Für den “mentalen Gärtner” in uns…


Memories are like plants: if you don’t nourish them, they gradually fade and wither: we call this wilting. Memrise helps you keep all your memories healthy and strong by estimating when you are about to forget, and making sure to remind you at the perfect moment so that you can. Think of us as mental gardeners.

 

Das steht unter anderem in der FAQ zu Memrise, einem Projekt, dass mir einer meiner beiden neuen Mitbewohner vor ein paar Tagen gezeigt hat. Memrise ist eine interaktive Online-Vokabel-Lern-Plattform, und vom Grundgedanken her sehr interessant: Meldet man sich bei memrise.com an, hat man Zugriff auf 164 Sprachen mit Englischer Grundlage und immerhin schon 31 Sprachen, wenn man sie auf Deutsch ändert – tendenz steigend. Die Grundlage gibt an, wie die Zielsprache ist, mit der man die neue Sprache lernen möchte; hab ich die englische Grundlage, dann wird mir also beispielsweise das französische voilà mit there is übersetzt, boire mit to drink, etc. bei der Deutschen würde dann dort ist bzw. trinken dastehen.

Was diese Plattform auszeichnet? Zum einen, dass sie komplett kostenlos und Benutzergeneriert ist. Jede Sprache unterteilt sich in sogenannte “Courses”. Ein Course ist eine Zusammenstellung aus Vokabeln. Beispielsweise gibt es, wenn man sich mit der englischen Grundlage Französisch anguckt einen Kurs Introductory French, bestehend aus 1.000 Wörtern, oder einen Intermediate French. Es gibt auch eine Handvoll durchnummerierte Kurse, die sich jeweils mit einem Thema befassen, z.B. Beginner 16: Shopping oder Intermediate 11: French Politics.

Mit der Deutschen Grundlage hat sich jemand die Mühe gemacht den Wortschatz des gemeinsamen europäischen Referenzrahmen. Ich sage “Jemand”, denn jeder kann einen Kurs anlegen, und sich somit auch eigene Kurse nach eigenem belieben, ermessen oder bedarf erstellen. Da ich beispielsweise nächstes Semester wieder die Vorlesung Beisprache Französisch bei Laurent Bréchaud belegen werde, werde ich mir wohl auch alle Vokabel aus dieser Vorlesung in das System einpflegen um so eine Vokabeltrainingshilfe zu haben. Falls also noch jemand diese Vorlesung belegen möchte: Haltet  Ausschau nach einem Kurs namens “Beisprache Französisch CAU” 😉

Was nun befindet sich in solch einem Kurs? Nun, Vokabeln in Form von “Flashcards”, was sich im Deutschen zu Karteikarten übersetzt. Es ist aber keine Karteikarte im konventionellem Sinne, eher Multimedia-Karten. Da man um so besser lernt, wenn man mehr Sinne an dem zu lernenden beteiligt, besteht eine Karte oft aus folgenden Inhalten:

  • Natürlich dem Wort und seiner Übersetzung
  • Einer Tondatei, über die man sich die Aussprache des Wortes anhören kann
  • Einem Mnemonic, also einer Eselsbrücke.
  • Einem Bild
  • Beispiele, in denen das Wort benutzt wird – oft unterstützt von Bildern oder sogar Videos
  • Hintergrundwissen (z.B. Etymologies).

Auch dieser Inhalt ist Benutzergeneriert. Der “Wert” eines Beitrages wird über ein Stimmsystem ermittelt, d.h. die Dinge, die von den meisten anderen Benutzern positiv bewertet wurden, erscheinen als erstes auf der Karte (man kann aber auch alle anderen Sachen durch “Blättern” einsehen, und natürlich seine eigene Stimme für den persönlich am hilfreichsten Inhalt abgeben).

Jede Vokabel also ist auf einer solchen medialen Karteikarte untergebracht, die von Benutzern erstellt und gepflegt werden, und jede dieser Karten kann dann in mehreren Kursen verwendet werden, die ebenfalls von Benutzern erstellt werden, und eine bestimmte Zielsetzung haben (z.B. einem Sprachniveau nach dem europäischen Referenzrahmen), oder aber einer bestimmten Thematik zugeordnet werden.

Will man nun selbst eine neue Sprache lernen, so klickt man einen dieser Kurse an, und bekommt dann eine dieser Karten präsentiert. Man kann sich die Inhalte angucken, sich die Aussprache mehrfach anhören, und so viel Zeit mit jeder Karte verbringen, wie man möchte. Ist man dann fertig, klickt man auf weiter, und nun passiert eines von folgenden zwei Möglichkeiten: Entweder man bekommt eine neue Karte zu einem neuen, oder man bekommt eine Wiederholungsfrage. Wiederholungsfragen haben wiederum unterschiedliche Formen; allen gemein ist, dass man ca. 10-15 Sekunden Zeit hat, für die Antwort. Läuft diese ab, wird man mit dem richtigen Wort konfrontiert, und bekommt die Karte noch einmal zusehen. Die Formen sind:

  • Auswahl aus einer Liste von 4 Antwortmöglichkeiten.
  • Auswahl aus einer Liste von 8 Antwortmöglichkeiten, wobei nach und nach mehr falsche Worte verschwinden.
  • Ausschreiben des Wortes in ein Eingabefeld

Für jede richtige Antwort gibt es Punkte, und man kann sich in einem Leaderboard mit anderen Vergleichen (hier zählt dann z.B. bei den 8 Antwortmöglichkeiten auch die Zeit, in der man es schafft). Nach jeder Antwort wird das Wort noch einmal vorgelesen, sodass man Konstant mit der Aussprache konfrontiert ist. Nach 5-6 Vokabeln endet die Lernphase für neue Vokabeln.

Nun kann man natürlich neue Worte lernen, d.h. eine neue Lernphase initiieren. Allerdings – und hier kommt dann das Zitat ins Spiel – offenbart sich hier dann auch eine wundervolle Umsetzung einer Metapher: Sobald man seine ersten Worte gelernt hat, hat man Zugriff auf sein Gewächshaus. Das ist der Ort, in dem die gelernten Worte vorzufinden sind, und zwar als Samen die in Blumentöpfe gelegt sind. Durch ständiges Gießen (Wiederholen der Vokabeln, die man schon kann – in diesem Fall werden nur die Aufgaben gezeigt), wachsen aus diesen Samen bunte Blumen, die, sobald sie ausgewachsen sind, in den Garten umgepflanzt werden. Das Gewächshaus repräsentiert hierbei das Kurz-, der Garten das Langzeitgedächtnis. Aber Achtung: Wer sich nicht regelmäßig um seine Pflanzen kümmert, lässt diese verwelken! In dem Fall muss die Pflanze neu eingepflanzt und großgezogen werden.

Insgesamt ist Memrise eine wirklich tolle Möglichkeit, altes Wissen aufzufrischen, oder ganz neue Vokabeln einer Sprache zu lernen. Dabei versteht Memrise es, altbekannte und bewährte Lernmethoden (die Lernkartei) mit einem spielerischen Aspekt zu verknüpfen und dabei auch zu Motivieren; sowohl in Form des Gartens als auch in der des Leaderboards (für welches man übrigens auch Punkte bekommt, wenn man selbst Vokabeln, Memes, etc. generiert). Es macht einfach Spaß seinem mentalen Garten beim Wachsen zuzusehen und hält einem bei Laune. Und auch das lernen der Karten klappt wunderbar. Wer Vokabeln zu lernen hat, sollte der Seite einen Besuch abstatten; immerhin ist sie auch komplett kostenlos. Und wer weiß, vielleicht kennt der ein oder andere noch eine Eselsbrücke, die z.B. Deutschlernenden unbekannt ist? Ich selbst habe die Seite mittlerweile schon 4 Leuten gezeigt, und alle sind hellauf begeistert und nutzen Memrise scheinbar sehr intensiv.

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2 thoughts on “Für den “mentalen Gärtner” in uns…

  1. Das System mit Karten im richtigen Moment wieder abzufragen stammt übrigens von einem abgefahrenen Polen namens Piotr Woźniak https://en.wikipedia.org/wiki/Piotr_Wo%C5%BAniak_%28researcher%29

    Der zieht sich regelmäßig von der Außenwelt zurück, um zu lernen. Schläft wie es ihm passt. Er hat auch die erste Software dafür entwickelt: SuperMemo. Der entwickelt die wohl eigentlich für sich, weshalb die wohl tendenziell nicht Kundenfreundlicher wird.

    Er hat auch einen Modus zum stückweise lesen von Papers und co. entwickelt, den ich auch irgendwann mal ausprobieren will.

    “He selects a short section of what he’s reading and copies it into the SuperMemo application, which predicts when he’ll want to read it again so it sticks in his mind. He cuts and pastes completely unread material into the system, assigning it a priority. SuperMemo shuffles all his potential knowledge into a queue and presents it to him on a study screen when the time is right.”

    Aus einem lesenswerter Artikel über ihn http://www.wired.com/medtech/health/magazine/16-05/ff_wozniak?currentPage=all

    Ich selber nutze Anki, eine Open Source Implementierung von der Idee. Allerdings bin ich noch nicht auf die kürzlich erschienene Version 2.0 umgestiegen.

    Da gibt es eine riesige Menge von Decks, nicht nur für Sprachen. Wobei Japanisch dabei sehr beliebt zu sein scheint. Es gibt auch für mindestens einen der anderen Open Source Programme einen Converter, um deren Decks für Anki zu übersetzten.

    Primär ist die Idee, dass man es über das Desktop-Programm bedient. Aber es gibt auch eine Synchronisation, um es aus dem Web zu nutzen oder auf verschiedenen mobilen Geräten.

    Worauf man noch hinweisen sollte: Solche Karten sind gut geeignet, um Wissen zu behalten, aber zum erlernen nicht so unbedingt. Hier sind noch ein paar mehr Tipps zum Erstellen der Karten bzw. zum Lernen: http://www.supermemo.com/articles/20rules.htm

    Das mit den Gärten erinnert mich übrigens ein bisschen an busuu.com Auch eine Seite zum erlernen von Sprachen, bietet aber etwas mehr als nur flash cards.

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