Ich bin ab jetzt polyphasisch!


Hört sich die Überschrift schon komisch für euch an? Ich kann es noch besser; etwa wenn ich sage: “Sorry, aber ich muss jetzt schnall mal kurz schlafen gehen, bin in 20 Minuten zurück”.

Bin ich noch gesund? Ist noch alles gut bei mir? Ja! 🙂

Polyphasisch, vom griechischen πολύs (polýs), “viele” und φασισ (phásis) “Erscheinung”, bezieht sich hier auf die Anzahl der Schlafphasen. Normalerweise schlafen wir nämlich monophasisch, d.h. einmal alle 24 Stunden (vom griechischen μόνος (mónos), “allein”, “einzig”, “ein”); im Schnitt so um 8 Stunden. Ebenfalls nicht unbekannt ist uns der biphasische Schlaf, d.h. zwei mal täglich ins Bett zu gehen (vom lateinischen bis, “zweimal”). Der berühmte Mittagsschlaf, den bei uns eher Babys/Kinder und Senioren halten ist hier der Hauptvertreter; in anderen Kulturen ist dieser sogar fester Bestandteil der Gesellschaft, siehe etwa die Siesta (aus dem lateinischen (hora) sexta, “sechste (Stunde)”) im spanischen Kulturraum, oder den japanischen Inemuri (japanisch 居眠り, “anwesend sein und schlafen”).

Polyphasischer Schlaf nun ist ein Schlafrhythmus, der aus mindestens drei Schlafphasen besteht. Interessant an dieser Art zu schlafen ist, dass die Schlafmenge automatisch reduziert wird. Hier soll es primär um die Extrema der polyphasischen Schlafrhythmen gehen, in denen versucht wird, die Schlafphasen größtmöglich zu minimieren, indem der Rhythmus an ein bestimmtes Muster angepasst wird. Dazu möchte ich erst einmal ein wenig auf aktuelle Theorien der Schlafforschung eingehen (wobei ich mich primär auf eine Biologie-Vorlesung berufe die ich im letzten Semester gehört habe) die darlegen sollen, warum so etwas funktionieren kann. Dann werde ich die Schlafmuster mit ihren Vor- und Nachteilen vorstellen, die generellen Fürs und Widers vom polyphasischem Schlaf diskutieren und zum Schluss einen Auswahl an weiteren Informationen zur Verfügung stellen, sowie einen Ausblick auf folgende Blogeinträge geben.

Dazu angeregt, mich überhaupt mit dem Thema Schlaf zu beschäftigen wurde ich durch eine sehr interessante Vorlesung der Biologie an unserer Universität zum Thema Chronobiologie. Besprochen wurden Rhythmen des Menschen, bei denen der Schlafrhythmus als Circadianer Rhythmus (vom lat. circa “ungefähr” und dies “Tag”)  eine besondere Rolle einnimmt. In dieser Vorlesung wurden unter anderem die Ergebnisse der Isolationsexperimente um Jürgen Aschoff besprochen, und wie man diese Interpretieren kann. Es ging um die Synchronisation, bzw. Desynchronisation bestimmter Zyklen und Uhren des Menschen, um endogene und exogene Taktgeber, um Hormone und der Rolle der Genetik beim Schlaf und es gab auch kleine Abstecher in die Bereiche Morgen-/Abendmenschen, individuelle Schlafdauern, von natürlichen Lang-, Kurz- und sogenannten Ultrakurzschläfern, und ganz kurz auch über polyphasischen Schlaf und dessen Wirkung auf den Menschen.

Schlaftheorien

Es wurden bewusst viele unterschiedliche, und teilweise auch widersprüchliche Ergebnisse und Funde aufgezeigt, deren (Be-)Deutung uns noch nicht immer klar ist (die Chronobiologie ist ihren Anfängen im mittleren 20. Jahrhundert auch noch sehr jung!). So lässt sich zum Beispiel zeigen, dass der menschliche Schlaf ganz stark von Hormonen abhängig ist, die im Körper ausgeschüttet werden. Primär sind dies Cortisol und Melatonin. Während Cortisol als Stresshormon die Aktivität über den Blutzuckerspiegel anhebt, sorgt Melatonin für den umgekehrten Effekt. Beide Stoffe, dies zeigen die Isolationsexperimente, werden völlig unabhängig von fremden Einfüssen produziert; ein Indiz für endogene Taktgeber – innere Uhren. Sogenannte Uhren-Gene sollen dafür verantwortlich sein (die Übersetzung ist wahrlich schlecht gewählt, da es sich bei CLOCK genes um ein Apronym handelt in dem mehr steckt, als nur das Wörtchen “Clock”).

Aber auch exogene Ereignisse nehmen Einfluss auf unsere biologischen Uhren. Trotz der inneren Uhr, die im Schnitt übrigens in einem 26-Stunden-Rhythmus läuft(!), hat hier vor allem das Sonnenlicht extremen Einfluss: Licht begünstigt die Produktion von Cortisol, zum anderen wird Melatonin durch Licht abgebaut; Licht heißt in diesem Fall Licht in der Stärke von ungefähr 10.000 Lux, welches nur draußen in dieser Intensität gemessen werden kann (zum Vergleich: Zimmer haben bei Tag etwa nur 700 Lux). Tageslicht also wirkt als exogener Taktgeber und synchronisiert unsere endogenen Uhren mit aktuellen Umweltgegebenheiten.

Wie schon erwähnt scheint die endogene Uhr genetischen Ursprungs zu sein. Was außer der Tag-Nacht-Taktung, wird noch durch diese Gene vorgegeben? Auch hier ist bei weitem noch nicht alles bekannt; man geht davon aus, das alle individuellen Parameter über diese Genen geregelt werden, etwa die Tageslänge, die wie erwähnt als mittlere Tageslänge 26 Stunden beträgt. Die Varianz jedoch reicht von 17 Stunden bis 33 Stunden! Neben der Länge des Schlafes geht man davon aus, dass sowohl der Chronotyp (ob Lerche oder Eule) durch die Gene gesteuert wird, als auch die Schlafdauer. So gibt Ultrakurzschläfer, die mit weniger als 4 Stunden Schlaf auskommen. Wie das funktioniert? Nun, dazu haben Schlafforscher einiges zu sagen:

Der typische Schlaf gliedert sich nämlich sehr grob in drei Phasen: Den Tiefschlaf, den REM-Schlaf und den Phasen dazwischen. Während den Phasen dazwischen relativ wenig Relevanz zugesprochen wird, scheinen der Tiefschlaf und der REM-Schlaf essentiell wichtig zu sein. Der Tiefschlaf ist die Phase, in der unser Körper am entspanntesten ist. Die REM-Phase wiederum ist das genaue Gegenteil, und liegt im Hypnogramm auf der Aktivitäts-Achse knapp unter dem Wachzustand. Man geht davon aus, dass der Tiefschlaf für die Entspannung des Körpers zuständig ist, wobei die Gehirnaktivität am tiefsten ist; finden sich im Wachzustand Hirnaktivitäten im Frequenzbereich von 14-30Hz, sind es in der Tiefschlafphase nur noch 0,1 bis 4Hz, die Atmung ist ruhig und gleichmäßig, der Blutdruck niedrig. Auch werden hier Wachstumshormone freigesetzt, weswegen diese Phase vor allem in der Jugend sehr wichtig ist; mit dem Alter nimmt die Dauer des Tiefschlafs ab; Senioren erreichen den Tiefschlaf oft nie mehr. Das Wecken aus dem Tiefschlaf ist sehr unangenehm, der Mensch ist hier generell sehr schwer zu wecken, und dann desorientiert ist.

Hypnogramm - Schlafstadien einer Nacht

Ganz anders ist hier der REM-Schlaf, der insgesamt eine besondere Position einnimmt: Mit einer Hirnaktivität von 4-7Hz, erhöhtem Blutdruck, Ausschüttung vom Stresshormon Adrenalin, und hoher Augenaktivität (bis zu 4Hz) gleicht der REM-Zustand viel eher dem Wachzustand als einem der anderen Schlafstadien und wird daher manchmal auch paradoxer Schlaf genannt. Diesem Zustand wird zugesprochen, essentiell wichtig für unser Gehirn zu sein; in dieser Phase der körperlichen Aktivität erholt sich das Gehirn, verarbeitet Geschehnisse des Tages, etc. Auch ist die REM-Phase die Traumphase, ein Wecken aus der REM-Phase ist sehr einfach, Träume sind danach sehr viel visueller und lebhafter in der Erinnerung (daher auch Traumschlaf genannt). Neugeborene schlafen fast ausschließlich im REM-Schlaf, beim erwachsenen Menschen beträgt der REM-Schlaf nur noch ca. zwei Stunden. Diese zwei Stunden werden allerdings nicht am Stück geschlafen: Zusammen mit den Tiefschlafphasen (die etwa eine Stunde ausmachen) und den Übergangsphasen wechselt sich die REM-Phase in regelmäßigen Abständen ab; man unterteilt den Schlaf in Zyklen von 90 Minuten, wobei der erste Zyklus klar von den Schlafübergangsphasen und der Tiefschlafphase dominiert wird – ab ca. der dritten Phase tritt der Tiefschlaf nur noch sehr verkürzt auf – umgekehrt nimmt die REM-Phase die im ersten Zyklus noch sehr kurz war, mit voranschreitendem Schlaf zu. Beim Schlafen kommt man also auf 5-6 REM-Phasen, die jeweils im Schnitt 20 Minuten lang sind.

Interessant sind hier auch die Versuche mit dem REM-Schlaf: So wurde beim Menschen gezeigt, dass gezielter REM-Schlaf-Entzug vom Körper mit allen Mitteln zu kompensieren versucht wird (etwa indem in der Nacht darauf dann vermehrt REM-Schlaf auftritt). Der Mensch wird bei REM-Entzug zunächst sehr viel triebhafter, bekommt vermehrte Hungergefühle und impulsiv-aggressives Verhalten. Auch lässt die Leistung des Gehirns nach, es kommt zu Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme; komplexe und neue Herausforderungen sind besonders schwer zu bewältigen. In Tierversuchen hat sich gezeigt, dass längerfristiger REM-Schlaf-Entzug zum Tode führt (bei Ratten nach zwei bis drei Wochen).

In Summe kommen wir auf einen REM-Schlaf von bis zu 2 Stunden, sowie einen Tiefschlaf von ca. 1 Stunde (natürlich mit individuellen Ausprägungen von bis zu +/-1,5 Stunden für jeweils beide Schlafstadien); etwa ein drittel der Zeit die wir schlafen, stecken wir in wichtigen Schlafphasen – die restlichen der 8 Stunden werden mit Übergangsphasen und gelegentlichen Wachphasen ausgefüllt.

All diese Informationen können uns helfen, den polyphasischen Schlaf zu verstehen: Wie man überhaupt dazu kommt, auf die Art und Weise zu schlafen, ob das überhaupt funktionieren kann, und wenn ja wie.

Polyphasischer Schlaf

Monophasischer Schlaf - TortendiagrammWie erwähnt bezeichnet der Begriff “polyphasischer Schlaf” zunächst alle Schlafmuster, die nicht monophasisch sind – insbesondere aber diejenigen, die mindesten drei Phasen beinhalten. Dennoch möchte ich kurz auch den biphasischen Schlaf als einen besonderen polyphasischen Schlaf betrachten, da sich auch hier schon interessantes Ableiten lässt. Zunächst aber ein wenig zur Geschichte unseres Schlafes:

Menschen, denen ich im Vorfeld von meinem Experiment erzählt habe, hatten oft bedenken, dass ein polyphasischer Schlaf ja etwas unnatürliches sei – in der Tat wirkt der monophasische Schlaf für uns am natürlichsten: Nachts wenn es dunkel ist, gehen wir schlafen, und morgens, wachen wir im Idealfall mit der Sonne auf. Interessanterweise ist dieser Schlaf aber, unter historischen Gesichtspunkten betrachtet wahrscheinlich unglaublich unnatürlich. Denn der Mensch war wahrscheinlich bis in die frühen Jahre der Industrialisierung ein polyphasischer Schläfer: er hat in mindestens zwei Nachtphasen geschlafen, eventuell kommt sogar eine dritte Mittagsschlaf-Phase hinzu! Die Referenzen reichen dabei sogar zurück bis in die Antike, in Homer’s Odyssey aus dem 8. Jahrhundert. Der Federführende Forscher auf diesen Gebiet, der Historiker Roger Ekirch, Professor der VirginiaTech, schreibt:

It’s not just the number of references – it is the way they refer to it, as if it was common knowledge

Dabei bezieht er sich auf ca. 500 Quellen, die er in seiner 16 jährigen Forschungstätigkeit zusammengetragen hat. Mittlerweile geht man sogar davon aus, das ein Großteil moderner Schlafstörungen und -krankheiten auf das fehlen dieser zweiten Phase zurück zu führen ist! Wie kam es dazu dass wir diese zweite Schlafphase einfach vergaßen? In der damaligen Zeit musste man sich am natürlichen Licht orientiert, und ist daher sehr viel früher von der Arbeit nach Hause gekommen, hat gegessen und geschlafen. Da aber die Nacht viel zu lang war, bis es am nächsten Tag wieder hell wurde, gab es die nächtliche Unterbrechung nach circa 4 Stunden schlaf, die selbst dann auch 1-3 Stunden lang war, und in der man auch durchaus aktiv wurde; ja sogar Freunde aus der Nachbarschaft besuchte. Dann kam Thomas Alva Edison und machte das elektrische Licht massentauglich und trieb die Elektrifizierung von Städten an. Dies nun führte dazu, dass  die Menschen länger arbeiten konnten, der Tag durch das elektrische Licht künstlich länger wurde, und die Nacht sich dementsprechend verkürzte, sodass ein polyphasischer Schlaf in der verbleibenden Zeit nicht mehr möglich war (noch ein Grund mehr also, warum Edison ein douchebag ist?).

Biphasischer Schlaf - TortendiagrammGeblieben ist uns nur der Mittagsschlaf. Wie schon erwähnt, handelt es sich hierbei um einen biphasischen Schlaf, der aus zwei Teilen besteht: Einer Core-Schlafphase (auch Hauptschlafphase) und, je nach Schlafgewohnheit einer Schlafphase oder einem Nap (auch Tagschlaf oder Tagschlafepisode); die Unterscheidung dieser Begriffe ist folgendes: Der Core-Schlaf findet Nachts statt, und gleicht dem typischen monophasischen Schlaf, den wir in unserer Gesellschaft nachts pflegen. Jeder Schlaf der nicht länger als der Core-Schlaf ist, und nicht zwingend in der Nacht stattfindet, wird hingegen nur mit “Schlaf” bezeichnet; ihn zeichnet aus, dass er einen kompletten Schlafzyklus mindestens einmal durchlebt, also mindestens 90 Minuten lang ist. Die Naps (Englisch für Nickerchen), bezeichnen sehr kurze Schlafphasen, die keinen kompletten Schlafzyklus abbilden, sondern in der Regel nur die Phasen hin zum ersten Tiefschlaf durchlaufen, und vor dem Tiefschlaf beendet werden. Über die japanische Kultur, in der diese Art des Nickerchens auch in der Öffentlichkeit (in der Bahn, auf der Arbeit, sogar während Meetings, etc.) als “Inemuri” gelebt wird, ist er über Amerika nun auch zu uns als “power nap” gekommen und wird von vielen größeren Unternehmen zur Steigerung der Leistungsfähigkeit auch in Deutschland aktiv unterstützt, z.B. durch das Bereitstellen von Räumen die zur Durchführung des power nappings geeignet sind (etwa mit Liegebänken ausgestattet, etc.), und verdrängt damit die für uns Europäer eher genutzte Siesta.

Interessant ist die Betrachtung der Gesamtschlafzeit. Während ein monophasischer Schläfer in der Regel 8 Stunden schläft, braucht ein biphasischer Schläfer mit einem Nap um die Mittagszeit in Summe nur noch ca. 6,3 Stunden Schlaf. Setzt man statt des Naps zur Mittagszeit einen Schlaf ein, der z.B. 90 Minuten umfasst (und eine REM Phase beinhaltet), dann verkürzt sich die Core-Phase auf 4,5 Stunden, was die Gesamtdauer sogar auf 6 Stunden verkürzt.

Scheinbar hat das Aufteilen des Schlafes in mehrere Bereiche einen schlafreduzierenden Effekt. Diese Beobachtung, und einige Schlussfolgerungen aus den oben gezeigten Theorien sorgte für Experimente mit einer besonderen Art von polyphasischen Schlafmustern, die synonym mit dem polyphasischen Schlaf gebraucht werden, aber eigentlich nur eine besondere Teilmenge sind, nämlich mit einer der Zielsetzung der Schlafreduzierung auf ein Minimum.

Polyphasische Schlafmuster zur Schlafminimierung

Fassen wir zunächst einmal kurz zusammen: Schlaf ist zwar genetisch bestimmt, er lässt sich aber sehr stark beeinflussen, und ist relativ individuell. Die Art und Weise wie wir schlafen ist dabei gesellschaftlich und nach historischem Wissen vor allem auch industriell beeinflusst worden, und entspricht eher dem Ergebnis eines Trainings, als einem natürlichem Rhythmus – ohne das uns heutzutage irgendwelche negativen Effekte bekannt sind (mit Ausnahme von bestimmten Schlafkrankheiten, die einen geringen Prozentsatz der Menschen treffen). Aber auch äußerliche Einflüsse wie der Tag-Nacht-Wechsel haben einen Einfluss auf unsere Schlafweise und sind sogar notwendig um unsere individuell verschiedenen Rhythmen an den tatsächlichen Tag zu synchronisieren (mit Tageslichtlampen, wie sie in Tageslichtweckern eingesetzt werden lässt sich allerdings auch die empfundene Umwelt und damit die innere Uhr manuell setzten!). Vor allem die REM-Phase muss eine bedeutende Rolle spielen, da der menschliche Körper diesen Schlaf unter allen Umständen zu erreichen versucht, und dabei auch stark anpassungsfähig ist; die anderen Schlafphasen scheinen keine Relevanz zu haben, bzw. lassen sich kompensieren. Auf Grundlage dieser Überlegungen fußt der Versuch, es sich mit dem polyphasischen Schlaf anzutrainieren, dass man effektiver in die Tiefschlaf- und vor allem die REM-Phase kommt, und sich von den Zwischenstadien komplett löst; man konditioniert den Schlaf auf das Wesentliche um. Vor allem die Naps spielen hier eine entscheidende Rolle und dürfen im folgenden nicht mehr mit den regulären Naps, die im Power Napping eingesetzt werden, verwechselt werden (siehe unten).

In bestimmten Bereichen des Lebens ist es nicht möglich, einen monophasischen Schlaf aufrecht zu halten, etwa beim (Extrem-)Sport, wie z.B. dem Race Across America, oder maritimer Weltumrundungen. Aber auch bestimmte Berufsgruppen und deren Institutionen müssen sich mit dem Thema Schlaf in Extremsituationen auseinandersetzten; etwa das Militär oder die NASA. Aus den Experimenten dieser Institutionen geht beispielsweise die Beobachtung hervor, dass polyphasische Schlafmuster um so besser funktionieren, je mehr Schalfeinheiten man sich über den Tag verteilt legt.

Dymaxion

Dymaxion Schlaf - TortendiagrammIm privaten Raum hat sich Richard Buckminster Fuller als erster  Mensch dokumentiert mit dem Phänomen des polyphasischen Schlafs auseinander gesetzt und bekannte 1943 dem Time Magazine, dass er über zwei Jahre nach dem von ihm “Dymaxion Sleep” (wie eigentlich jede seiner Erfindungen) getauften Schlafrhythmus geschlafen hat. Es ist damit das ersten publizierte, systematische Schlafmuster zum Minimieren der Schlafphasen (das heißt nicht, das nicht auch schon vorher Menschen nach ähnlichen Mustern gelebt haben – diese haben es nur nicht publiziert).

Das Dymaxion-Schlafmuster besteht aus 4 Nap-Phasen, die jeweils 6 Stunden auseinander liegen, und 30 Minuten lang sind. Nach eigener Aussage hat Fuller sehr gut mit diesem Schlafrhythmus gelebt, ihn aber irgendwann aufgeben müssen:

Eventually he had to quit because his schedule conflicted with that of his business associates, who insisted on sleeping like other men.

(Time Magazin, 11. Okt. 1943)

Faktisch gesehen bekommt man mit dem Dymaxion Schlaf also 2 Stunden Schlaf pro 24 Stunden. Bis dato ist Fuller aber  die einzig dokumentierte Person, die den Dymaxion-Schlaf erfolgreich über längere Zeit ausgeführt hat. Auch wenn die zu anderen Mustern vergleichsweise lange Wachzeit zwischen den Schlafzeiten zunächst sehr verlockend ist, so gibt es doch einige Erklärungsversuche die darlegen, warum das Dymaxion-Schlafmuster eher zum Scheitern verurteilt ist. So gibt es einige Quellen, die berichten, dass ein Nap der länger als 20 bis maximal 25 Minuten geht, Gefahr läuft, nach der in ihr stattfindenden REM-Phase wieder in eine Tiefschlafphase zu fallen, aus der ein Aufwachen wie erwähnt schwer ist. Andere Quellen bezweifeln jedoch, dass es in polyphasischen Schlafmustern überhaupt zu Tiefschlafphasen kommt.

Die Frage, ob nun Tiefschlafphasen auftreten, und wenn ja, wann wie und wo, ist noch nicht abschließend geklärt; typische Hypnogramme zeigen, dass es vor der REM-Phase eine Tiefschlafphase gibt – es ist also anzunehmen, dass auch diese im Nap, vor der REM-Phase vorkommt; viele Artikel im Internet wiederum behaupten, zu dieser Tiefschlafphase würde es nie kommen. Dagegen sagt der Diplom-Psychologe und Somnologe Markus Specht:

Dies stimmt so nicht. Der Körper holt sich auch im Uberman-Rhythmus beide Schlafphasen. Denn wir brauchen beides, um morgens erholt aufzustehen.

(Quelle: Der Uberman-Rhythmus, Student-Leipzig.de)

Die wohl wichtigste, da bisher (zumindest nach meinem Wissen und meinen Recherchen) einzige größer angelegte Studie stammt von Dr. Claudio Stampi, für die ein Student in einem Schlaflabor für 50 Tage unter 24 Stunden Beobachtung am EEG stand (seine Erkenntnisse fließen u.A. in eines der wenigen Fachbücher zum Thema polyphasischer Schlaf, Why we Nap, ein). Stampis Untersuchungen ergaben: Beim angepassten Schläfer (ab 10-14 Tagen) teilt sich der Körper die Phasen auf. So gibt es Naps die komplett für REM-Schlaf genutzt werden, andere wiederum werden für die Tiefschlafphase genutzt – beide Phasen scheinen also relevant zu sein (auch wenn der REM-Schlaf prinzipiell wichtiger zu sein scheint). Zu ähnlichem Ergebnis kommt auch Specht, der zwei Studenten bei ihrem Projekt begleitete. Einer der Studenten sagt dazu:

Als der Körper an den Rhythmus gewöhnt war, hatten wir mor­­gens meist REM-Phasen und am spä­ten Nachmittag Tiefschlafphasen.

(Quelle: Der Uberman-Rhythmus, Student-Leipzig.de)

Zu bedenken ist aber: Beide Wissenschaftler haben sich lediglich mit dem Uberman-Schlafmuster (bzw. Stampi mit einer leicht abgewandelten Methode dessen – das Uberman-Schlafmuster existierte zu der Zeit noch nicht) beschäftigt. In wieweit sich das auch auf das Dymaxion-Schlafmuster mit den viel selteneren und längeren Naps übertragen lässt, ist nicht bekannt. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass bei diesem Schlafmuster die Schlafphasen-Aufteilung eine völlig andere ist. Die Schwierigkeit des Dymaxion-Schlaf lässt sich also nicht abschließend über den Tiefschlaf erklären. Lediglich die Vermutung, dass 4 Naps zu wenig sind und besser verteilt werden müssten, scheint legitim.

Uberman

Uberman Schlaf - TortendiagrammDas Uberman-Schlafmuster ist ein sehr junges Schlafmuster, dass erst im Internet als “Uberman”-Schlaf geboren wurde, in einem Artikel auf E2, von der damaligen Philosophie-Studentin PureDoxyk, die versucht hat, den (namenlosen) polyphasischen Schlaf von Leonardo da Vinci und Thomas Jefferson zu reproduzieren. Als Philosophie-Studentin las sie zu der Zeit die Werke von Friedrich Nietzsche, und so entschied sie sich als kleine Verbeugung zu dem Namen; der englischen Übersetzung von Nietzsches Übermenschen. Der Name hat also insbesondere nichts mit irgendwelchen Industriebossen zu tun, die ihre Mitarbeiter zu roboter-ähnlichen Übermenschen transformieren wollen um sie besser ausbeuten zu können. Wenn ihr solche Kommentare lest, dann hört auf zu lesen – diese Menschen haben sich kein Stück weit mit der Thematik auseinander gesetzt. Eine Kostprobe aus dem Kommentarbereich von Spiegel Online zu einem Artikel zum Uberman-Sleep:

Das brauchen die Firmen für den neuen Aufschwund. Übermenschen. Roboter. Material.

Nachdem PureDoxyks Artikel von einer weiteren Person in einem Artikel auf K5 aufgegriffen wurde, verbreitete sich dieses Schlafmuster wie ein Lauffeuer (immerhin hatte K5 zu dieser Zeit Nutzerzahlen jenseits der zehntausender), weitere Portale wie lifehack.org oder Slashdot griffen das Thema auf, und so wurde es zu einem regelrechten Internet-Phänomen (das aber an mir komischerweise komplett vorüberzog).

Auch der Uberman Schlaf hat in Summe 2 Stunden, allerdings gibt es 6 Phasen, die jeweils nur 20 Minuten lang sind. PureDoxyk ist die erste Person, die im Jahre 1998/1999 nach diesem Schlafmuster schlief, und seit ihrem Artikel 2000 hat dieses Schlafmuster große Bekanntheit erlangt. Wie oben angemerkt, gibt es einige kurze Studien zu diesem Schlafmuster, und es gibt etliche Menschen, die behaupten, nach diesem Schlaf zu leben. In der Regel werden 6 Monate bis 2 Jahre als Dauer angegeben. Spätestens dann gibt es in der Regel eine Lebensänderung (Job, Familie, Studien-Ende), die es dem polyphasisch Schlafenden nicht mehr ermöglicht, das Schlafmuster aufrecht zu halten. Viele bereuen aber den Schritt zurück in einen monophasischen Schlaf. Es gibt sogar einen Blogger, der über Langzeitfolgen nach seinem polyphasischen Schlafexperiment schreibt!

Ein großes Problem ist die Anfangsphase, d.h. die ersten ein bis zwei Wochen. Damit man in den Uberman hinein kommt, muss man sich sehr strikt an seinen Zeitplan halten, und auf keinen Fall Schlafphasen auslassen, verlängern, verkürzen oder verschlafen. Die ersten 2-3 Tage wird der Körper in den 20 Minuten noch relativ wenig machen – dadurch baut man sich ein immer stärker werdendes Schlafdefizit auf: Der Körper leidet unter den typischen Schlafentzugserscheinungen. Allerdings – und das macht die Sache so schwierig: Alle 4 Stunden geht der Körper maximal in die Anfangsphase des Schlafs, wird aus dieser aber wieder herausgerissen, ohne dass er jemals in eine erholenden Tief- oder REM-Phase gelangt. Nach etwa 3 Tagen hat der Körper angefangen zu verstehen, dass er allen Schlaf, den er kriegen kann in diesen 20 Minuten kriegen muss – und fängt an, sich anzupassen. Das Anpassen selbst geht relativ fix, sodass man nach etwa 10 Tagen eine Anpassung erreicht hat – aber auch hier ist weiterhin der Körper stark übermüdet. Die ersten 10 Tage, so sagt man, seien die Hölle – davon die ersten 3 ganz besonders. Ab dann fühlt man sich während der Naps erholt, und nach ca. einem Monat hat man auch das Schlafdefizit komplett abgebaut und fühlt sich ausgeschlafen und wach.

Es gibt einige Anhänger des Uberman; dennoch scheitern viele an der Anfangsphase. Dies brachte PureDoxyk dazu ein weiteres Schlafmuster einzuführen, den sie zunächst über ihren Blog bekannt machte:

Everyman

Everyman Schlaf - TortendiagrammIm Kontrast zum Uberman, soll der Everyman wirklich für Jedermann sein. Auch hierzu hat PureDoxyk im Jahr 2007 einen lesenswerten Artikel auf E2 veröffentlicht. Anders als die vorherigen Muster arbeitet der Everyman mit einer Core-Phase, die variabel lang gehalten werden kann. Je nach Länge der Core-Phase richten sich dann auch die Anzahl der Naps. Die Idee dahinter ist, dass zum einen der Einstieg leichter werden sollte, da man eine Core-Schlafphase hat, in der man so schläft wie immer, nur kürzer, und zusätzlich variable Napping Zeiten, die man sich so wählen kann, dass sie am Besten in den Tagesrhythmus passen – denn ein großes und oft erwähntes Problem des Uberman ist die strikte Einhaltung des Zeitplanes, der zugegebener Weise ein wenig gesellschaftsfern ist: Wer kann schon alle 4 Stunden eine Schlafstätte aufgesucht haben in der er dann für 20 Minuten schläft? Das ist nicht immer möglich, und auch stark abhängig vom sozialen Umfeld in dem man sich befindet.

Der Everyman bietet hier mehr Gestaltungsfreiraum:

  • 4,5 Stunden Core-Phase + 2 Naps = 5,2 Stunden
  • 3,5 Stunden Core-Phase + 3 Naps = 4,5 Stunden
  •    3 Stunden Core-Phase + 3 Naps =    4 Stunden
  • 1,5 Stunden Core-Phase + 5 Naps = 3,1 Stunden
  • 1,5 Stunden Core-Phase + 4 Naps = 2,8 Stunden

Mit einem Nap wie gehabt jeweils 20 Minuten.

Leider scheitern sehr viel mehr Menschen am Everyman, wenn sie mit dem Thema “polyphasischer Schlaf” anfangen, als Menschen, die vom Uberman wechseln, oder mit Everyman anfangen nachdem sie schon mal Erfolgreich im Uberman schlaf waren, und diesen dann für eine Weile abgebrochen haben. Woran könnte das liegen?

Der für mich plausibelste Erklärungsversuch ist derjenige, dass der Körper lernen muss, in 20 Minuten in die REM-Phase zu kommen. Damit er das tut, muss der Druck da sein, die Erkenntnis für den Körper: “Wenn ich hier nicht was ändere, mach ich das nicht mehr lange mit.” Das Everyman-Schlafmuster baut diesen Druck aber nicht stark genug auf, es werden vermischte Signale gesendet: Erst sind Phasen da, in denen nur Nappings existieren, und in denen der Körper in der Anfangszeit keinen Schlaf bekommt, dann aber rutscht er wieder in was bekanntes: Die Core-Phase, in der er seinen vollen Schlafzyklus mehrfach durchlaufen kann. Dadurch passt sich der Körper natürlich nicht sofort an die 20 Minuten an, lernt also nie, effizient nach wenigen Minuten Schlaf in die REM-Phase zu fallen, statt bis zu 90 Minuten in den unterschiedlichen Nicht-REM-Phasen zu verweilen. Da die Core-Phase aber nicht lang genug ist, um den kompletten Schlaf dort unter zu bringen, baut sich eine Spirale der Müdigkeit auf, die nur in einer sehr lange Anpassungsphase sehr langsam von den Naps aufgefangen werden.

Auch wenn der Everyman eine sehr attraktive Alternative zum Uberman ist, sollte also mit dem Uberman angefangen werden, und dieser beherrscht werden, ehe man in den Everyman wechselt – alle Menschen die das machen (und es machen wirklich viele), adaptieren Everyman sehr schnell und ohne zusätzliche Probleme – im Gegenteil: Sie sind meist sogar noch besser drauf, als sie es beim Uberman waren.

Andere Muster und andere Bezeichnungen
Es gibt noch sehr viele weitere Muster. Zur Zeit scheint das Thema einen neuen Aufschwung zu erleben, nachdem es sein erstes Peak um das Jahr ~2003 hatte. Und mit diesem Aufschwung kommen natürlich auch neue Muster ins Rennen. Zu diesen Mustern gibt es allerdings nur sehr wenig Erfahrungsberichte, also ob und wie gut sie funktionieren, das ist bei solchen neuen System immer unklar. Dennoch möchte ich sie hier mal kurz genannt haben, für den Fall, das jemand zu diesen Mustern weitere Informationen suchen möchte.
Zunächst wäre da der triphasische Schlaf. Bei dieser Methode teilt man den Tag in 3 Schlafphasen und 3 Wachphasen ein. Zwei der Schlafphasen liegen dabei in der Nacht, eine am Mittag. Jede Schlafphase umfasst einen Schlafzyklus, also insgesamt 90 Minuten, was dann eine Schlafzeit von 4,5 Stunden macht, also etwa die hälfte des normal benötigten Schlaf. Der Blogger Life will diesen Rhythmus nun schon 144 Tage durchgehalten haben – nach eigener Aussage braucht der Schlafmuster, da er dem circadianem System anpasse, und ganze Schlafzyklen abdecke, keine Anpassungszeit. Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass der Körper nicht lernt, weniger Schlaf zu brauchen, weshalb ich annehme, das der Schlaf ähnlich kompliziert wie der Dymaxion sein wird; wahrscheinlich super geeignet für einige wenige, die eh mit relativ wenig Schlaf (ohne Anpassung) auskommen können; für viele wahrscheinlich aber auch sehr schwer. Aber das ist nur eine Vermutung – ich würde mich freuen, weitere Menschen zu treffen, die diesem Schlafmuster folgen, um von deren Erfahrungen zu hören.
Das Da-Vinci Schlafmuster haben wir hier eigentlich schon stehen. Da PureDoxyk versucht hat, den Schlafrhythmus da Vincis nachzubilden, wird dieser auch oft Da-Vinci Schlafrhythmus genannt; auch wenn 20 Minuten vorgeschlagen wird, so sind durchaus Naps mit nur 15 oder gar 25 Minuten denkbar, und werden daher nicht ausgeschlossen. Allerdings hat sich 20 als sinnvolle länge herauskristallisiert. In diesem neuen Trend wird das Da Vinci Schlafmuster aber begrenzt auf die Uberman-Variante mit 15 Minuten schlaf.
Ebenfalls neu und für viele DAS Schlafmuster schlechthin: Sleep Polyphasic As Much As You Like, abgekürzt SPAMAYL. Die Idee: jeder Nap hat 20 Minuten, aber es gibt keinerlei Vorgabe wie häufig und wann ein Nap genommen werden muss. Einzigen zwei Regeln: Wenn Du müde bist, dann musst Du schlafen gehen, und Wenn Du gerade für 20 Minuten genappt hast, musst Du die nächsten 20 Minuten zwingend wach bleiben, auch wenn Du müde bist. Weil dieser Rhythmus direkt aus dem Uberman-Muster gewonnen wurde, wird er auch gerne Schedule-Less Uberman, kurz SLU genannt, und der Uberman in Abgrenzung neuerdings als USS (Uberman Sleep Schedule) abgekürzt.
Ein anderer Trend benennt die Schlafmuster nicht mehr nach den Namen ihrer Namensgeber, sondern schlicht nach Anzahl der Schlafphasen: Nach monophasisch und biphasisch folgt dann das eben vorgestellte triphasische Schlafmuster. Dann kommt tetraphasisch (Dymaxion), pentaphasisch und hexaphasisch (Uberman), und polyphasisch für das eben vorgestellte SLU-Schlafmuster. Welchen Vorteil man sich von dieser Namensgebung erhofft, bleibt mir jedoch schleierhaft.

Wir haben uns nun also die wichtigsten Schlafmuster angeguckt und auch mal über den Tellerrand geschaut und uns die aktuell neuen Trends vor Augen geführt; aber bei allen näher betrachteten Mustern haben wir auch gesehen, dass es Arbeit ist, und dass es auch keine Langzeitstudien gibt, die darlegen, wie sich der polyphasische Schlaf auf Dauer auswirkt. Die Umgewöhnung jedenfalls ist in jedem Fall eine harte Nuss. Warum sollte man sich dieser Tortur unterziehen?

Vor- und Nachteile

Vorteile

Der Hauptvorteil liegt natürlich auf der Hand: Wer mit nur 2-4 Stunden Schlaf auskommt, hat 20-22 Stunden Tageszeit, die er nutzen kann! Wie oft hören wir uns selbst sagen: “Ach hätte mein Tag nur 48 Stunden?”. Mit dem polyphasischen Schlaf können wir den Tag zwar nicht verlängern, aber mehr Stunden nutzbar machen. Eine kleine Rechnung hierzu:

Wir gehen davon aus, dass der Standard-Mensch 8 Stunden schläft. Dann hat er 16 Stunden Tag. In der Woche macht das 112 Stunden, in einem Monat (mit 30 Tagen gerechnet) 480 Stunden, im Jahr 5840 Stunden. Anders ausgedrückt: Vom Tag, der Woche, dem Monat oder dem Jahr sind nach Abzug der 8 Stunden schlaf nur noch 2/3 der Zeit zugänglich. Der Uberman Schläfer schläft nun nur 2 Stunden. Das lässt ihn mit 22 Stunden Tag zurück. Das sind in der Woche nun schon 154 Stunden, im Monat 660 Stunden, und im Jahr 7920 Stunden. Rechnet man das gegen den 16-Stunden Tag des monophasischen Schläfers dann kommt man darauf, dass ein polyphasische Schläfer in der Woche 2,5 Tag mehr hat als der monophasische, im Monat ganze 10 Tage und im Jahr dann ganze 120 Tage, oder eben 4 Monate. Jemand der 3 Jahre lang polyphasisch lebt, würde die Zeit eines ganzen Jahres mehr zur Verfügung gehabt haben, als ein monophasisch schlafender Mensch!

Zwar ist das der Hauptbeweggrund, warum Menschen sich den polyphasischen Schlaf antun (es sind übrigens gerade Studenten, die mit diesem Schlafrhythmus versuchen wollen, mehr Zeit neben dem Studium zu erlangen – um zu Arbeiten, oder für Hobbys, etc.), aber es gibt noch weitere Vorteile: Wenn man einmal im Rhythmus drin ist, berichten viele Schläfer, dass sie ein gesteigertes Wohlbefinden haben. Sie sind weder Müde noch sonstig angeschlagen – beschreiben Teilweise sogar eine Wachheit wie sie sie mit monophasischen Schlaf nie erreicht haben, eine geistige Klarheit, haben scheinbar mehr Energie Sachen anzugehen, kriegen natürlich auch mehr in einem Tag geschafft, was wahrscheinlich ebenfalls einen positiven Effekt hat, da man auch viel entspannter mal nichts tun kann, insgesamt unter weniger Stress leidet, etc.

Einige Menschen finden es gut, das der Tag in besser handhabbare Stücke aufgeteilt ist, man also eine besondere Art der Struktur in den Tag bekommt. Ob ich das auch so sehen werde weiß ich natürlich noch nicht, aber interessant wären Überlegungen, die den Tagesrhythmus mit Methoden wie ZTD verknüpfen.

Nachtmenschen freuen sich, dass sie mit dieser Methode sowohl die Nacht, als auch den Tag nutzen können, und so ihre produktiv-aktiven Phasen nicht auf Kosten des Tages nutzen müssen, in dem dann geschlafen werden muss.

Polyphasische Schläfer sind sehr viel anfälliger für- und haben häufiger luzide Träume. Auch als Klartraum bekannt, befindet sich der Träumende mit dem Wissen, dass er träumt in seinem Traum. Dadurch werden zum einen Träume intensiver erlebt und auch länger nach der Aufwachphase behalten. Zum anderen kann man sich und seine Psyche dabei besser kennen lernen – als allmächtiger Beobachter sein Unterbewusstsein erkunden und mit ein wenig Training besteht sogar die Möglichkeit, den Traum willentlich zu steuern. Neben der Selbstfindung (sogar Traumdeutungen im Traum selbst sind möglich), wird luzides Träumen auch benutzt, um beispielsweise im Traum zu lernen (bestimmte Sportler sollen so Bewegungsfolgen eintrainiert haben!), sie sind ein Werkzeug zur psychischen Konfliktbehandlung, werden von kunstschaffenden Personen benutzt, etc. Insgesamt also ein Stadium das viele Menschen aktiv zu erreichen versuchen, und das man als polyphasischer Schläfer quasi zum Nulltarif dazu bekommt.

Und last but not least: Viele Probleme verschwinden einfach. Mit Problemen sind zum einen Schlafstörungen gemeint: Wer 22 Stunden am Stück wach ist, wird wahrscheinlich weniger Probleme beim Einschlafen haben. Aber auch Alpträume, Schlafwandeln und komplette Schlaflosigkeit bekommt man hiermit in den Griff. Die Probleme können aber auch physischer Natur sein, etwa Nackenschmerzen/-probleme, die durch das lange schlafen begünstigt werden, etc.

Nachteile

Es gibt aber natürlich auch immer zwei Seiten der Medaille:

Da wäre zunächst die wirklich schwere Anpassungsphase. Wie schon erwähnt durchlebt man für eine längere Zeit die Hölle des Schlafentzugs, und braucht tatsächlich die Zeit eines Monats um vollständig in das System hinein zu kommen. Viele Leute halten das so lange nicht durch – es ist ja auch nicht so, dass man auf kurze Sicht ein Ende der Torturen in Sicht hat (anders als wenn man beispielsweise eine Nacht durchmacht, o.Ä., und weiß, dass man nur noch so und so lange durchhalten muss, ehe man den erlösenden Schlaf bekommt). Das Schlafdefizit bleibt eine ganze Weile erhalten und wird nur langsam abgebaut.

Damit die Umstellung gelingt, ist es essentiell, dass man die Anpassung in Zeiten legt, in denen man keine anderen Verpflichtungen hat, und möglichst komplett losgelöst von seinem Alltag ist: Etwa Sommerferien, Semesterferien, Urlaub, etc. Auch von schwerer physischer Aktivität sollte man zunächst absehen. Leistungssport lässt sich mit polyphasischen Schlafrhythmen wahrscheinlich nicht verbinden, und man sollte die Zeit der Eingewöhnung (diese 1-2 Monate) auch kein Auto fahren(!), da die Wahrscheinlichkeit für Sekundenschlaf – auch Tagsüber – extrem hoch ist!

Ist man einmal drin, im Schlafrhythmus kommt die nächste Hürde: Der Alltag! Polyphasische Schlafmuster verlangen, dass man sich strikt an sie hält. In der Eingewöhnungsphase ist ein Einhalten unumgänglich. Wer verschläft (unter polyphasischen Schläfern scheint sich die wörtliche Übersetzung von “oversleep”, “überschläft” eingebürgert zu haben), oder einen Nap auslässt, fängt quasi komplett von vorne an. Erst wenn man wirklich drin steckt gibt es eine minimale Flexibilität. So heißt es, dass man einen Nap in Ausnahmefällen auch mal um bis zu 90 Minuten verschieben kann. Ein ausgelassener Nap wiederum hat dieselben Auswirkungen wie eine durchgemachte Nacht im monophasischen Schlaf, und es braucht einen kompletten Tag, das Defizit wieder rein zu bekommen. Nach zwei Naps ist man eigentlich komplett raus, wird über Tage Müde und muss sich komplett neu reinfinden (dem Widerspricht aber die Theorie, dass man ab und zu einen Schlaftag einlegen sollte (so einmal den Monat), mit völlig freiem Schlaf – das soll angeblich die Konzentrationsfähigkeit noch weiter steigern). Insgesamt verliert man an Flexibilität und Spontanität; Job, Familie und Freunde müssen sich nach dem Schlafrhythmus richten, nicht umgekehrt.

Bei vielen kommt es ziemlich schnell zur Langeweile: Man hat viel Zeit und weiß in dieser dann nicht immer was anzufangen. Gerade die Nachtphasen, wo auch keiner mehr da ist, mit dem man sich treffen oder telefonieren könnte, werden hier zu einer Herausforderung. Es gibt tatsächlich schon Menschen, die wegen der Langeweile den polyphasischen Schlaf wieder abgebrochen haben – was bringt das Plus an Zeit, wenn man es für nichts nutzen kann? Man sollte sich also auch für die Eingewöhnungsphase viel vornehmen; zur Not mal ein wenig Computer spielen, oder Ähnliches!

Man muss stark auf seine Ernährung achten. Schlafmangel soll Heißhunger wecken, und kann dafür sorgen, dass man zunimmt. Auch die Tatsache, dass man statt 16 Stunden nun 22 Stunden wach ist, führt automatisch zu mehr Hunger und dementsprechend mehr essen. Fettiges und schweres Essen tun ferner dem Schlafrhythmus nicht gut – da das Essen eher in Ruhe und Schlafphasen verdaut wird, benötigt der Körper bei schweren Mahlzeiten dann mehr Schlaf. Wer allerdings auf seinen Körper achtet, wird feststellen, dass er generell mehr Appetit auf frisches Obst und Gemüse hat und automatisch weniger fettige Sachen oder Fleisch ist. Deshalb erwähnen auch viele polyphasische Schläfer positive Effekte auf ihre Ernährung – da sich positive und negative Berichte hier aber die Waage halten, habe ich es hier in den Negativbereich mit hinzugefügt; auch hier sind mir Fälle bekannt, in denen polyphasische Schläfer wegen der Gewichtszunahme aufgehört haben! Übrigens ist selbstredend, dass auch auf Alkohol größtenteils verzichtet werden muss. Schon geringe Mengen von Alkohol (etwa eine halbe Flasche Wein) hat starke Auswirkungen auf den Schlaf, indem es die Tiefschlaf-Phase unterdrückt, und zu einem unruhigen Schlaf führt. Trinkt man sich gar in einen Rauschzustand, dann wirkt der Alkohol narkotisch. In der Zeit, in der der Körper damit beschäftigt ist, den Alkohol wieder abzubauen, sind alle Schlaffunktionen ausgesetzt, der Körper quasi bewusstlos – faktisch setzt man also mehrere Phasen aus. Gegen ein Glas Wein oder einen Cocktail wird wohl nichts einzuwenden sein – in der Eingewöhnungsphase wäre ich allerdings auch damit sehr vorsichtig. Klar, das auch Schlafmittel absolut tabu sind – nicht nur, dass man nach 20 Minuten wahrscheinlich nicht wieder aufsteht – Schlafmittel blocken in der Regel den REM-Schlaf, und sind auch daher wieder Kontraproduktiv. Nur bei Coffein ist man sich nicht immer ganz sicher; neben der “kein Coffein“-Fraktion gibt es durchaus Vertreter, die den gezielten Einsatz von Coffein unterstützen. Insgesamt bleibt aber auch hier zu sagen, das alles, was mit dem Schlafrhythmus kollidiert, lieber gemieden werden sollte.

Es ist nicht bekannt, welche Langzeitwirkungen diese Art zu Schlafen hat. Schlaf beeinflusst als ein eigentlich circadianer Rhythmus auch mehrere ultradiane Rhythmen, Hormonausschüttungen, Wachstum, Ausbildung des Gehirnes, die Systeme des Sympathikus und des Parasympathikus und damit auch des vegetativen Nervensystems. Viele sehen diese Schlafmuster daher sehr skeptisch; eine gewisse Vorsicht und eine Bereitschaft für ein Risiko sollte also vorhanden sein, denn noch kann sich wirklich niemand ausmalen welche schädlichen (aber auch positiven!) Wirkungen diese Art von Schlaf tatsächlich haben kann. Ein Trostpflaster: Vertreter dieser Schlafrhythmen (siehe unten) wurden Teilweise sehr viel älter als die Lebenserwartung ihrer Zeit erlaubt hätte, und bei ihnen sind keine schlimmeren Beschwerden im Alter bekannt geworden. Das muss aber nichts heißen! Selbstredend sollten Menschen mit (schweren) gesundheitlichen Problemen davon absehen, oder zumindest einen Arzt konsultieren. Kinder und Jugendliche, die sich noch im Wachstum befinden, sollten auf keinen Fall ein solches Experiment machen – hier sind die Schlafphasen noch ganz anders verteilt, der Körper braucht viele Tiefschlafphasen, in denen Wachstumshormone ausgeschüttet werden, in der Pubertät ändert sich der Körper grundlegend; ein solches Experiment wird hier aller Wahrscheinlichkeit nach starke Entwicklungsschäden hervorrufen. Im Internet hat man sich scheinbar auf das Alter 20 geeinigt.

Fazit

Das Schlafexperiment polyphasischer Schlaf ist für mich tierisch spannend und faszinierend, und das aus sehr vielen Gesichtspunkten. Näheres dazu werde ich in einem weiteren Eintrag zusammen fassen. Seit jetzt genau einer Woche schlafe ich mehr oder weniger polyphasisch (auch dazu dann mehr), und zuvor hab ich mich etliche Wochen sehr intensiv mit dem Thema auseinander gesetzt (wovon hoffentlich auch dieser mittlerweile viel länger als geplante Artikel Zeugnis ablegt). Die vielen Menschen, die (angeblich) schon polyphasisch Schlafen, zeigen, dass es möglich ist und dass, wenn man es schafft, wohl insgesamt ein besseres, wacheres und erfüllteres Leben führt, denn als monophasischer Schläfer (mit der einzigen Ausnahme der Probleme um das soziale Umfeld, dass in der Regel nur aus monophasischen Schläfern besteht). Allein das ist es Wert, diesen Schlafrhythmus mal auszuprobieren – polyphasische Schläfer schwärmen regelrecht davon. A pro pos Vertreter des polyphasischen Schlafs: Vielen berühmten Persönlichkeiten wird nachgesagt, dass sie polyphasische Schläfer waren, darunter auch folgende Personen, bei denen es mehr oder weniger als gesichert gilt:

  • Leonardo da Vinci: Aus Notizen geht hervor, dass er alle 2 Stunden nur für 15 Minuten geschlafen hatte. Wie lange er nach diesem Schema gelebt hat, ist allerdings unbekannt, bzw. konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Mit einem Alter von fast 70 Jahren gehört da Vinci übrigens zu jenen seltenen Menschen, welche die durchschnittliche Lebenserwartung des 15. Jahrhunderts um das doppelte überlebten.
  • Richard Buckminster Fuller: Der Erfinder des Dymaxion Schlaf, der nach eigenen Angaben über 2 Jahren auf diese Weise schlief (dies lässt sich auch anhand seines sehr umfassenden Tagebuchs nachvollziehen).
  • Paul Erdős: Der bedeutende Mathematiker soll für mehrere Jahre täglich nur 2 Stunden geschlafen haben, wobei dieser neben Nappings auch Amphetamine benutzte.
  • Benjamin Franklin: Ob Franklin als einer der berühmteren Gründervater der Vereinigten Staaten tatsächlich auch polyphasischer Schläfer war, darüber ist man sich uneinig; scheinbar berufen sich die Vertreter der Theorie das Franklin polyphasischer Schläfer war, vor allem auf Berühmte Zitate von ihm, wie etwa “There will be sleeping enough in the grave”. Das Gerücht, so es denn eines ist, hält sich aber so standhaft, dass ich es hier mit aufnehmen muss, auch auf die Gefahr hin, dass es falsch ist.
  • Thomas Alva Edison: Ich finde es besonders ironisch, das der Mensch, der die gesamte westliche Zivilisation mit Erfindung des elektrischen Lichts vom polyphasischen Schlafmuster zum monophasischen Schlaf geführt hat, ausgerechnet selbst ein polyphasischer Schläfer gewesen sein soll. Edison ist ein dokumentierte Napper, der in seinem Büro ein Bett stehen hatte, und wenn es sich nicht anders anbot, auch mal einfach auf dem Fußboden geschlafen haben soll, ein bestimmtes Muster soll er aber wohl nicht gehabt haben.
  • P. Diddy hat in der Fernsehsendung MTV Diary erwähnt, dass er nur zwei bis vier Stunden schlafe, die er auf viele kleine Naps legt.

Es gibt noch sehr viele weitere, wobei es bei den meisten Leuten, denen das Nachgesagt wird, auch quatsch ist (Albert Einstein oder Napoleon Bonaparte sind z.B. solche Kandidaten, bei denen das eindeutig widerlegt werden können). Aber das macht ja auch nichts, auch in der Gesellschaft oben fühlt man sich doch auch schon wohl, oder?

Ausblick und weitere Ressourcen

In einem der nächsten Blogeinträge (dieser ist schon lang genug – außerdem: vielleicht kann ich ja wieder ein paar Stammleser dazu gewinnen? 😀 ) werde ich dann auf meinen persönlichen polyphasischen Schlaf eingehen, Beweggründe darlegen und meinen individuellen Plan vorstellen und über meine konkrete Umsetzung des polyphasischen Schlafes reden. Ab dann plane ich in regelmäßigen Abständen einen Zwischenstand zu posten. Ich habe mir, nachdem ich relativ planlos in die erste Woche gestartet bin, einige Gedanken gemacht und denke, dass diese gut in einer Art Log oder Tagebuch niedergeschrieben werden können und sollten – und genau dafür habe ich ja diesen Blog – immerhin scheint das Thema ja einige zu interessieren, mit denen ich drüber gesprochen habe. Wie regelmäßig und in welcher Form ich das tue, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, und ich muss auch erst noch schauen, wie sich das ganze Zeitlich einrichten lässt. Da ich in letzter Zeit oft versprechen gemacht habe, die ich nicht halten konnte, möchte ich hierzu nichts sagen – schön wäre es natürlich wenn ich es mal wieder hinbekäme, täglich einen Blogeintrag zu verfassen. Die Zeit sollte ja jetzt dazu da sein 😉

Bis dahin hier unsortiert ein paar der Perlen aus dem Wust der vielen Seiten zum polyphasischen Schlaf, die ich lesenswert finde:

  • puredoxyk.com Es hat unglaublich lange gedauert, bis ich die Urquelle des Uberman und gefunden hatte, die praktischer Weise auch diejenige des Everyman ist. Erwartet hatte ich eigentlich eine ähnliche Person wie Buckminster Fuller zu finden, irgend eine historische oder wissenschaftliche Person, die in einem Fachartikel erklärt, wie der Schlaf funktioniert; das die Person selbst aber auch eine Bloggerin ist, macht das ganze sehr viel angenehmer. Eine der wenigen wirklich polyphasischen Schläfer mit Langzeiterfahrung, es lohnt sich also. Auch sollte man sich die Ursprünglichen Artikel mit denen sie den Uberman und den Everyman bekannt gemacht hat, nicht entgehen lassen.
  • stevepavlina.com Eine weitere Uberman Schläfer, Steve Pavlina, der sehr lange (5,5 Monate) ausgehalten hat, in dieser Zeit sehr ausführlich bloggt, und sich auch heute noch (er hat 2006 damit aufgehört) ab und zu mal zum Thema äußert, um Langzeiteffekte, die er an sich beobachtet zu teilen. Lesenswert!
  • seraph-personalevolution.blogspot.de Endlich ein Blog auf Deutsch! Der Blogger Lino ist nach eigenen Angaben zunächst für 5 Monate Uberman Schläfer gewesen, welches er abbrechen musste. Danach hat er sich im Everyman probiert, diesen allerdings nicht über 26 Tage durchgehalten. Trotzdem hat er ein wenig was an Material zusammen getragen.
  • http://polyphasic-sleep.blogspot.de Ein weiterer Blog auf Deutsch, den ich lesenswert finde. Jochen Heizmann startete im November 2005, und beendete es aber schon im Januar 2006 wieder. Trotzdem hat er in dieser Zeit einiges interessantes zusammengetragen.
  • http://projectuberman.wordpress.com Hier haben sich zwei Informatik-Studenten der Universität Leipzig zusammen gefunden, und berichten über ihre Erfahrungen mit dem Uberman-Schlaf, für welchen sie einen aufwendigen Blog ins Leben gerufen haben. Interessant ist, dass sich auch ein Somnologe über diesen Blog gemeldet hat, und die Studenten wohl auch ein wenig medizinisch begleitet hat. Leider ist auch hier nicht mehr viel los, aber der Blog ist durchaus lesenswert.
  • Claudio Stampi: Why We Nap Das Buch ist “out of print”, wie es so schön heißt. Allerdings gibt es eine E-Book-Fassung, die wohl völlig legal herunter geladen werden kann, wenn man sich auf sleepwarrior registriert. Man bekommt dort dann wohl gelegentlich Updates per Mail. Wer das nicht möchte, kann aber auch Google benutzen, und mit dem Titel auch den direkten Link finden.
  • Documentation: Polyphasic sleep study Wem das Buch zu lang ist, der kann sich auch eine 10-minütige Dokumentation um das Experiment von Claudio Stampi angucken.
  • Party-Blog München Das klingt zunächst einmal komisch, aber der Party-Blog-München, bzw. genauer: Drei der Party-Blogger, Felix, Chris und Niklas, haben sich scheinbar zusammen in einer Wohnung eingerichtet, um zu dritt das “Polyphasenschlaf-Experiment” zu starten. Dabei, und das macht den Blog so angenehm!, bloggen sie nicht nur, sondern nehmen das ganze auch gleich auf Video auf. Vlogs zum Thema polyphasischen Schlaf finde ich besonders interessant, denn man kann, wie ich finde, endlose Beschreibungen über Schlafentzugserscheinungen lesen, ohne dass es eine Reaktion auslöst… oder man sieht eine Person für nur ein paar Sekunden, und denkt sich “Oh Gott, sieht der müde aus, das tut mir so leid”…
  • Aeias Polyphasic Sleeping Blog Wie gesagt, Vlogs zum Thema polyphasischen Schlaf find ich super. Leider findet sich kaum ein Log, in dem die Leute ernsthaft das Projekt durchziehen. Viele Vlogs starten mit viel Elan, dann sieht man, wie es den Personen innerhalb einer Woche immer schlechter geht, und dann wird das Projekt abgebrochen. Anders bei Aeia: Sie hält ganze 10 Monate durch, und in dieser Zeit fertigt sie 21 Videos an. Auch wenn ich persönlich sie manchmal ein wenig anstrengend finde (und ich fürchte, dass ich mit solch einer Person nie im Leben zurecht kommen würde), so ist es doch eines der ausführlichsten Vlogs, die ich gefunden habe, und manchmal ist es sogar ziemlich lustig; definitiv aber sehr interessant. Schade, dass sie wegen so etwas banalem wie 8kg zugenommen mit dem polyphasischem Schlafen aufgehört hat.
  • http://trypolyphasic.com Die letzte Seite, die ich hier erwähnen möchte, habe ich zwar selbst noch nicht sonderlich intensiv genutzt, aber ich denke, dass es für polyphasische Schläfer bestimmt eine tolle Seite ist. Es handelt sich nämlich um ein Portal, das vom Funktionsumfang relativ klein und überschaubar ist; meines Wissens ist es aber das einzige Portal, dass sich komplett dem Mehrphasenschlaf verschrieben hat. Die erste Funktionalität ist ein Feed-Aggregator für Blogeinträge von polyphasischen Schläfern. Dann wird ein kleines Forum angeboten, in dem sich die Schläfer austauschen können – mit 4.000 Benutzern und 10.000 Posts auf 1.337 Threads (jupp, zu dem Zeitpunkt als ich geschaut habe!) findet man dort sicherlich einige Infos und Gleichgesinnte. Die dritte Funktionalität ist ein Wecker in dem man seinen kompletten Zeitplan eingeben kann (keine Ahnung wie der genau funktioniert – wie gesagt, habe ich die Seite selbst noch nicht ausgetestet), und die vierte Funktionalität – ein nettes Gimmik – ist eine Weltkarte auf der die Schläfer eingezeichnet sind, mit einer Farbcodierung: Man kann zwischen den Status “In der Vorbereitung”, “Bei der Anpassung”, “Everyman” und “Uberman” wählen. Meine nächsten Schläfer finden sich natürlich mal wieder in Hamburg – insgesamt ist die Deutsche Karte aber relativ leer. Nur im Ruhrpott scheint es ein Ballungszentrum für polyphaische Schläfer. Neben dem Ballungszentrum für die Schwarze Szene also noch ein Grund mehr, endlich mal in den Ruhrpott zu ziehen 😀

5 thoughts on “Ich bin ab jetzt polyphasisch!

  1. Pingback: Blog-Steckbrief: Wer seid ihr? | ~ PygoscelisPapua ~

  2. Ich habe mir deinen ganzen Artikel durchgelesen und finde es fantastisch, mit wieviel Liebe und Aufwand das alles zusammen getragen und geschrieben wurde. Ich kann nur sagen: Hut ab – und vielen Dank für all diese neuen Informationen 🙂

  3. Super Artikel, der ausführlichste zu diesem Thema wie ich finde. Ist ja nun schon ein paar Jährchen her, hast du mittlerweile neue Erfahrungen mit oben genannten Schlafmustern machen können die du mit uns teilen willst? 🙂

  4. Ich finde deinen Artikel sehr interessant. Ich habe mich mit diesem Thema jetzt ungefähr 5 Stunden beschäftigt, allerdings kann ich es selbst noch nicht umsetzen, da ich erst 16 bin. Ich würde es wohl im Studium ausprobieren, da ich mir dort die Zeit wohl am besten einteilen kann. Ich weiß, dieser Eintrag ist schon 2,5 Jahre her, aber da du dir so viel Mühe gegeben hast, diesen Beitrag zu verfassen und ich vielleicht erst der zweite Mensch bin, der diesen Beitrag bis zum Ende durchgelesen hat, möchte ich mich bei dir bedanken 😉

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