Warum es manchmal auch schön ist, dass im Netz nichts gelöscht wird…


Aus irgend einem Film habe ich folgendes Zitat gehört, dass sich irgendwie in meinen Gehirnwindungen verfangen hat, und immer mal wieder hervorlugt. Sinngemäß lautete es wie folgt:

Wenn Du eine Ratte töten willst, dann gibst Du ihr kein Rattengift – das merkt die Ratte sofort, sie wird es nicht fressen. Statt dessen gibst Du ihr etwas richtiges zu fressen und mischt dort nur sehr kleine Mengen rein. Soviel, dass eine Portion die Ratte nicht töten würde. Die Ratte aber merkt nun nichts mehr von dem Gift, und wird sich über Wochen sattfressen und so langsam dahinsiechen.

Jeder kann sich Vorstellen, dass sich diese Tatsache auch auf viele andere Bereiche übertragen lässt – sogar auf unser Leben. Besonders gerne benutzen die Politiker diese Taktik. So hat die USA es mit dem Krieg gegen den Terrorismus ermöglicht, auch einige Gesetzte, Methoden und Techniken einzuführen, die sonst nur in den feuchten Träumen einiger Überwachungsfanatiker möglich gewesen wären. Auch hat es ein Präsident geschafft damit einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, in dem es ganz offensichtlich um andere Interessen ging. Wichtig ist, dass die Sache, die man als leckeres, richtiges Fressen anbietet, und in der man dann sein Gift einbettet, sehr stark ist – quasi so appetitlich, dass man sein Essen wie ein Rottweiler herunterschlingt. Emotional und wichtig muss sie sein, und möglichst unstrittig, ganz egal welche Gesinnung und welche Geschmäcker und Vorlieben man hat. Ein sehr starkes Thema ist z.B. Kindesmissbrauch/-vergewaltigung. Denn wer kann ernsthaft dafür sein, das Kinder missbraucht werden? Wie schwer es ist, mit gutem Grund gegen ein solches Thema vorzugehen, weil es in Wirklichkeit vorgeschoben wird um eine ganz andere Agenda zu verwirklichen, haben wir vor einigen Jahren an der Diskussion um die “Netzsperren” der von der Leyen mitbekommen. Vor allem der starken Aufklärungsarbeit der Piratenpartei ist es zu verdanken, dass das ZugErschwG wieder gekippt werden konnte – ironischer Weise, denn ansonsten wird dieser Partei von chaotischen Amateuren vom Volk und Medien nicht viel zugetraut (anderen Quellen, wie beispielsweise Expertenmeinungen aus beispielsweise Kreisen wie dem CCC wurden sehr viel weniger Gehör geschenkt).

Aber nicht nur Zensursula benutzt das Thema Kindesmissbrauch. Ende letzten/Anfang diesen Jahres bekam ich einige Anfragen von Facebook-“Freunden“, doch an einer Facebook-Veranstaltung teilzunehmen. Veranstaltungen sind dabei Dinge, die man in Facebook einstellen kann, und die an einem bestimmten Datum stattfinden. Der Einsteller wird zum Veranstalter, kann aber auch weitere Personen zu Veranstaltern (auch Gastgeber genannt) machen, und Modalitäten, wie etwa Ort, Datum, Länge, Öffentlichkeit der Veranstaltung, etc. einstellen. Ein Termin wiederum findet dann irgendwann statt, man kann sehen welche Freunde teilnehmen, weitere Freunde einladen, und auf der Seite über den Termin diskutieren, etc. Man kann Termine auch “liken” (im Deutschen “Gefällt mir”, aber das benutzt nun wirklich niemand, außer Facebook, welches auf ganz verquere Sätze damit kommt :D), etc. Eine solche Veranstaltung wurde von DeutschlandGegenKindesmissbrauch eingestellt – DeutschlandGegenKindesmissbrauch ist scheinbar eine Seite, hinter der kein offizieller Veranstalter steckt – letztendlich kann ja jeder eine Seite bei Facebook einstellen – habe ich für meinen Blog auch gemacht. Wer dahinter steckt schient auf den ersten Blick also unersichtlich.

Aber eben nur auf den ersten Blick. Als ich also diese Einladung bekam, zu dieser – in diesem Falle virtuellen – Veranstaltung, bei der das Ziel war, bis Ende Januar mindestens 1 000 000 Teilnehmer zu haben, überflog ich nur kurz die Diskussionsseite. Neben vielen, von offizieller Seite eingestellten Vermistenmeldungen, den Aufrufen ein Zeichen zu setzten indem man alle seine Freunde zu diesem Termin einlade sowie empörten Parolen einiger Teilnehmer, fiehl mir zwischen den ganzen Anti-Kinderschänder-Beiträgen auch einige Dinge auf, die mich sofort stutzig machten. Zunächst wäre da der bekannte Nazi-Slogan “Opferschutz statt Täterschutz” – zumindest mir ist der nur im Kontext von NPD-Demos und -Propaganda im Hinterkopf (siehe beispielsweise hier – der Link ist bewusst über anonym.to gesetzt, da ich kein Trackback auf meine Seite möchte) – das muss aber nichts heißen, man muss ja nicht gleich Rechts sein, wenn man diesen Slogan gut findet. “Ihr duldet den Missbrauch Deutschlands – schützt jetzt wenigstens unsere Kinder” ist da schon eigenartiger – wer missbraucht denn wie Deutschland? Deutlich fand ich aber die Parole: “Die Familie ist die kleinste Keimzelle unseres Volkes. Schützt sie!” Die Keimzelle des deutschen Volkes schützen? Klingt sehr verquer.

Auf Facebook kann man ja alles mögliche “liken” – auch Veranstaltungen. Sehen kann ich aber in der Regel nur das, was meine Freunde geliked haben. Eine Ausnahme wird bei öffentlichen Persönlichkeiten gemacht. Ich kann, wenn ich Facebook nutzen möchte, mich als öffentliche Person ausgeben – das hat den Vorteil, dass ich mich nicht mehr mit anderen Leuten befreunden muss, sondern diese mich wieder liken können, und mich auf die weise abonnieren, ich aber dann von den ganzen privaten Postings etc., nichts mitbekomme (möchte ich als öffentliche Person ja auch höchstwahrscheinlich nicht). Öffentliche Personen sind aber auch facebookweit öffentlich (viele kleinere Musiker beispielsweise benutzen daher getrennte Accounts – einen öffentlichen und einen normalen), und wenn eine öffentliche Person etwas liked, so kann ich dies auch einsehen. Und wer hat so die Aktion “1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder” gemocht? Julian Monaco, Patrick Kallweit, Frank Franz, Udo Pastörs, Holger Apfel…. Das sind nur die bekanntesten. Ich möchte an dieser Stelle Menschen natürlich das Recht einräumen, diese Personen nicht zu kennen – das macht sie unter Umständen sogar sympathisch. Ich weiß sogar, dass es Menschen gibt, die tatsächlich mit keinen dieser Namen etwas anfangen können, und das hat noch nicht einmal etwas mit Ignoranz oder so diesbezüglich zu tun. Leider Stand hinter jedem dieser Namen bei Facebook dass es sich 1. um einen Politiker und 2. von der NPD handelt. Denn auch sowas kann man als öffentliche Person bei Facebook einrichten.

Fassen wir zusammen: Auf 10 Postings immer mal wieder eines, dass eine sehr fragwürdige Aussage beinhaltet – die zwar nicht 100% eindeutig sind, schon aber eine starke Vermutung zurücklassen, und ausschließlich NPD-Politiker, die diese Aktion liken – davon werde doch nicht nur ich stutzig, oder? Rechtes Gift verpackt in einem leckeren Anti-Kinderschänder-Gericht – und das sogar viel Geschickter, als die Frau von der Leyen sich Ihrerzeit angestellt hat. Gehen wir der Sache doch mal auf den Grund: Auf der Seite DeutschlandGegenKindesmissbrauch gibt es kein Impressum, keine Bekenner, o.Ä. Wohl aber wird der Ton auf dieser Seite schon deutlicher. “Deutsch sein ist kein Verbrechen” scheint ein enger Verbündeter der Seite zu sein, und wer das noch nicht deutlich genug findet, sollte sich doch hoffentlich an Schwarz-Weiß-RotenFraktur-Schrift-Bildern stören? Daneben gibt es dann auch den ersten Pranger – natürlich nur für “Migranten” – auch wenn man für den Fall, das Migranten ein Kind vergewaltigt haben, dann ins Ausland schauen muss. Und siehe da – auch Werbung für die NPD.

Ich bin aber noch einen Schritt weiter gegangen. Ich bin nämlich ein großer Freund von Internetpräsenzen rechtsradikaler Bewegungen, gerade auch auf Facebook, denn dort diskutieren alle möglichen Nazis miteinander. Denn um etwas zu bekämpfen, muss man sich darüber schlau machen, muss die Positionen, Standpunkte und Argumentationsgrundlage und -strukturen, und letztendlich die Denkweise kennen. Das kennt man aus allen Sportarten: Kennt man die Taktik des Gegners, ist man im Vorteil. Das wissen auch die Nazis! So sind viele Veranstaltungen ganz klar von der Außenwelt abgeschnitten und es wird peinlich genau darauf geachtet, dass niemand etwas sagt – das kann man sich z.B. hier ganz Eindrucksvoll angucken.

Ich wette, das viele Menschen garnicht wissen, was die NPD aktuell versucht durchzusetzen, und wie sie dabei vorgeht, um für ihre Ideen Anhänger zu gewinnen. Folglich wird keiner dieser Menschen argumentativ gut gegen einen Nazi ankommen können, die entsprechenden Gegenbeispiele parat haben, etc. Und das ist schade, denn damit kann man oft sehr viel mehr erreichen, als mit dem Massenmelden der NPD Seite bei Facebook, damit sie nach einem halben Jahr bestehen dann wieder für ein paar Wochen im Nirvana verschwindet – nur damit sie danach wieder erneut eröffnet wird. Aber ich schweife ab.

Auf der NPD Seite fand sich nämlich auch ziemlich weit oben ein erschreckender Beitrag. Erschreckend war das, was ich im Bild ausgeschnitten habe (es geht mir hier nämlich nicht darum jetzt irgendjemanden bloßzustellen) – in dem Bereich befanden sich ca. 10 Gesichter meiner Facebook-“Freunde” (jetzt sind es deutlich weniger). Auf der NPD Seite – weil sie eben an der Aktion teilnehmen (ich erinnere noch mal für alle die Facebook nicht nutzen daran, das mir Facebook auf jeder Seite anzeigt, welcher meiner Freunde was, wo macht). Und ich finde, dass es ziemlich offensichtlich ist, das dies also eine Aktion der NPD ist. Was also tun? Aktiv werden!

Auf der Seite habe ich darauf hingewiesen, dass diese Aktion von der NPD ist. Das wurde sofort zerrissen und mein Beitrag verschwand ziemlich bald im Nirvana. Also habe ich einen Weiteren Beitrag für meine Wall verfasst – zwei Menschen (natürlich die Falschen) haben sich so sehr dafür begeistern können, dass sie ihn geteilt haben (die Falschen deshalb, weil diese Menschen intelligent genug sind, sowas ebenfalls sofort zu durchschauen und zweiten auch in kleinster Weise von solchen Strömungen angesprochen werden). Der ein oder andere Freund hat darauf hin seine Zusage wieder zurück gezogen.

Viele sind aber leider geblieben – da halfen auch keine Gespräche. “Die Aktion selbst sei ja nicht Rechts” oder “Nur weil jemand von der NPD das liked muss das ja nichts heißen”, oder eben “Mir egal, wer das macht, Hauptsache jemand macht was gegen Kinderschänder, die politische Gesinnung ist mir egal”… oder es gab eben keine Reaktion, weil man vielleicht einfach nichts zu sagen wusste? Tja, was soll man dazu noch sagen, außer “schöne Scheiße”… aber wenigstens weiß man dann auch, woran man bei diesen Menschen ist!

Soweit die Vorgeschichte – wer bis hierher mitgelesen hat, wird sich vielleicht fragen, wo der Zusammenhang zum Titel besteht? Nun – das ganze nimmt jetzt eine interessante Wendung: Der Termin Ende Januar ist also erreicht, eine Dreiviertel-Millionen hat an dem Termin “1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder” mitgemacht, und hat sich wahrscheinlich mit einem herrlich gutem Gefühl zu Hause vor die heimische Glotze gesetzt, denn auch er hat doch tatsächlich was erreicht, da er mit zu den Dreiviertel-Millionen gehört, die ein Zeichen gegen Kindesmisbrauch gesetzt hat – Olé Olé, wir sind so unglaublich gut geworden, wenn es darum geht, etwas zu bewegen, die vielen Opfer von Kinderschändern und all diejenigen die da noch kommen werden, werden es uns danken, dass wir endlich etwas getan haben! Aber ich schweife wieder ab. Tatsächlich nämlich konnten sich nur die wenigsten freuen. Der Großteil musste Erfahren, dass er oder sie selbst zum Opfer geworden ist, das doch eigentlich geschützt werden sollte? Denn auf einmal hat die NPD die Dreistigkeit und gibt sich einfach als Veranstalter hinter der Aktion zu erkennen! Das kann und darf nicht sein, denn jetzt sind all die Personen, tatsächlich direkt verlinkt mit einer Aktion der NPD. Und das für jedermann zu sehen! Schlimmer noch – da der Termin abgelaufen ist, hat Facebook die nette Angewohnheit, dass man seinen Teilnahme-Status nicht mehr ändern kann. 761 764 Personen haben Teilgenommen, auch wenn es garnichts zum Teilnehmen gab – und jeder der zu diesen 761 764 Personen gehört, ist damit nun als Teilnehmer einer NPD-Aktion gebrandmarkt. Da ist natürlich klar, dass man sich als Opfer sieht – entweder als Opfer der NPD, weil man ja garnicht wusste, und weil die Nazis so dreist sind und das erst hinterher gezeigt haben, etc. Ja regelrecht Missbraucht wurde man hier, wie man auf Facebook nun lesen kann:

Hier zeigt sich mal wieder wie hinterlistig Neonazis sind, denn obwohl die Veranstaltung vor einer Woche bereits abgelaufen ist kann man sie nach wie vor aufrufen.

Und – wo es vorher immer hieß “Wieso unterstütze ich denn die NPD damit, wenn ich gegen Kinderschänder bin? Was hat denn die NPD davon, wenn ich an diesem Termin teilnehme”, geht den meisten so langsam dann auch ein Licht auf:

Viel schlimmer ist aber dass sie nun den Eindruck vermittelt als würden über 760.000 FB-User an einer NPD-Veranstaltung teilnehmen. Das wiederum soll wohl den Eindruck erwecken dass die NPD ja gar nicht so schlimm sein kann wenn so viele Menschen an ihrer Veranstaltung teilnehmen.

Was eine NPD davon hat, und wie sie soziale Dienste für ihre Zwecke missbraucht kann man sich z.B. auf dem Blog von Kallweit angucken:

Dabei finden tatsächliche Interaktionen auf meiner Facebookseite in Wirklichkeit gar nicht durch einzelne BfV-Ratsmitglieder statt, sondern vielmehr durch Ratsmitglieder der CDU. Am 13. April beteiligte sich CDU-Fraktionsmitglied Helmut Hohaus z. B. an meiner öffentlichen Facebook-Umfrage zur Zukunft des Wiedelaher Marktes. (…) Meine heimlichen Facebook-Fans sitzen also offenbar in der CDU (…)

DAS hat die NPD davon, wenn man als normaler Mensch etwas von denen liked – selbst wenn man vielleicht nicht weiß, wer dahinter steht – bei Fragen/Umfragen auf Facebook ist es nämlich weitaus schwerer zu rekonstruieren, wer der Urheber ist – sobald einer meiner Freunde an einer Umfrage teilnimmt, landet diese auf seiner Wall, und ich sehe sie auch in meiner, wo ich einfach nur klicken brauch – und zack: sehen alle meine Freunde, dass ich an einer Umfrage teilgenommen habe, an der auch sie jetzt teilnehmen können…

Wer nicht soweit gehen möchte, gleich der NPD die Schuld zuzuschieben (immerhin hat die Partei ja doch mehr Sympathisanten, als diese öffentlich zugeben wollen), der wettert dann halt gegen Facebook – ist ja auch eine bodenlose Frechheit, dass man sich nicht nachträglich aus einer Veranstaltung, die schon längst abgelaufen ist, wieder entfernen kann – eben so tun kann, als wäre man doch nicht da gewesen. Genau in dieses Lager spielt dann auch eine Aktion die sich jetzt bei Facebook großer Beliebtheit erfreut – “Löschen der Seite: Keine Gnade für Kinderschänder (NAZIS!!)” heißt sie, und macht ebenfalls darauf aufmerksam, dass es sich bei der “1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder” um eine Naziaktion handelt, und dass Facebook diesen Termin daher nachträglich löschen muss. Das erreicht man bei Facebook am Besten, indem man ordentlich Masse beim “Melden” der Seite aufbaut – daher auch der Aufruf. Das weckt natürlich die Hoffnung all derer, die nichts gegen die Aktion hatten, wohl aber dagegen, dass man sie jetzt direkt mit einer rechten Gesinnung in Verbindung bringen kann. Und so wundert es mich nicht, dieses Bild nun bei mir in der Timeline auch von denjenigen geteilt zu sehen, die immer noch deutlich für alle sichtbar als Aktionsteilnehmer auch auf der Seite der NPD zu sehen sind. Nur – und das muss ich ganz ehrlich sagen – ich habe hier wenig Mitleid, und hoffe, dass sich – wie ebenfalls bei Facebook üblich – dieser Prozess des Löschens auch ordentlich lange hinzieht. Denn nicht nur ich habe auf mehreren Kanälen die Leute drauf hingewiesen, was sie da liken, und wen sie unterstützen –  auch viele andere haben es erfolglos getan. Denn es war den meisten Menschen einfach egal – dann sollen die jetzt auch den Mumm haben, und dazu stehen. Es kann doch nicht angehen, dass mittlerweile jeder für seine Fehler irgendwo einen Radiergummi rauskamen kann, und sich damit aus der Affäre zieht. Wie soll sich denn irgendjemand bessern können, wenn kein Handeln mehr Konsequenz hat? Ich habe tatsächlich die abstruse Hoffnung, das gerade die Menschen, die “auf dem rechten Auge blind” waren, wie es heutzutage so schön heißt, aus ihren Fehlern lernen – besonders wenn jetzt Leute ankommen und fragen, wieso es da diesen Link zur NPD gibt, und es dann besonders unangenehm wird. Denn es kann ja irgendwo auch nicht sein, das es über einem drittel der eingeladenen Personen egal ist, dass man da gerade eine offensichtlich rechte Aktion unterstützt. Wo kommen wir denn da nur hin? Ausgerechnet in Deutschland, wo wir doch alle daraus gelernt haben müssten, das ein Entscheidender Faktor in der Machtergreifung der NSDAP auch darin lag, das jeder irgendwo wusste, das was los war, wenn in Summe knapp 7 Millionen Nachbarn (Juden, politische Gegner, Sinti und Roma, geistig oder körperlich Behinderte) plötzlich umgebracht, und eine knappe weitere Millionen deportiert wurden, aber keiner was getan hat, weil es einfacher ist, so etwas einfach unter den Teppich zu kehren. Und nein, das soll jetzt kein “Alle Deutschen sind Schuld” sein – wer mich kennt, weiß dass ich gegen die Idee einer “Erbschuld” bin, und oft den Kopf schüttele, wenn deutsche Politiker in bestimmten Situationen herumducksen müssen, nur weil sonst wieder die Nazi-Keule ausgepackt wird. Aber das eine offensichtlich rechte Instrumentalisierung von Kindesmissbrauch einfach so in den Kauf genommen wird ist ja wohl ein Armutszeugnis!

Nur um das klar zu stellen – ich glaube sehr wohl daran, dass es auch einen nicht gerade geringen Anteil an Menschen gegeben hat, die sich nur gesagt hat “Goil, bin auch gegen Kinderschänder, da like ich mal”, und vom Rest nichts mitbekommen hat. Aber bei so viele Leute, die auch aktiv auf diesen Seiten Diskutiert und Gerechtfertigt haben und so vielen weiteren, die auf den falschen Hasen aufmerksam gemacht haben, ist der Anteil derjenigen, die “auf dem Rechten Auge blind” waren, eben wahrscheinlich bedeutend größer. Dennoch, auch den Menschen, die hier tatsächlich der NPD auf den Leim gegangen sind, tut es vielleicht ganz gut, mal über die generelle Herangehensweise nachzudenken, wieder aktiver zu werden, zu hinterfragen, etc.

Mein Fazit bleibt also: Ich finde es gut, dass so etwas mal passiert, denn leider braucht es für viele Menschen erst Katastrophen um sie wach zu rütteln. Mir persönlich hat es vor allem gezeigt, was ich von einigen meiner “Facebook-Freunde” zu halten habe. Alle die sich auf die Nase gehauen fühlen – in den letzten 5 Jahren habe ich vor allem eines gelernt – den Schuldigen immer bei sich zu suchen. Facebook oder der NPD den schwarzen Peter zuzuschieben wird weder jetzt, noch in der Zukunft irgend etwas ändern – erst die Frage “Was hätte ich anders machen können um es nicht zu dieser Situation kommen zu lassen?” – nur das Erlangen dieser Erkenntnis sorgt dafür, dass sich eine solche Situation nicht wiederholt, und das man persönlich mit einem guten Gewissen und vielleicht sogar ein wenig Stolz auch irgendwann darauf zurückblicken kann, denn man ist an dieser Situation trotzdem gewachsen hat dennoch etwas positives ziehen können (wen dieses Thema tiefer interessiert: Ich glaube das Kapitel über “Pro-Activeness” aus Stephen R. Coveys (verdammt, der ist ja letztes Jahr gestorben!) “The 7 Habits of Highly Effective People” war diesbezüglich sehr interessant, Leo Babauta hat aber auch einiges dazu geschrieben, wie man sich bessert – und aus dem Personalmanagement geistert mir noch der Begriff “Victim Phobia” im Hinterkopf rum, ich konnte ihn aber auf die Schnelle weder Online noch in meinen BWL-Bücher wiederfinden).

Und ein letztes möchte ich noch loswerden: 7500 000 Menschen sind also aktiv gegen Kinderschändung? Und aktiv heißt dann etwa nur, dass man sich die Sekunde Zeit nimmt, die es benötigt, um auf “Teilnehmen” zu klicken? Sorry, aber niemandem ist damit geholfen, genau so wenig, wie wenn Kinderschänder demnächst die Todesstrafe bekommen, oder “Schwanz ab” für straffällig gewordene irgendwann eine legale Strafe wird. Wer wirklich etwas tun möchte, informiert sich vielleicht mal einen Abend lang über beispielsweise “Prävention” zu diesem Thema, z.B. indem man auf dieser Seite anfängt. Oft gibt es hier starken Unterstützungsbedarf – statt dem Klick auf “Am Termin teilnehmen” könnten man hier einen Euro spenden – würde bei der Masse doch schon eine Dreiviertel-Millionen ausmachen, wenn alle mitmachen? In Kiel sollte an der Universität die Sektion “Sexualmedizin” geschlossen werden – dies ist die Abteilung, die sich aktiv an der Präventationsforschung beteiligt. Grund: Kein Geld. Traurig, das nur winzige Handvoll Studenten tatsächlich gegen die Schließung demonstriert haben – wo doch alle gegen Kindesmissbrauch sind? Sind wir tatsächlich schon so weit dass sich der Aktivismus nur noch darauf beschränkt das, man im Internet was anklickt? Haben Medien und digitale Verblödung es schlussendlich geschafft, das wir glauben, alleine dadurch etwas zu erreichen, dass wir einen Klick bei Facebook machen? Aber ich schweife wieder ab…. 😉

2 thoughts on “Warum es manchmal auch schön ist, dass im Netz nichts gelöscht wird…

  1. Pingback: Inspiratinsquellen | ~ PygoscelisPapua ~

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