Wir wollen es doch nicht anders?


Ich wurde die letzten Tage schon ein paar mal darauf angesprochen, und habe bisher immer ein wenig Ignoranz dem Thema bezüglich gezeigt; das musste ich auch, schließlich bin ich gerade in der heißen Phase, was Prüfungen anbelangt, und da habe ich keine Zeit, mir irgend eine komische Dokumentation anzugucken – es geht natürlich um dieses Video über Amazon, das die Welt scheinbar erschüttert hat.

Und? Hast Du schon Deinen Amazon-Account gelöscht?

ist nur eine der Fragen. In vielen Foren und auf Facebook ist diese Geschichte ein wahrer Katalysator für eine riesige Hasswelle, wie nur ein (bewusst anonymes) Beispiel zeigen soll:

Wer noch Gründe braucht [Anmerkung: Zum Amazon-Boykott] kann sich hier weiter unten auf der Seite die ARD Reportage ansehen.
Die hier dokumentierte “Arbeitskraft-Logistik” wurde vor etwa 70 Jahren von der SS entwickelt, zur Bewachung der Amazon Zwangsarbeiter Rechtsradikale einzusetzen ist also nur konsequent.

Ganz zu schweigen von dem “Shitstorm” der auf der Facebook-Seite von Amazon entbrannt zu sein scheint. Wie kann ich also so ignorant sein, und meinen Amazon-Account noch nicht gekündigt haben?

Zuerst habe ich die “Dokumentation” nicht geschaut, und da ich auch kein großer Fan der öffentlich Rechtlichen bin (ja, es tut mir leid, aber das ist einfach so. Oft muss ich mich dafür rechtfertigen, daher tu ich das auch hier kurz: Sowohl qualitativ als auch in Bezug auf das Unterhaltungsagebot finde ich so gut wie nichts ansprechendes bei den ÖRs und die Art und Weise der Gebührenerhebung ist auch eine Frechheit – besonders was das neue Modell anbelangt) habe ich auch lange gezögert. Aber wenn man dann selbst vom kleineren Bruder darauf angesprochen wird, wird es doch mal Zeit. Wohl bekannt waren mir aber schon vorher auch einige andere Meldungen, die aber weniger “gehypt” werden, etwa der Artikel vom Focus, der Blogeintrag bei Fernsehkritik, oder jetzt neu der Artikel im The European, die – auch bei einiger berechtigter Kritik des ARD-Videos – dieses in ein etwas anderes Licht rückt.

Wer sagt denn nun die Wahrheit und wer lügt? Es sind sicherlich einige wahre Punkte in diesem Video zusammengetragen, aber schon an der Aufmachung der “Dokumentation” (erinnert sich eigentlich noch jemand an Dokumentationen, die völlig ohne Musik und stimmungsmachende Bilder ausgekommen sind?!) wird ganz deutlich, dass hier ganz stark Stimmung gemacht werden soll, und zwar schon in der ersten Minute: dunkle Farben, dramatisch-rührende Musik, das Zerschlagen von Amazon mit dem Hammer, Videofetzen von irgend einem Passanten, der behauptet, die Amazon-Leiharbeiter würden in der Kantine für einen Kaffee betteln gehen müssen, da sie für einen Hungerlohn arbeiten – da werden wohl die allerwenigsten es schaffen, keine Anti-Haltung bezüglich Amazon einzunehmen. Und danach muss man dann auch nicht mehr all zu genau mit den Fakten sein – Empörungen bspw. darüber, dass bei einem mit Stempeluhr geführten Unternehmen weniger Lohn da ist, wenn man sich wegen Verspätung zu spät einstempelt… mal ganz ehrlich, in welchem anderen Unternehmen mit Zeiterfassung ist das nicht so? Die oben verlinkten Artikel lassen auch an den restlichen dargelegten Fakten Zweifel aufkommen.

Das Hauptproblem ist aber sicherlich, dass – wie schon seinerzeit bei Apple Inc. – die Situation eines Zulieferers als das Problem des Vertragspartners verkauft wird. Kann Amazon etwas dafür, dass die Leiharbeitsfirma, die Amazon beauftragt, um das Saison-Personal (das eingestellt wird, damit wir unsere Päckchen auch pünktlich Weihnachten unter dem Weihnachtsbaum haben) einzustellen, tatsächlich zur Rechenschaft gezogen werden, wenn dieses ihrerseits, und auch wieder über dritte (in dem Fall die Gesellschaft, die für die Unterbringung der Leiharbeiter zuständig war) eine Sicherheitsfirma H.E.S.S. Security anstellt, in der rechtsradikale Aufseher dann in Thor Steinar-Klamotten die ausländischen Saisonkräfte schikanieren?

Dabei ist Amazon bekannt dafür, dass es von rechtsradikalen beliebte Marken nicht zum Verkauf anbietet – das wenigstens verschweigt auch das vom Hessischer Rundfunk hergestellte Video nicht. Kurz nach dem Bericht reagierte Amazon auch sofort, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete:

Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Unternehmen mit sofortiger Wirkung beendet wird. Als verantwortungsvoller Arbeitgeber von rund 8000 festangestellten Logistikmitarbeitern hat Amazon eine Null-Toleranz-Grenze für Diskriminierung und Einschüchterung – und wir erwarten das gleiche von allen Unternehmen, mit denen wir arbeiten.

Meine eigene Recherche hat ergeben, dass es die Firma H.E.S.S. – die “Berichterstatter” des Videos vermuteten eine Verbindung zu Rudolf Heß – nun auch nicht mehr als solche gibt (eben genau wegen dieser gezogenen Assoziation). Der Inhaber, Patrick Hensel, hat diese (ehemals Hensel European Security Services) nun in Hensel Security umbenannt. Zu den Vorwürfen nimmt der Inhaber in einigen Presseerklärungen (15.02.2013, 18.02.2013, Statement HNA und 18.02.2013, Statement EXTRA TIP) Stellung und auch dass klingt plausibel und glaubwürdig – und eben anders, als in dem Beitrag von dem Hessischen Rundfunk dargestellt.

Besonders interessant sind folgende Passagen (aus allen drei Statements zusammenkopiert):

Unser Auftraggeber war – wie übrigens kaum ein Medium korrekt berichtet hat – nicht Amazon selbst, sondern ein Reise-Dienstleister
(…)
Der Grund der Beauftragung von uns als Sicherheitsunternehmen liegt darin, dass in der gleichzeitigen Unterbringung einer größeren Anzahl von Menschen, die sich auch untereinander nicht kennen, ein erhebliches Konfliktpotential liegt.
(…)
Gleichermaßen sind wir beauftragt, das Hoteleigentum der unterbringenden Gastwirte vor Diebstahl und Beschädigung zu schützen.
Beschädigungen oder Diebstähle von Hoteleigentum sind in der Vergangenheit häufiger vorgekommen, sodass für diesen Einsatz ein berechtigter Anlass besteht. Gleiches gilt für Konflikte unter den Leiharbeitern. Wir wissen von einer Vielzahl der untergebrachten Leiharbeiter, dass sie unsere der Konfliktvermeidung dienende Tätigkeit zu schätzen wissen.
(…)
Die Kontrolle der Zimmerunterkünfte zur Feststellung und Dokumentation etwaiger Beschädigungen oder abhanden gekommener Sachen finden im Einvernehmen und ausschließlich im Zusammenhang mit der Begehung von Hotelzimmern durch das Housekeeping der Hotelbetreiber statt.
Rechtswidrige Durchsuchungen finden durch unser Unternehmen nicht statt.
(…)
Unsere Mitarbeiter tragen im Einsatz die von uns vorgeschriebeneeinheitliche Dienstkleidung mit unserem Firmenlogo. Im Gegensatz zu demwahrheitswidrigen Eindruck, den die ARD-Reporter erwecken, trugen dieMitarbeiter die beanstandete Kleidung nur in ihrer Freizeit. WelcherArbeitgeber weiß, welche Kleidung seine Mitarbeiter in Ihrer Freizeittragen? Wir haben jedenfalls erst davon erfahren, als die Vorwürfe lautwurden. Und wir haben den Hinweis sofort sehr ernst genommen und mit einerDienstanweisung reagiert.
(…)
Wir sind stolz darauf, Kolleginnen und Kollegen mit xx Nationalitäten zu beschäftigen. xx Prozent unserer Leute sind Ausländer, überwiegend türkischer Herkunft. Schon deshalb ist jeder Rassismusvorwurf abwegig.
(…)
Sie alle werden entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen von den Behörden auf Eignung und Zuverlässigkeit überprüft. Neben einer fachlichen Prüfung müssen Sie ein sauberes Führungszeugnis vorweisen. Eine Gesinnungsprüfung kann und darf aus datenschutz-, persönlichkeitsschutz- und arbeitsrechtlichen Gründen bei uns natürlich eben so wenig stattfinden wie bei anderen Arbeitgebern.
(…)
Wir haben umgehend eine arbeitsrechtliche Prüfung eingeleitet und werden unsvon den Mitarbeitern [Anmerkung: diejenigen mit den Thor-Steiner-Jacken] trennen, sofern das rechtlich zulässig ist. Wir könnenund wollen mit Blick auf die Befindlichkeit unserer Kunden und der knapp 50fest angestellten Mitarbeiter nicht den Hauch eines Verdachtes im Raumstehen lassen. Allerdings haben Ermittlungen auch ergeben, dass sich die imSeepark eingesetzten Mitarbeiter im Dienst absolut nichts zu Schulden habenkommen lassen. Und ob es für eine ordentliche oder sogar außerordentlicheKündigung ausreichend ist, in der Freizeit eine umstrittene Jacke zu tragen,wird von den hinzugezogenen Arbeitsrechtlern eher skeptisch beurteilt.
(…)
Soweit in der aktuellen Berichterstattung über den Einsatz unseres Unternehmens im Seeparkhotel Kirchheim berichtet wird, unser Sicherheitsdienst habe das Fahrzeug der Journalisten zugeparkt, stellen wir fest, dass unserer Kenntnis nach seitens des Hotelbetreibers gegenüber den Journalisten zunächst ein Hausverbot ausgesprochen worden war, woraufhin sich die Journalisten in ihrem Zimmer einschlossen.
(…)
WIRhaben die Polizei zur Unterstützung gerufen, weil die Reporter aufPrivatgelände eingedrungen waren und es trotz Aufforderung nicht verlassenwollten. Jetzt wird gegen die Reporter wegen Hausfriedensbruchs ermittelt.Darüber berichtet die ARD in dem Filmbeitrag natürlich nicht.

Summiert man all dies zusammen, dann gibt es eigentlich nur eine Partei, der man wirklich ordentlich etwas vorwerfen kann, und das ist der ARD für das Ausstrahlen eines manipulativen und augenscheinlich vorsätzlichen falsch dargestellten Artikels, indem vor allem eines begangen wird – Rufmord.

Die Kritik, der sich Amazon zurecht stellen muss, ist das hohe Aufkommen an Leiharbeitern. Aber das ist nunmal ein gängiges und erlaubtes System in Deutschland, und wenn man das Wort nur bei Google eingibt, sieht man wie viel Kritik es daran, schon seit Jahren gibt. Anstatt sich auf einen Konzern zu stürzen, der ebenfalls Leiharbeiter anstellt, sollte man vielleicht mal da ansetzten? Denn wie es schon im Artkel von The European hieß, können wir sonst auch gleich anfangen mit dem Boykott von Spargel, Discounter wie KIK, Produkte wie Smartphones, etc.

Nur – das könnte schlussendlich für eigene Nachteile sorgen, also lieber doch nicht. Denn, seien wir mal ehrlich, Meckern tun wir gerne – sei es über Politiker die für die Armut in Deutschland verantwortlich sind, gegen die Staaten in der EU die dafür sorgen, dass Deutschland Geld ausgeben muss, um letztendlich auch sich selbst zu retten – oder aber gegen die bösen bösen Großkonzerne, die in China und jetzt auch in Deutschland arme Arbeiter ausbeuten; tun wollen wir aber eigentlich doch nichts, denn Änderungen können sich ja auch Nachteilig auswirken. Keine Leiharbeit bedeutet nämlich höhere Lohnkosten für Arbeitgeber, und das wiederum höhere Preise für Konsumenten. Das dies natürlich auch beinhaltet, das letztendlich jeder mehr Geld in der Tasche hat, weil man anständig für die verrichtete Arbeit entlohnt wird, interessiert da weniger – vor allem diejenigen nicht, die auch jetzt schon anständiges Geld verdienen.

Und überhaupt – welches Unternehmen versucht nicht auch auf die ein oder andere moralisch oder ethisch fragwürdige Methode Geld zu sparen und dadurch höhere Gewinne zu erzielen? Den Großteil der Deutschen interessiert es doch nicht, ob das Produkt jetzt ökologisch Nachhaltig und sozial gerecht produziert ist, solange er davon nicht irgend einen Vorteil hat. Wir sind die Generation Geiz ist geil, die auf der einen Seite genug Geld für Wohnung, Eigenheim und Einfamilienhäuser hat, der Trend geht schon lange nicht mehr zum Zweitwagen – auch Töchterchen oder Sohnemann möchte ein Auto haben, zum 18. ist das nunmal das Standard-Geschenk. Die Frage nach dem Sinn bleibt da oft aus – gerade in großen Städten, wo dann jeder im Feierabendverkehr stecken bleibt, und sich über all die Menschen aufregt, die unbedingt jetzt mit dem Auto unterwegs sein müssen, während neben einem die Busse und unter einem die Züge entlang rollen, die mittlerweile in vielen Städten (ich selbst habe in 3en gewohnt, und war oft in 4-5 weiteren regelmäßig zu Besuch) eine nahezu lückenlose Anbindung bieten und das auch schon beinahe rund um die Uhr! Aber wir sind ja auch Bequem, Homo Comfortabilis, der seine Komfortzone nach Möglichkeit nie verlässt. Der Viertwagentrend bleibt aber sicher aus, bei den statistischen 1,4 Kindern – für mehr ist dann nämlich oft kein Geld da – verständlich, wenn man neben seinem Haus und drei Autos auch noch jährlich in den Urlaub fahren will – irgendwo muss man ja sparen, wenn man dann nicht auch noch an die Rücklagen für’s Alter möchte.

Also ein Kind weniger, das bringt ordentlich Geld ein. Und nicht nur bei Saturn ist Geiz geil. Gerade Leute, die es sich leisten könnten auch mal einen Euro mehr zu bezahlen, tun dies in der Regel nicht – nach meiner Erfahrung scheint es bei einigen, doch wohlhabenden Menschen geradezu ein Sport zu sein, so günstig wie möglich zu kaufen (liegt vielleicht daran, das betriebliches Denken dann auch ins Blut übergeht?). Längst ist Aldi nicht mehr der Supermarkt, den nur die Arbeitslosen und Migranten aufsuchen – solange man sich nicht über die Aldi-Hausmarke als “billig” abstempelt – solange man nach außen hin nur weiter fein säuberlich protzt, zahlt man an anderer Stelle dann nach Möglichkeit keinen Pfennig mehr, als zwingend notwendig – und so haben neben Saturn und Aldi auch Suchmaschinen wie geizhals (früher war das übrigens mal eine Beleidigung 😉 ), oder billiger.de gerade Hochkonjunktur. “Lass Dich nicht für dumm verkaufen” prangert gerade überall in Hamburg als Werbeplakat für preisvergleich.de, dessen Slogan “Deutschland spart sich reich” ist. Wer mehr bezahlt ist dumm. Außer natürlich, er kriegt dann eben auch mehr – wie z.B. bei Amazon – per Overnight-Express sind dann all die Geschenke am 24.12. morgens auch sicher beim Kunden, dem erst am 23.12. eingefallen ist, dass er neben sich selbst, dem er am meisten bedeutet, auch noch ein paar Menschen mehr in seinem Leben hat, denen er am 24. vielleicht mit einem Geschenk gedenken sollte…

Statt des dunklen, schrumpeligen Apfels, der da fast das doppelte kostet, nehme ich dann doch lieber die 6 großen, die alle gleich aussehen, und für den halben Preis um die Wette glänzen, auch wenn auf dem anderen “Bio” und “Aus der Region” draufsteht – auch wenn es dafür Pestizide gratis dazu gibt, und der Apfel um die halbe Welt gereist ist. Und statt der 1,5€ für die fritz-kola in 0,33L-Glas oder den Liter afri-cola greif ich dann doch zur 2L-PET Coca-Cola – möchte dann aber auch nichts mehr hören! Denn mich interessiert dann auch nicht weiter, welche Verbrechen das Unternehmen begeht, um diese Preise zu gerechtfertigten. Jedenfalls so lange nicht, solange kein illegales Pferdefleisch in der Cola ist – das nämlich fände ich total bäh.

Bei dem Pferdefleisch-Skandal frag ich mich sowieso schon seit anbeginn, wer eigentlich etwas anderes erwartet hat? Ich mein, Leute, mal ehrlich. Ich brauch doch kein BWL-Studium um verstehen zu können, dass sich eine Tiefkühl-Lasagne für 0,99€ selbst bei besten Skaleneffekten der Fixkostenanteil an den Gesamtkosten nicht so weit sinken kann, dass sich ein solches Produkt noch in irgend einer Weise rechnen wird? Oder sind wir als Gesellschaft schon so weit verblödet, dass man nicht mehr soweit denkt, dass eine Kuh in ein schlachtreifes Alter gebracht werden muss, und vorher massenweise frisst und trinkt? Das ein Bauer besagte Kuh irgendwo unterbringen muss und auch das Kosten verursacht? Das auch Käse, Teig, Tomaten, und was nicht sonst alles in einer solchen Lasagne ist, Geld verschlingt? Und das auch die Produktion all dessen, die Verpackung, das Versenden, etc. Geld kostet? Und das von den 99Cent dann auch noch Kassiererinnen bezahlt werden will und das Betreiben des Supermarktes Geld kostet, und der Unternehmer auch noch einen Gewinn erzielen möchte? Wundert es da noch, dass er, um in einer “Geiz ist Geil”-Gesellschaft konkurenzfähig zu bleiben, anfängt sein eh ungesund-billiges Fleisch auch noch zu strecken?

Das Problem sind nicht Amazon, Apple, Rewe&Co. Das Problem sind wir. Klar gibt es Leute, die auch gar keine andere Wahl haben, als den Scheiß zu fressen, denn die Schere zwischen Arm und Reich wird ja leider wieder immer größer – Arbeitslose, Studenten, Sozialhilfebedürftige, die trifft es am Ende leider immer am härtesten, denn wer nur 600€ im Monat zum Leben hat, wird sich sicherlich nicht die 8€-Lasagne aus dem Edeka leisten können (wobei ja ironischer Weise auch diese betroffen ist – am Ende sitzen dann doch alle im selben Boot). Aber auch das haben wir selbst in der Hand – Leiharbeit muss nicht sein, genau so wenig wie Kinderarmut, oder gewissenlose Industriebosse. Aber dafür muss jeder von uns auch die Bereitschaft haben, mal kürzer zu treten. Oder vielleicht auch mal Politisch wieder aktiver werden? Aber wer wählt schon gerne Parteien, die letztendlich dafür sorgen, dass man weniger von seinem eigenen Reichtum hat? Dann doch lieber den schwarzen Peter einem Riesenkonzern zuschieben, anstatt für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Wir freuen uns lieber, dass wir in einem Sozialstaat (seriously? tun wir das wirklich?) leben, und denken uns deshalb, dass wir unseren Sold damit schon abgeleistet haben und privat mit gutem Recht egoistisch sein können. Da wundert es mich dann auch nicht mehr, wenn ich durch Kiel laufe, und sehe, wie – der Kleidung nach wohlhabende – Rentner mitten in der Stadt einen Straßenzeitungsverkäufer wüst beschimpfen, weil er ihrer Meinung nach dort störend ist, und bettele (die Seite sauberes-hamburg.org war zwar Satire, aber eine, über die ich kein bisschen lachen kann, weil ich solche Aussagen schon zu oft in einem ernst gemeinten Kontext gehört habe… letztgenanntes Beispiel ist nur eines von vielen).

Und für den Fall, dass mal wieder alles aus dem Ruder läuft, suchen wir uns dann Medien, die uns fleißig belügen – auf diesen Zug sind jetzt auch die öffentlich-rechtlichen gekommen, denn auch bei denen zählen Quoten mehr als die Wahrheit – und uns den neuen Schuldigen servieren. Gerne nehme ich Wetten an, wer der nächste schuldige sein wird, nach dem wir dann alle gemeinsam den Finger ausstrecken können, nur um uns selbst dabei besser fühlen zu können.

Prost Malzeit!

3 thoughts on “Wir wollen es doch nicht anders?

  1. Word.

    Gerade amazon ist ja auch schon lange wegen Löhnen und Arbeitsbedingungen in Kritik.

    Und Pferdefleisch an sich ist ja eigentlich sogar eher gesünder. Ich denke das hat auch einen Zusammenhang damit, dass die normalerweise viel bessere gehalten werden (Produkte von Weidenrindern sind auch gesünder als von der üblichen Massentierhaltungskuh).

    • In der Regel ist Pferdefleisch das hochwertigere Fleisch, das stimmt. Und deswegen verwundert es auch anfangs oft, dass das gemacht worden sein soll, um Geld zu sparen. Allerdings gibt es da strenge Auflagen, wann ein Tier zum Verzehr geschlachtet werden darf und wann nicht. Ist mein Pferd kein Nahrungsmittel, dann kann ich es nämlich mit ganz anderen Medikamenten behandeln, mit Antibiotika voll pumpen, für das nächste Rennen dopen, und was man nicht noch alles für Schweinereien mit Tieren betreiben kann. Man denkt da ja dann auch wieder eher wirtschaftlich – Hauptsache das Pferd gewinnt noch ein Rennen, bevor es an den auch für das Tier auf lange Sicht schädlichen Nebenwirkungen krepiert.

      Das Schlachtpferd wiederum darf das alles nicht, denn die Folgen für den Menschen können verheerend sein. Dafür kann das Fleisch dann aber auch sehr teuer verkauft werden.

      Es ist also anzunehmen, dass die Pferde in der Lasagne wirklich nur noch Abfallprodukte waren, und zwar dergestallt, dass es günstiger war, sie in recht billiges Kuhfleisch zu mischen um dieses zu strecken, als alles mögliche sonst damit anzustellen… ausgediente Rennpferde, Chronisch Kranke Tiere, etc.

  2. Danke pygospa,

    fand ich wirklich lesenswert! Das mit dem Sozialstaat sehe ich genauso, leider… und leider meinen die Politiker ja auch immer wieder, sie wüssten, was das beste für den “Bürger” ist. Wirklich wählbar finde ich im Moment keine Partei =/

    Eine Partei der Wissenschaft wäre mal interessant, schließlich ist doch unser Gesamtes Leben heute überhaupt nur mit der Wissenschaft als Basis entstanden. Vielleicht passieren dann auch nicht mehr solche Sachen:

    http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/02/27/aufklarung-uber-gentechnik-verboten-niedersachsen-schafft-schulerlabor-hannovergen-ab/

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