Ich studiere kommendes Semester an der Stanford University!


Siegel der 'Leland Stanford Junior University' - man beachte das Deutsche Motto, dass die Universität hat Mit diesem Satz hab ich erst einmal ein paar Freunde über studiVZ und facebook geschockt (sorry dafür 😉 ). Wie es dazu kommt, und warum und wie ich kommendes Semester an der Stanford University studieren werde, was ich mir davon erhoffe, und wie ihr das auch ganz einfach könnt, das möchte ich euch hier kurz schildern 😉

Bitte lest euch den Eintrag durch, besonders wenn ihr Informatikstudenten mit Interessen an künstlicher Intelligenz seid. Ich würde mich nämlich freuen, wenn ich noch ein paar Leute hiervon überzeugen könnte, sodass wir die Sache auch eventuell gemeinsam angehen können.

Wer amerikanische Serien kennt, weiß wie schwer es ist in den Staaten an einer Universität aufgenommen zu werden, die einen guten Ruf hat und wie wichtig es auch ist an eine dieser Universitäten aufgenommen zu werden, wenn man denn Studieren möchte. Deshalb spielt das Thema Universität schon im Teenager-Alter, ab ca. 16 Jahren eine wichtige Rolle (wer sich nicht vorstellen kann wie wichtig dies für manche Teenager in den USA sein kann, dem leg ich beispielsweise die ersten zwei Staffeln der Serie Gossip Girl nahe).
Dabei spielt nicht allein der Abschluss der High School, das sogenannte High School Diploma, vergleichbar mit dem Abitur (auch wenn es in Deutschland nur in Abhängigkeit von der Note tatsächlich als Abitur anerkannt wird – in der Regel gilt es wegen dem generell schlechterem Primär/Sekundärschulsystem der USA in Deutschland nur als Realschulabschluss), eine Rolle. Natürlich muss dieser exzellent sein, oft muss man Notentechnisch zu den oberen 10% seines Jahrgangs gehören. Zusätzlich muss man aber auch Studierfähigkeitstests wie die SATs oder aber die ACTs ablegen, zu denen die Schüler sich privat neben dem normalen Schulunterricht vorbereiten. Da hiermit jedoch nur Wissen und nicht auch das Sozialverhalten abgefragt werden, muss mindestens ein “Letter of Recommendation” dazu – oft mehrere. Und je nachdem, wie prestigeträchtig die Universität ist, müssen auch “Letters of Recommendations” von Praktikas dazu (merke, ein Letter of Recommendation ist ein Empfehlungsschreiben einer möglichst angesehenen Person – einem Lehrer, Schulleiter, Professor, Geschäftsführer oder Abteilungsleiter, etc. welches von dieser Person komplett freiwillig geschrieben wird; man kann es nicht einklagen, oder eine Verbesserung fordern – wir reden hier nicht von Praktikums-Bescheinigungen oder Arbeitszeugnissen wie es in Deutschland üblich ist). Und ganz nebenbei soll man auch noch sportlich Spitzenleistungen erbringen, damit man sich in einen der Hochschulmannschaften gegen die anderen Hochschulen behaupten kann (siehe bspw. die Ivy League oder die Pac-12). Die letzte und größte Hürde an der die meisten scheitern, bleibt schlussendlich die Finanzielle – wer kein Stipendium bekommt, hat in der Regel keine Chance (siehe bspw. diesen Spiegel Online Artikel).

Die Stanford University, bzw. vollständig Leland Stanford Junior University, benannt nach dem Toten Sohn von Jane und Leland Stanford, den Gründern der Universität, gehört zu einem der bekanntesten und prestigereichsten Universitäten in den Vereinigten Staaten. Und wie ich heute erfahren musste, nicht nur dort – in verschiedenen Rankings belegt die Universität Plätze zwischen 3 und 13, bei dem interessantesten, da nicht aus den Vereinigten Staaten, dem ARWU stand sie letztes Jahr sogar auf Platz 2. Nun weiß ich durch eigene Erfahrung an der Nordakademie, das auf Rankings nicht viel zu geben ist – waren wir doch regelmäßig im CHE-Ranking auf Platz 1 (man beachte die Kritik, die mir auch erst heute bekannt geworden ist).

1 Milliarde in 100-Dollar Noten würden 10 Paletten füllen

Zur Vorstellung von 17 Milliarden: 1 Milliarde in der größten US Banknote (USD 100$) würde 10 Paletten fast Mannshoch füllen.

(Entnommen aus: Alles Schall und Rauch)

Aber auch abseits der Rankings sprechen die Fakten für Stanford. So gilt sie mit einem Stiftungsvermögen von USD 17.000.000.000$ (in Worten 17 Milliarden, d.h. 17 Tausend Millionen) als eine der reichsten Universitäten der Welt, und hat unter anderem einige Größen an Absolventen hervorgebracht, die direkt an der Universität in Palo Alto dem Herzen des Silicon Valley ansässig wurden:

Und das ist nur eine kurze Auswahl und beschränkt auf die IT.

Wäre es nicht großartig, ebenfalls mal in solch einer Universität zu studieren? Und wenn es auch nur Probehalber ist? Das Stanford dabei ist, es mehr Studenten möglich zu machen, in Stanford zu studieren zeigte der schon verlinkte Spiegel-Artikel. Der ursprünglich deutsche Professor Sebastian Thrun und Wissenschaftler und Ph.D Peter Norvig gehen für das kommende Semester noch einen ganzen Schritt weiter, für ihre Vorlesung “Introduction to Artificial Intelligence“, in Stanford unter dem Vorlesungskürzel CS221 geführt. Eine detailierte Beschreibung findet sich auf der privaten Homepage von Sebastian Thrun. Aus dieser geht auch hervor, dass dieser Kurs nun erstmalig auch komplett online angeboten wird, und das komplett kostenlos, und für alle. Auf der extra dafür eingerichteten Seite ai-class.com wird dies noch mal genauer beschrieben.

Das ganze Läuft so ab, das vom 26. September bis zum 16. Dezember die Materialien der Vorlesung auch über das Internet zur Verfügung stehen, einschließlich der Vorlesungen – diese, insgesamt 20 Stück, dauern jeweils 75 Minuten und werden in 15 Minuten lange Videos zerlegt. Diese stehen ab Oktober, also für die Online-Studenten mit einer Woche Verzögerung zur Verfügung. Neben der Vorlesung wird es, wie für amerikanische Universitäten üblich ein vorlesungsbegleitendes “Course Book” geben, mit dem sich der Student im Selbststudium tiefer mit der Materie beschäftigen soll; Artificial Intelligence: A Modern Approach. Da oft das alleinige Konsumieren von Lehrmaterial nicht ausreicht und auch Diskussionsbedarf besteht, werden die beiden Dozenten auch für online-Diskussionen zur Verfügung stehen. Innerhalb dieser 10 Wochen wird es pro Woche “Quizes” geben, die gemacht werden können, allerdings nicht gemacht werden müssen – sie sollen helfen, den eigenen Wissensstand zu kontrollieren. Sehr wohl gemacht werden müssen jedoch die 8 Homework Assignments, die wöchentlich anfallen, denn sie gehen mit in die Bewertung ein. Man hat bis zu 6 Verspätungstage für die Einreichung über die Gesamte Veranstaltung – ist man darüber hinaus zu spät, oder reicht man eine Hausaufgabe nicht ein, dann gilt der Kurs als nicht bestanden. Neben den Hausaufgaben gibt es, wie in den Staaten üblich, zwei Prüfungen, nämlich zum einen den “Midterm Exam” kurz vor der “Thanksgiving break” und dann natürlich den “Final Exam“. Hat man alle diese Prüfungsleistungen erfolgreich hinter sich gebracht, dann wird man nach gleichem Standard wie die “offline” Studenten Stanfords bewertet und benotet. Zwar gibt es kein offizielles Stanford Zertifikat (dazu muss man an Stanford eingeschrieben sein), aber es gibt ein Course Certificate von den beiden Dozenten.

Ich persönlich finde das ganze hochspannend. Zwar muss ich noch ein paar Nächte darüber schlafen, ob ich denn nun wirklich daran teilnehmen werde, oder nicht. Immerhin hab ich mir für das nächste Semester schon einiges aufgehalst, und die zusätzliche Vorlesung käme mit einem Arbeitsaufwand von 10 Stunden pro Woche daher – somit läge ich (ohne Job!) schon bei einem Arbeitspensum von guten 60 Std/Woche. Auf der anderen Seite sehe ich diese Vorlesung als große Chance. Selbst wenn es kein “offizielles” Stanford-Papier gibt, so sind Sebastian Thrun und Peter Norvig auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz bekannte und angesehene Größen. Daneben würde es mich sehr reizen, einmal “richtig” an einer amerikanischen Vorlesung teil zu nehmen (und nicht nur passiv über iTunesU); denn auch wenn ich bekennender Weise nicht gerade der größte Amerika-Freund bin, haben mich die Universitäten dort schon immer fasziniert. Und Künstliche Intelligenz ist sowieso eines meiner Steckenpferde, und etwas, das ich für meine spätere Karriere in die engere Auswahl setzte. Und wer weiß, vielleicht lässt sich die Vorlesung sogar in irgend einer Weise für mein jetziges Studium anrechnen? Ein Kommilitone und ich wollen jedenfalls auch mal mit dem Prüfungsamt sprechen 🙂

Letztendlich werde mir diese Möglichkeit wahrscheinlich nicht entgehen lassen wollen – denn wer weiß, ob es davon auch eine Fortsetzung geben wird? Ich würde mich sehr freuen, wenn andere, ebenfalls von der Idee überzeugte Menschen sich mal bei mir melden würden. Denn gemeinsam studiert es sich bekanntlich leichter. Präferiert natürlich Kommilitonen – also ihr da draußen, die ihr alle heimlich meinen Blog lest und mich dann täglich in der Uni seht: Meldet euch mal bei Interesse 🙂

Aber gerne auch alle anderen, vielleicht kann man sich ja zu Onlinesitzungen über Jabber, oder Multi-Videokonferenzen über Google+ oder alternativen zusammenfinden? Ich würde mich freuen!

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7 thoughts on “Ich studiere kommendes Semester an der Stanford University!

  1. Habe mich auch angemeldet. finde das total super. Deutschland ist in solchen Dingen Jahrzehnte hinterher. Studiere “richtig” auch an der Open University in England, weil hier einfach die Strukturen zu altmodisch sind. Wer doof ist muss doof bleiben. Viel Spaß in Stanford 🙂

  2. Pingback: Stanford, die n-te « ~ PygoscelisPapua ~

  3. Pingback: The future of studying « ~ PygoscelisPapua ~

  4. Hey ich finds super,dass du in Standord studierst. Ich würde gerne später auch mal da studieren,davon träume ich schon seit ich 13 bin! 😀 Meine Frage ist: Wie hast du es geschafft aufgenommen zu werden? Zählt die Abiturnote und mit welchem Durchschnitt?
    Ich würde gern alles wissn darüber,damit ich vorbereitet bin.

    Ich danke dir für deine Antwort schonmal om voraus.

    Liebe Grüße

    • Hallo Laney,
      vielen Dank für Deinen Kommentar. Leider muss ich Dich wohl einen kleinen wenig enttäuschen, bzw. Dich bitten, meinen Artikel noch mal ein wenig aufmerksamer zu lesen. Quintessenz ist wohl dieser Satz:

      Das ganze Läuft so ab, das vom 26. September bis zum 16. Dezember die Materialien der Vorlesung auch über das Internet zur Verfügung stehen, einschließlich der Vorlesungen – diese, insgesamt 20 Stück, dauern jeweils 75 Minuten und werden in 15 Minuten lange Videos zerlegt.

      Ich habe also lediglich an der Online-Version der besagten zwei Vorlesungen teilgenommen, die von Stanford aus angeboten wurden. Folglich kann ich wenig über das Studium in Amerika erzählen.

      Was ich allerdings trotzdem weiß: Stanford gehört zu den Elite-Universitäten, und auf denen ist es schon als amerikanischer Student schwer, einen Platz zu bekommen. Die Abiturnote wird sicherlich auch eine wichtige Rolle spielen – in Amerika gibt es aber daneben auch die SATs, quasi ein Studierfähigkeitstest, der landesweit angeboten und von allen Unis, zuzüglich eines herausragenden Highschool-Abschluss gefordert wird. Auch damit ist es noch nicht genug: Je nach Universität braucht man zuzüglich mehrere Letters of Recommendations, dass heißt mehr als ein Lehrer muss Dich als herausragenden Schüler sehen und Dir einen Brief schreiben, der besagt, dass Du ein exzellenter Schüler bist; oaft auch jemand bei dem Du gearbeitet oder ein Praktikum gemacht hast. Und für ausländische Studierende gibt es dann noch den TOEFL-Test, der besagt, dass Du auch tatsächlich englisch sprechen kannst.

      Wenn Du als Schüler all diese Hürden genommen hast, bleibt trotzdem noch eine letzte: Studiengebühren. Auch diese sind in Stanford sehr hoch und sollten um und bei $50.000 USD/Jahr kosten. Hast Du das Geld nicht, musst Du Dich um ein sogenanntes Scholarship bewerben – eine Art Stipendium, die in den Staaten ebenfalls sehr begehrt und damit rar sind. Auch hier gilt wieder: Nur die besten der besten….
      Allerdings fangen die Elite-Universitäten so langsam an, Einkommensgrenzen einzuführen unter denen man keine Studiengebühren mehr zahlen muss.

      So, ich hoffe, das reicht Dir zunächst mal an Informationen. Ich weiß, das klingt alles sehr abschreckend und nach einem Ding der Unmöglichkeit. Wenn Du aber beharrlich dabei bleibst und Deinen Traum auch wirklich in Erfüllung gehen lassen möchtest, dann könnte das dennoch durchaus etwas werden. Ich drück Dir jedenfalls die Daumen, und hoffe, dass Du mir schreibst, solltest Du das mit Stanford geschafft haben. Ich spiele zur Zeit mit dem Gedanken, meinen Doktortitel in den USA zu machen, vorzugsweise in Stanford. also vielleicht sieht man sich dann ja 😉

      Liebe Grüße,
      ~pygospa~

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