Mensa-Geschichten: “Hat Dein T-Shirt eigentlich eine Bedeutung?”


Logo unserer Mensa Eine Kommilitonin (ja, eine Kommilitonin ist also auch dann eine, wenn man nicht das gleiche studiert, wie ich jetzt dank Wikipedia weiß) und ich hatten mal die Idee, einen Blog zu führen, den wir “Mensa-Geschichten” nennen wollten. Aufgrund der unglaublichen Lebens- und Liebesgeschichten einer bestimmten weiteren Kommilitonen, die diese in unserer Mensa zum besten gab, kam die Idee auf, die lustigsten Geschichten und Gespräche, die man so in der Mensa aufschnappt zu sammeln, und für die Ewigkeit und allen zugänglich zu präservieren. Quasi Gossip Girl für die Uni Kiel. Die Idee ist leider, wie so viele, wieder im Sande verlaufen. Nun ist mir aber vorgestern in der Mensa etwas merkwürdiges passiert, und so bin ich nun auf die Idee gekommen, hier in meinem Blog eine neue Kategorie, “Mensa Geschichten” zu eröffnen – also meine kleine Gossip-Girl-Ecke bei pygospa. Mal gucken, was hier noch so zusammenkommt 😉

Nun aber die kleine lustige Geschichte, die mir passiert ist, oder, um es mit Kirsten Bells berühmten Opener zu sagen: Good morning Upper East Side Middle West Side, pygospa here. Your one and only source to the scandalous world of Manhattan‘s elite Kiel‘s students 😀

Ich sitze also in der Mensa, dort wurden die Tische verstellt, so dass man jetzt in 8er Gruppen sitzt (jeweils zwei Zweiertische sind seit den Sommersemesterferien zu Quadraten zusammengestellt). Am Nebentisch sitzen ein paar Herren, in den 30-40ger Jahren, wobei einer von diesen ab und zu in unserer Richtung sah. Nun sitze ich also an meinem Tisch und unterhalte mich mit einem Kommilitonen angeregt über das RSA Verschlüsselungsverfahren, und warum es so wichtig ist. Logo unserer Mensa Plötzlich steht der Mann vom Nebentisch auf, kommt zu uns und fragt, ob er kurz unterbrechen dürfe. Ich habe das ganze nicht mitbekommen, da ich gerade etwas aus einem Skript zitierte – als ich aufblickte, war da also plötzlich der Kopf des Herren, der zwischen mir und meinen Kommilitonen kniete. Irritiert sage ich “Ja”, und frage mich, was wohl als nächstes folgt – fragen zur Mathematik oder Informatik? Oder gar irgend eine Umfrage, oder ähnliches? Eine studentische oder politische Hochschulgruppe vielleicht, für die Werbung gemacht wird? Er dreht sich nach meiner Antwort komplett zu mir, und fragt als “Du hast da ein interessantes T-Shirt. Hat das eigentlich eine Bedeutung?”. Ich bin erst einmal baff und muss an mir herunter sehen. Ich trage mein Hacker-Shirt.

Zu diesem T-Shirt muss ich folgendes sagen: Ich erzähle gerne die Geschichte zu meinem Weg zu diesem T-Shirt, weil sie so unglaublich ist, dass es eigentlich unfassbar ist. Grund ist der liebe Herr Dietmar Seifert. Der Herr Seifert war “Lehrer” im Fach “Rechnerkommunikation” an der Nordakademie, und hatte weder von Rechnern noch von Netzwerken noch von Didaktik auch nur annähernd eine Ahnung – wie überaus nützlich und passend, wenn man bedenkt, dass er uns Netzwerke beibringen sollte. Nun war es so, dass ich mich sehr viel und gerne mit Netzwerken auseinander gesetzt hatte, sowohl privat als auch in meinem Unternehmen (dort hatten wir beispielsweise gerade auf Spanning Tree umgestellt und ich fand es immer außerordentlich spannend mit von dem Netzwerkteam erklären zu lassen, was das ist und wie es funktioniert – generell hab ich eine unglaubliche Menge von unseren Netzwerkern gelernt!). So war mir schon in der ersten Unterrichtsstunde klar: Dieser Mensch hat von Tuten und Blasen keine Ahnung. Nachdem er es während seiner Vorstellung zunächst mit seinem Windows nicht hinbekommen hatte, eine einfache WLAN-Verbindung herzustellen (O-Ton von ihm: Die bei Microsoft ändern das ja irgendwie immer alles nach jedem Update) und erst ein Student ihm dabei helfen musste (das klappte dann unterhalb von einer Minute – zuvor hat er selbst eine viertel Stunde vergeblich herumprobiert), erzählte er uns von seinen Erfahrungen aus der Unternehmenswelt. Er erzählte uns dabei unter anderem, dass es sinnvoll sei, so viele Firewalls wie möglich zu nutzen – er selbst würde drei (in Ziffern: 3) bei sich zu Hause haben, und das würde er auch jedem empfehlen: eine Desktop-Firewall, eine in seinem Router, und dann noch eine dedizierte, die er sich extra gekauft hatte (man muss dazu sagen, dass ich die Meinung vertrete, dass man sogar komplett ohne Firewall auskommt, und das Firewalls sogar eventuell kontraproduktiv sind!). Sonst nämlich, so seine Begründung, würden die bösen Hacker kommen. Ja, die bösen Hacker. Von diesen erzählte er gerne und besonders ausführlich – eine Spezies Mensch, oder, seiner Auffassung nach wahrscheinlich doch eher übernatürliche Wesen, welche es schaffte, immer und überall in Rechner einzudringen – selbst wenn diese nicht ans Netzwerk angeschlossen und im ausgeschalteten Zustand waren. Nun, dem geneigten Hacker mag diese Beschreibung sicherlich schmeicheln – was aber sagt einem das über einen Menschen, der Rechnerkommunikation als sein Fachgebiet hat, und dieses in einer Hochschule unterrichten solle? Ganz zu schweigen davon, dass er den Begriff Hacker absolut nicht verstanden hatte – seiner Auffassung nach waren das alles geld- und machtgierige Kriminelle und Terroristen… ein weiteres Armutszeugnis also für diese Fachhochschule (der Knaller war übrigens, dass er sich nebenbei privat wohl mit Aktien beschäftigte – eines Tages war er total verwundert, warum die Apple-Aktie so zugelegt hatte und erzählte uns, dass der Markt ja unberechenbar und mysteriös sei – bis ihn ein Student unterbrach, und sagte, dass das iPhone gestern von Steve Jobs vorgestellt wurde und ab jetzt zu kaufen sei… “Aha. Und Apple hat jetzt ein richtiges Handy rausgebracht? Aha. Das ist ja interessant”… gegen Ende erzählte er uns dann, dass er gerade ein Buch über Wirtschaft lese und plane, demnächst auch Vorlesungen in BWL für Wirtschaftsinformatiker zu halten)!

Und so kam der Zeitpunkt ziemlich schnell, da war ich es einfach nur noch leid, da zu sitzen, seinen wahnwitzigen und haarsträubenden Geschichten zu lauschen, während er gefühlte 1.200 Bilder, die er allesamt aus dem Internet geklaut hatte, an die Wand warf, und sich dann einen Abbrach anhand dieser Bilder das ISO OSI-Modell zu erklären (mehr haben wir in Rechnerkommunikation übrigens auch nicht gemacht – Subnetz-Berechnung und ISO OSI Modell – für ein halbes Jahr Netzwerke) … und immer wieder “die Hacker!”. Und so kaufte ich mir ein T-Shirt, mit dem ich auch so schon länger geliebäugelt hatte – besagtes Hacker-Shirt, dass ich auch vorgestern in der Mensa trug – um es mit besonderem Stolz und herausgestreckter Brust in seinen Stunden zu tragen.

Nun muss ich dazu sagen, dass mir natürlich die Hackerszene kein Fremdwort ist (am besten nähert man sich dem Begriff über die exzellenten Texte von esr an, besonders mit A Brief History of Hackerdom und How to Become a Hacker, zweiten Text gibt es auch in einer deutschen Übersetzung), und ich, seitdem ich Internet habe, mich dieser verbunden fühle. Es fing mit der suche nach ein paar Ressourcen zum Programmieren an – irgendwie gelangte ich zur GHCIF (die Plattform existiert nicht mehr, aber unter der URL ist jetzt ein privater Blog eines der Initiatoren der alten Plattform) und auf das BuHa-Board, das damals noch Buschhacker hieß und im elitären grün-auf-schwarz kultige HackIts anbot, an denen sich herangehende Cracker und Skiddies in ihren HTML und JavaScript-Fähigkeiten Bestätigung holen konnten. Aber ich gelangte auch an The Mentors berühmtes Hacker’s Manifesto welches auf irgendeiner der zahlreichen Hompages eines der vielen Hacker abgedruckt war und mich, wie so viele vor mir, berührte; an die Phrack, welche ich zwar immer las, aber nie so ganz verstand, und über den CCC, welcher mich mit diesem tollen Text auch zu Linux und dem KernelKompilierung brachte, auch an die Hackerethik – und natürlich auch an die Texte von ers. Ja, dazu fühlte ich mich verbunden, hier gehörte ich hin…

Ich habe mir das T-Shirt also nicht nur aus rein provokativen Gründen gekauft – die Provokation war nur der finale Auslöser für den Kauf. Und so trage ich dieses T-Shirt auch heute noch gerne offen in der Stadt (in Husum sorgte das immer für wunderbar entrüstete Blicke von den, meist älteren, Passanten) oder eben auch in der Mensa. Nur, wie antwortet man einem Menschen der einen auf das Shirt anspricht und fragt, ob es eine Bedeutung hätte? Was wollte dieser fremde Mann, der sich noch nicht einmal vorgestellt hatte, und dessen Absichten mir immer noch verbargen, hören? Nunja – wenn man in einem Chatsystem wie dem IRC eine “Ja-Nein-Frage” stellt bekommt man in der Regel genau das als Antwort. Daher quittierte auch ich die Frage mit einem unsicherem Lachen und einem gestammeltem “Ähm… Jaha?!”

Was nun folgt, kennt man eigentlich nur aus den Staaten und Filmen. Es gibt ja einen Grund, warum sich Softwareunternehmen gradezu um elite-Universitäten ballen – Zentrum des Silicon Vallley ist ja beispielsweise, wie schon erwähnt, die Stanford University. Headhunter also auf dem Kieler Campus? Es scheint so. Der Herr jedenfalls und seine Kollegen waren allesamt Mitarbeiter einer lokalen IT-Security-Firma, und gerade akut auf der Suche nach einem Entwickler und würden mich gerne kennen lernen. Auf meine primäre Ablehnung lies sich der Mensch dabei nicht ein – ich solle doch einfach einmal vorbeikommen. Schade – noch vor 2 Wochen hätte ich dem wahrscheinlich sofort zugestimmt. Nun aber habe ich eine Anstellung an der Universität – das was ich mir so sehnlich gewünscht hatte – und zumindest im nächsten Semester würde ich eine zweite Anstellung auch nirgends unter bekommen. Dennoch, entweder mein T-Shirt, oder meine Ausstrahlung und mein Auftreten – wahrscheinlich wohl aber das von ihm belauschte Gespräch über RSA, gepaart mit der Tatsache, dass wir in den Sommersemesterferien in der Mensa sitzen und lernten, machten den Herren ein wenig hartnäckig, und erst meine Frage nach einer Visitenkarte auf die ich mich melden würde, ließ ihn dann von mir ab. Natürlich gab er sie mir nicht, ohne mir vorher auch noch seine direkte Durchwahl durchzugeben.

Eine Googlesuche ergab, dass es sich bei dem Unternehmen tatsächlich um ein scheinbar sehr junges und sehr lockeres Unternehmen handelt, das sehr Studenten- und Hackerfreundlich zu sein scheint. Wer also tatsächlich etwas in dieser Richtung sucht, und zu der Gruppe Menschen gehört, die ich auch ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen würde, der kann sich gerne bei mir für die Kontaktdaten melden 😉

Nun denn, das war meine kleine, kurze Geschichte. Bleibt, für den Gossip-Teil also nurnoch der typische Closer (der ja bei der Serie Gossip-Girl der eigentliche Opener in den Anfangs-Credits ist):

And who am I? That’s a secret I’ll never tell!
You know you love me!
Xoxo,
Gossip Pygo

😉

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