Khan Academy


Logo der Khan Academy Im Zuge der Vorbereitungen für die AI- und ML-Kurse (siehe hier, hier und hier) ist auch der Name “Khan Academy” regelmäßig gefallen. Ich hab (wie wahrscheinlich viele Deutsche) noch nie von der Khan Academy gehört, und daher mal danach im Internet gesucht und mich ein wenig eingelesen. Und ich muss sagen, ich bin ziemlich begeistert.

Wer beispielsweise mathe-online.at kennt und glücklich war, dort mal etwas nachschlagen zu können, dass man im vorangeschrittenem Alter niemanden mehr fragen mag, wird die Khan Academy wahrscheinlich lieben.

Über Sal Khan und die Khan Academy

Salman ‘Sal’ Khan ist ein amerikanischer “Educator” mit Wurzeln aus Bangladesch. Vor der Gründung der Khan Academy hat Khan insgesamt vier Hochschulabschlüsse erlangt: drei davon, B.Sc. Mathematik, B.Sc. Elektrotechnik und Informatik, M.Sc. Elektrotechnik und Informatik am MIT, sowie einen MBA an der Harvard Business School. In späteren Interviews gibt Khan zu, schon zu dieser Zeit oft sehr enttäuscht und frustriert über die Lehrweisen und die Literatur gewesen zu sein. Er gibt auch zu, ein Zahlen und Statistik-Mensch zu sein – etwas das ihn zu den Hedgefonds brachte. Als Analyst für Hedgefonds erhoffte sich Khan, tiefe Einblicke in die Funktionsweise der modernen Welt zu bekommen und etwas Gutes zu tun.

Die Grundsteine für die Khan Academy wurden durch seine Cousine gesetzt. Da diese Probleme in Mathematik hatte – in dem speziellen Fall Einheiten umzurechnen – brachte er ihr bei, wie das geht. Da sie von ihm besser lernte, als von den Lehrern an der Schule, wurde er schnell zu ihrem Nachhilfelehrer. Aus dem Zwang heraus, dass Khan als Hedgefond-Analyst wenig Zeit hatte und sie viel zu weit weg wohnten um sich nebenbei regelmäßig mit seiner Cousine zu treffen, wurde das ganze zunächst auf Yahoo! Doodle durchgeführt. Da die Cousine durch Khan immer besser wurde, wurden auch die Eltern von Familie und Freunden der Cousine aufmerksam und hegten den Wunsch, ihr Kind ebenfalls von Khan unterrichten zu lassen.

Khan selbst war als Informatiker zunächst primär daran interessiert, eine Software zu schreiben, mit der die Leute üben konnten – er war es leid, immer wieder verschiedene Applets im Internet zu suchen und darauf zu verweisen. Also schrieb er ein JavaScript Programm, welches automatisiert zufällige Aufgaben erstellte. Nach und nach stieg der Bedarf und der Wunsch, das ganze auch kontrollieren zu können, und so entstand ein Baum von unterschiedlichen Aufgaben, die aufeinander aufbauen. Um nicht alles neu erklären zu müssen, fertigte er nebenbei Videos an, die er seinen Schülern zur Verfügung stellte.

Erst nachdem ein Kommilitone ihn auf die Idee brachte, diese auch auf YouTube hoch zuladen fing Khan dann an, neben seinem Beruf nach und nach Videos von den Sachen zu Produzieren, die er interessant und Spaßig fand – angefangen bei “Pre-Algebra” hin zur “Algebra” über “Analysis” bis zur “Linearen Algebra“. Mittlerweile ist die Mathematik schon so weit abgedeckt, dass Khan auch andere Bereiche abdeckt, wie Chemie oder Geschichte.

Es waren die vielen Zuschriften, die Khan in seiner Arbeit bestätigten. Er selbst versuchte, anderen Leuten die Sachen so beizubringen, wie er es gerne beigebracht bekommen hätte. Dabei sind viele Eigenarten, die sich mittlerweile als positive Neuerungen bei Khan herausgestellt haben, auch nur zufällig entstanden. So ist die Kürze der Videos darauf zurück zu führen, das YouTube eine Beschränkung von 10 Minuten hatte. Auch das Khan nie in den Videos zu sehen ist der Tatsache geschuldet, dass er einfach keine Videokamera hatte.

Es sind diese “Zufälle” zusammen mit dem Wunsch, sinnvolles Unterrichten zu betreiben, und dies öffentlich der gesamten Welt zugänglich zu machen um die Welt zu verbessern, die dafür gesorgt haben, das Khan eine wirklich populäre und erfolgreiche Plattform schaffen konnte – eine die weltweit die meisten Klicks und Views produziert. Längst ist dem anfänglichen YouTube Channel eine große Seite geworden, auf der mittlerweile über 2.500 Videos und über 160 Übungen zu finden sind. Auch die Medien sind auf Khan aufmerksam geworden, genau so wie prominente Persönlichkeiten, wie etwa Bill Gates, der behauptet, dass er seine Kinder mit Khan Academy unterrichten.

Wegen der vielen Zuschriften, die Khan bekam, und in denen sich Benutzer bedankten, da sie endlich Sachen verstanden, die sie vorher nicht erfassen konnten (vor allem in Mathematik), hat Khan sich vor fast zwei Jahren entschieden, seinen Job an den Nagel zu hängen, und Khan Academy hauptberuflich und ehrenamtlich als Non-Profit Seite zu betreiben. Unterstützt wird er dabei lediglich von Spenden, die größten kamen von Google und der Bill & Melinda Gates Foundation. Auf der Seite von Khan Academy ist ist ein Counter der angibt, dass mittlerweile 74.194.350 Lessons “delivered” wurden, also angeguckt wurden.

Die Seite

Was genau ist Khan Academy? Nun, wenn man auf die Seite geht, kann man sich verschiedene Videos aus insgesamt 2.500 Videos aussuchen, um sich mit Themen zu beschäftigen, zu denen man mehr wissen möchte. Markenzeichen von Khan ist, dass man direkt in das Problem eingeführt wird und an einem Beispiel gezeigt wird, wie es funktioniert. Die Videos sind eine schwarze Fläche (ein Blackboard) auf denen mit verschiedenen Farben das Problem dargestellt wird. Khan selbst ist die Stimme aus dem Off.

Khan Academy ist aber mehr als das. Neben den Videos und den schon erwähnten 160 Aufgaben gibt es, wenn man sich einloggt (zur Zeit leider nur über einen Google oder Facebook-Account möglich), kann man Punkte, sogenannte “Energy Points”, erreichen. Diese geben Aufschluss darüber, wie viel Zeit man investiert hat, um sich mit Videos oder Aufgaben zu beschäftigen und was man erreicht hat. Man kann sie mit den Experience Points aus Computerspielen vergleichen. Daneben gibt es auch Badges, welche man erreicht, wenn man bestimmte Ziele erreicht (beispielsweise insgesamt 1 Stunde an Videos geguckt hat, etc.). Einige dieser Badges wirken sich auch auf die Energy Points aus. All diese Gadgets sollen dem Lernen auch eine Wettkampfkomponente und ein “am Ball bleiben” geben. Die Statistiken bieten den Abschluss – mit ihnen kann man nachvollziehen wo man wie gut war, was man sich näher angucken sollte, etc.

In einigen Interviews erwähnte Khan, dass er noch sehr viele weitere Themen abdecken möchte. Neben der Mathematik, die nun sehr umfassend behandelt wurde, sind einige Wissenschaften (Biologie, Chemie, Physik, Astronomie und Informatik) dazu gekommen. Auch seinem zweiten Fachgebiet, Finanzen, wurden einige Handvoll Videos gewidmet. Aktuell kommen Videos zum Thema Geschichte hinzu, und in Zukunft soll auch noch Englisch oder Englische Grammatik dazukommen. Softwaretechnisch sollen einige Automatisierungen hinzukommen. Soll heißen, die Software soll antizipieren, wo ein Benutzer Lücken und Schwächen hat, und dann gezielt auf die entsprechenden Ressourcen hinweisen. Über lange Sicht ist auch geplant, eine soziale Komponente hinzu zu fügen. So soll die Software Leute Vermitteln, die gegenseitig voneinander lernen können. Dabei analysiert die Software die stärken und schwächen und bietet dann die Möglichkeit auf der Plattform Videochats auszuführen, etc.

Rezeption

Khan ist mittlerweile sehr angesehen auf dem Gebiet der modernen Lehre, denn das Phänomen “Khan Academy” lässt sich nicht mehr leugnen oder schön reden. So ist laut YouTube die “Khan Academy” die am meisten gesehen Ressource und schlägt auch alle kostenlosen online Lehrangebote renommierter Universitäten, die es bei YouTube zu sehen gibt, um längen. Und so wird Khan längst überall zu Vorträgen über sein Portal und vor allem seine Erfahrungen und Kenntnisse eingeladen. Zwei “Talks” die ich sehr interessant fand sind folgende (zwar ein wenig länger aber lohnenswert!)

1) Hier spricht Khan vor dem MIT Club of Northern California, eines selbständigen Alumni-Club des MITs. Interessant ist, wer im Publikum sitzt. Leute die sich für die Online-Vorlesung “Machine Learning” an der Stanford University eingeschrieben haben, und scharf hinsehen, werden unter den hörenden unter anderem auch Andrew Ng, den Dozenten dieser Veranstaltung, sitzen sehen. Es ist also interessant zu sehen, ob und wenn ja, was Ng aus den Erkenntnissen von Khan auch für seine eigene Online Vorlesung nutzen wird.

2) Hier spricht Khan vor der Castilleja School einer Mädchen-Highschool in Palo Alto. Interessant ist dieser Talk vor allem, weil er hier ein wenig persönlicher wird, erklärt, wie es zu der Idee kam, was seine Motivation ist, was er sich für die Zukunft vorstellt, und auch wie jeder von uns mit den heutigen Mitteln dazu beitragen kann, ein wenig was dazu beizutragen, dass dieser Planet ein wenig besser wird, denn seiner Meinung nach hat heute jeder mit einfachen Mitteln und dem Internet die Möglichkeit, seinen kleinen Beitrag zu leisten – ob nun, indem er ebenfalls Videos produziert, um anderen etwas beizubringen, oder aber indem er oder sie eigene Ideen verwirklicht.

Advertisements

3 thoughts on “Khan Academy

    • Oh ja. Die Seite ist völlig unabhängig von den online Vorlesungen total cool. Ich hab mir schon ein paar Videos angeguckt, und bin echt begeistert. Ob nun zum Nachholen von Schulmathematik *tüdelüh* oder aber um was komplett neues zu lernen.

  1. Pingback: The future of studying « ~ PygoscelisPapua ~

Please comment. I really enjoy your thoughts!

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s