Aber nicht nur in Ländern wie Afrika ist Wasser ein privates Gut. Im Musterland des Kapitalismus, den USA, ist das Wasser Ländersache und in vielen Bundesländern unbeschränktes Eigentumsrecht. Hier ein Beispiel aus der Dokumentation “Tapped“, über den Bundesstaat Maine, bei dem – nach Einzug von Nestlé – anscheinend sogar mehrere Flüsse ausgetrocknet sind:

Im Bundesstaat Maine gilt das unbeschränkte Eigentumsrecht, nach dem faktisch derjenige, der die größte Pumpe hat, das meiste Wasser erhält. Nestlé pumpt das Wasser kostenlos ab, hat für Verarbeitung und Verpackung Gesamtkosten von 6 bis 11 US-Cent pro Gallone und verkauft es dann für rund 6 US-Dollar pro Gallone weiter, was für den Endverbraucher rund das 2000-fache des Preises seines heimischen Leitungswassers bedeutet. Das Vorgehen von Nestlé in Fryeburg ist beispielhaft für das Vorgehen großer Lebensmittelkonzern auf der ganzen Welt. Da Nestlé für das Abpumpen eine tiefere Quelle gebohrt hatte, als die Wasserquelle für die Gemeinde, kam es dazu, dass die gesamte Gemeinde für eineinhalb Tage kein Wasser mehr hatte, während Nestlé das Wasser weiter abpumpte.

In den USA sind Nestlé und Coca-Cola die größten Firmen, die das Geschäft mit Wasser gewittert haben – nach Prognosen wird Trinkwasser rasend schnell knapper, was vor allem mit der Industriellen Verschmutzung zusammenhängt – wer in Deutschland aufgrund der hier gesetzlichen Bestimmungen zu teuer produzieren muss, geht nach China – dort kann Abwasser ungeklärt in den nächsten Fluss abgelassen werden, und verseucht damit wertvolles Trinkwasser über Jahre. Nestlé Chef Barbeck sagte in einem Interview:

Beim 140. Geburtstag von Nestlé vor sechs Jahren habe ich mir überlegt, auf was wir achten müssen, damit wir dereinst 280 Jahre Nestlé feiern können. Nach einer langen Analyse habe ich Wasser als Kernpunkt  unserer künftigen Strategie bezeichnet. Ohne Wasser geht gar nichts. Wasser ist das Leben.

Ohne Wasser geht nichts, Wasser ist das leben – also wird das unser Zukünftiges Kerngeschäft? Damit Nestlé noch in 280 Jahren gefeiert werden kann? Man kann es auch das Geschäft mit dem Leben bezeichnen. Und wo Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, wissen wir aus vielen Beispielen, wie etwa bei der Coca-Cola Company oder auch Nestlé, dass Gewissen in den Hintergrund gerät. Genau das ist es, was passiert, wenn Wasser privatisiert wird – zunächst wird Wasser wahrscheinlich der Kampf von Unternehmen um das Trinkwasser steigen – es gilt, Reservoirs aufzubauen, Quellen zu kaufen, das geht gerade in den Entwicklungsländern sehr gut, denn dort ist man arm, benötigt also Geld und denkt daher sehr kurzfristig, wenn Firma xyz große Landmassen aufkaufen will, auf welchen es dann Pumpen stellt um das Grundwasser abzupumpen. Alsdann kann man sich einen Preiskampf bei uns vorstellen – diejenigen mit den größten Reservoirs können das Wasser am günstigsten Anbieten (Fixkostenanteil der auf die Gesamtkosten runter gebrochen wird), bis es dann irgendwann knapp wird, und die Wasserkosten sukzessive Ansteigen. Und dann sind wir irgendwann an dem Punkt, wo diejenigen, die wenig verdienen, anfangen sich zu überlegen, dass sie auch mal 1-2 Tage ohne Wasser auskommen – was zu gesundheitlichen Problem führt, etc. Schenkt man den ganzen Verschwörungstheoretikern gehör, dann soll ja schon heute in den Entwicklungsländern reichlich Lobbyarbeit von Firmen wie Nestlé geschehen, angeblich sollen dort sogar Gesetzte erlassen werden, die es verbieten sollen, dass man Regenwasser sammle – in den Slums eine der wenigen Möglichkeiten an halbwegs sauberes Trinkwasser zu kommen. Aber dazu konnte ich nun keine seriösen Quellen finden, die das belegen.

Kommen wir nun aber zur Situation in Deutschland, und dem Aufhänger für meinen Blogpost: In der UNO Vollversammlung hat sich die Vertretung für Deutschland noch für die UN-Resolution positioniert. Deutschland also für Wasser als Menschenrecht? Wie gesagt, die UN-Resolution ist nicht bindend, und so hat die Linke nun also einen Antrag im Bundestag gestellt, nachdem auch nach deutschem Recht “Wasser als Menschenrecht” veranktert werden soll. Wie glaubt ihr, fällt solch eine Abstimmung (übrigens namentlich) aus?

Man kann sich sicherlich vorstellen, das die Partei der Bänker-, Ärtze- und Unternehemnsvertreter, die FDP, sicherlich für Nein stimmt, denn hier gibt es sehr viele finanzielle Interessen, die zu wahren sind. CDU/CSU? Nun, nach meiner Erfahrung ist die CSU ebenfalls eine Reichenvertreter-Partei, ergo würde der Teil wahrscheinlich eher in Richtung FDP tendieren – allerdings sind Menschenrechte ja auch eine teilweise Festigung christlicher Wertvorstellungen, welche die CDU ja vertreten sollte. Hier würde ich also ein gemischtes Bild erwarten. Die SPD wiederum ist die Partei des “Kleinen Mannes”, wie es so schön heißt, “Sozial” steht im Parteinamen, und ein solches Menschenrecht kann ja nur Sozial sein. Und bei den Grünen sollte jede Enthaltung doch sehr wundern!

Tatsächlich jedoch haben CDU/CSU und FDP fast einheitlich, und damit mit 298 Stimmen für “Nein” gestimmt. Linke und Grüne Einheitlich mit Ja, kommen damit leider nur auf 121 Stimmen – das leider verrät vielleicht schon, was nun kommt – mit 146 Stimmen ließe sich dsa Ergebnis eh nicht mehr herumreißen. Allerdings hat die SPD fast geschlossen mit Enthaltung gestimmt?!

(Quelle)

Liebe SPD, was bitte ist bei euch eigentlich gerade kaputt? Wollt ihr euch vielleicht von Sozialdemokratische in Kapitalistische Partei Deutschlands umbenennen? Wobei, das ja eher zu der CDU passt – Christlich scheint hier schon lange nicht mehr für die christlichen Werte wie Nächstenliebe zu stehen. Capitalistic-Democratic-Union passt besser, ist in Wirtschaftsdeutsch (auch wenn euch die FDP dann nicht mehr versteht) und ihr müsst eure Buchstaben garnicht erst umändern. Wie wärs? Und die SPD heißt dann ab jetzt “Die Unentschlossenen”? Verstehen kann ich den Standpunkt jedenfalls beim besten Willen nicht. Außer natürlich die Position ist immer noch dem alten Streit zwischen SPD und der Linken geschuldet? Stimmt ihr immer noch gegen alles, was die Linken anbringen, weil ihr mit denen nicht spielen wollt? Wie wäre es denn dann mit Kindergartenpartei Deutschlands?

Mir tut es ja leid, aber seit der großen Koalition habt ihr euch in meinen Augen zu etwas absolut unwählbarem entwickelt. Bei meinen ersten Wahlen war ich immer am Grübeln, ob, und wenn ja, wie ich meine Stimmen taktisch günstig zwischen SPD und Grüne aufteile… nachdem es in den letzten Monaten so aussah als finge sich die Partei wieder, hatte ich die Hoffnung, dass sie sich wieder zu einer wählbaren Alternative entwickeln könnte. Aber wenn man heutzutage für Soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung steht, dann bleiben einem wohl nur noch die Grünen und die Linke. So traurig das ist.

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2 thoughts on “Wasser ein Menschenrecht?!

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