Ach wär’ ich doch nur…


Als Anfang des Jahres bekannt wurde, dass das iPhone durchgehend Geodaten im Telefon per Zeitstempel speichert, damit Anwendungen darauf zugreifen können, die im Hintergrund laufen, und das diese ungünstiger weise auf dem Telefon gespeichert bleiben und bei einem Backup, das vor jeder Synchronisation mit iTunes angelegt wird, sogar auf dem Rechner übertragen wird, und damit ein Sicherheitsproblem entsteht – ja, da war das Geschrei mal wieder groß: iPhone User wurden groß und verallgemeinert beschimpft, die Panikmache in den Schlagzeilen war groß – “Apple weiß, wo Du bist” sprang mir z.B. am Kiosk von (ich glaube es war das Handelsblatt) Zeitschriften entgegen – ein Onlinebeispiel liefert Horrizont.net.

Schon 2010 wurde über das iPhone hergezogen, als Apple sich erlaubte, Geodaten an Dritte weiterzugeben. Dies Berechtigung dazu wurde von dem Benutzer über die iTunes Lizenzbestimmung abgenommen. Was oft verschwiegen wurde: Unter “Einstellungen > Ortungsdienste” (also mit zwei Klicks) wird detailliert angezeigt, welche Applikation Geodaten nutzt, und man kann Applikations-Individuell, oder sogar insgesamt ausschalten, dass geortet wird. Das dies Applikationen solche sind, die z.B. von geocaching.com Geocaches aufgrund der Position heraussuchen, oder aber die DB App, die vom aktuellen Standpunkt aus die nächste Verbindung heraussucht, oder DHL/Post-Dienst-Apps sind, die mir sagen wo der nächste Briefkasten oder die nächste Filiale sind – das wird von den Medien gerne verschwiegen. Gerne wurde der aktuelle Fall Anfang diesen Jahres mit der Geodaten-Weitergabe vermengt – das Sammeln der Bewegungsdaten in der Datei hat nichts mit dem Übermitteln von Positionsdaten an Dritte zu tun.

Diese Apps senden Geodaten an Dritte weiter...

Apple hat sogar eingeräumt, dass diese Daten auch zu Werbezwecken genutzt werden – hier aber stark anonymisiert werden. Weitere Informationen diesbezüglich finden sich wie immer auch bei der Wikipedia.

Nun kam heraus, das auch Microsoft’s Windows Phone 7 sehr rege und aktiv Daten ungefragt sammelt – wie es scheint in sehr viel detaillierter Auflösung als dies bei Apple der Fall war. Besser noch: Die Daten werden personalisiert an Microsoft weiter gegeben und jeder kann über die API von live.com scheinbar Bewegungsprofile einzelner Nutzer abfragen.

Nach der Apple-Geschichte und den medialen Auswirkungen möchte man meinen, das die Welle der Empörung diesmal ungeahnte Dimensionen annimmt – ist das Vergehen doch deutlich schlimmer und bezogen auf den Datenschutz um einiges kritischer. Aber die Blogs, die vorher so über das iPhone und dessen Nutzer hergezogen sind, bleiben leer – die Zeitungen an den Kiosken scheinen die Lücke nicht zu beachten. Uninteressant, also? Was ist so magisch an diesem kleinen weißen Apfel, das sich alle Welt den Mund darüber zerreißt, ob nun positiv, oder negativ?

In diesem Zug frage ich mich gerade, ob eigentlich Android-Nutzer wissen, dass auch Google, der größte Datenkrake überhaupt, sich das Recht heraus nimmt, auf GPS Daten zuzugreifen? Ob anonymisiert oder nicht, und zu welchem Zwecke – dazu schweigt sich Google natürlich aus:

Standortbezogene Daten – Google bietet standortbezogene Services wie Google Maps oder Latitude an. Wenn Sie diese Services nutzen, erhält Google möglicherweise Informationen zu Ihrem tatsächlichen Standort (beispielsweise von einem Mobilgerät übermittelte GPS-Signale) oder Informationen, über die Ihr ungefährer Standort ermittelt werden kann (z. B. die Zellen-ID).

(Quelle: Google Datenschutzbestimmungen (v. 03. Oct. 2010))

Ach wär’ ich doch nur ein böser gemeiner Mensch, ich würde mich jetzt hinsetzten und all die persönlichen Nachrichten, all die Tweets, all die Blog-Artikel heraussuchen, und mir – je nach Smartphone der Urheber, die passende Antwort heraussuchen und zurücksenden.

Aber ich bin weder gemein, noch möchte ich mich auf ein solches Niveau hinab begeben. Und bringen würde es sowieso nichts, denn wie sagt einer meiner Kommilitonen doch so gerne? Haters gona hate. Der gemeinsame, eingeschworene Feind ist Apple, und damit geraten die Vergehen anderer in den Hintergrund.

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