Gothic Friday – Januar: Wie bist Du in die Szene gekommen?


Unter einer Blogparade versteht man eine Art blog-übergreifendes Projekt, bei der ein Initiator zu Beiträgen für ein bestimmtes Thema aufruft.
Kennzeichnend ist, dass jeder, der freiwillig an einer solchen Aktion teilnimmt, einen Trackback auf den Initiator der Blogparade setzt. Nach einer abgelaufenen Frist greift der Initiator die “eingereichten” Artikel dann auf, bearbeitet sie auf eine gewisse Art und Weise (Zusammenfassen in einer Liste, Kommentieren, Vorstellen der besten Ideen, Vergeben von Prämien, Geschenken, Gutscheine, etc.). Weitere Informationen finden sich z.B. auf der Seite blog-parade.de

Das 'Gothic Friday' Logo Ein solches Projekt, das wohl auf sehr lange Zeit ausgelegt ist, ist der Gothic Friday den Spontis auf seinem Blog ins Leben gerufen hat. Die Idee: Jeden ersten Freitag im Monat wird ein neues Thema ausgerufen. Bis zum 3. Freitag im Monat hat man Zeit, seinen Beitrag zu dieser Frage zu verfassen, am 4. Freitag gibt es ein Resümee. Das große Oberthema um das sich alles drehen wird ist natürlich die Gothic-Subkultur, bzw. die Schwarze Szene.

Egal ob Du nun Waver, Batca­ver, EBM­ler, Gruf­tie, Schwarz­ro­man­ti­ker, End­zeit­ro­man­ti­ker, LAR­Per, Cyber, Mittelalter-Fan oder ein­fach ein Sym­pa­thi­sant  bist, beim Gothic Fri­day hast du Mög­lich­keit zu einem zen­tra­len Thema einen Arti­kel zu schrei­ben und dem Wort zu neuem Inhalt zu verhelfen.

Da ich mich in dieser Szene sehr wohl und gut aufgehoben fühle, werde auch ich versuchen mich bei dem ein oder anderen Thema zu beteiligen.

Thema des Januars also: “Wie bist Du in die Szene gekommen?” (Hier der entsprechende Artikel für den Januar).

Gothic?

Ich fange Mal damit an, zu definieren, was ich unter dem Begriff Gothic-Szene überhaupt verstehe. Auch wenn wir uns alle unter diesem Begriff versammeln und eine gewisse Zusammengehörigkeit spüren versteht doch jeder etwas anders und setzt andere Schwerpunkte und Akzente.

Für mich ist es primär eine Lebenseinstellung und eine Sichtweise, die in den Grundzügen daraus besteht, die Irrtümer und Grundprobleme unserer Gesellschaft aufzuzeigen und zu diskutieren. Die Grundhaltung ist durch diese Thematiken oft sehr düster, und das obwohl die Menschen dahinter oft sehr lebhaft, kreativ und offen sind. Sentimentalität, Emotionalität und auch Gefühlsoffenheit sind sehr wichtig und dieses wird oft in der sehr tiefgründigen Musik, in der Kunst und in den Gedichten und Texten widergespiegelt. Die Gothic-Szene ist sehr philosophisch, religionskritisch, gesellschaftskritisch und skeptisch gegenüber Normen, sehr reflektiert, tolerant und gewaltfrei.

Natürlich verbindet uns auch Musik (auch wenn die mittlerweile so weitläufig ist, dass man das so eigentlich nicht mehr sagen kann). Und daneben ist vielen der Kleidungs- und Schminkstil sehr wichtig. Wir wollen uns Abgrenzen von der restlichen Welt, die unter der Schöne-Heile-Welt-Maske unmoralisch handelt, sich dem Konsum hingibt, und dem Trend um jeden Preis hinterher läuft, wir wollen provozieren, und auf die Fehler und Missstände aufmerksam machen, die von der Gesellschaft unter den Teppich gekehrt werden. Wir wollen zeigen, das wir Menschen sind – mit all ihren Facetten – das dazu nicht nur Freude, Schönheit und Leben gehört, sondern auch Leid, Trauer, Hässlichkeit und Tod.

Meine Vorgeschichte

Ich denke, das gibt erst einmal einen kleinen groben Abriss darüber, was ich eigentlich unter Gothic verstehe. Die entsprechende Lebenseinstellung hatte ich persönlich sehr früh, würde ich sagen. Schon in der Grundschule war mir schnell bewusst: Ich bin anders.

Klar, war ich das auch, immerhin stammt mein Vater aus Sri Lanka. Ich persönlich hatte mich bis zu dem Zeitpunkt jedoch immer als Deutschen gesehen, denn sowohl meine Mutter, als auch meine Muttersprache ist deutsch, ich bin hier geboren, aufgewachsen und habe nie etwas anderes gekannt. Dennoch wurde ich sehr früh damit konfrontiert, nicht das zu sein, wonach ich mich eigentlich fühlte – bei sehr Rechts gestimmten Klassenlehrern ist dies auch nicht sonderlich verwunderlich. Und so konnte ich noch so gut sein, noch so angepasst, artig und regelkonform – es war nie gut, was ich tat, es wurde nie so gelobt, wie es das bei den anderen (deutschen) Schülern der Fall war, und noch mehr, Fehltritte wurden um so stärker geahndet. Auch wenn ich es zu meiner Schulzeit nie wirklich verstanden habe, ich glaube, das war ein prägendes Erlebnis – ich wollte immer dazu gehören, tat es aber nie. Lustiger Weise ereignete sich gleiches auch bei den Tamilen – ich konnte die Sprache nicht sprechen, stammte von einer deutschen ab, meine Haut war viel zu hell – ich war dort der Weiße.

Und das Ergebnis ist, dass man dann irgendwann trotzig wird, sich zurück zieht, es niemanden mehr recht machen möchte, und sich entgegen der Normen verhalten möchte. Weitere Probleme in der Kindheit taten ihr übriges, und so wurde mein Interesse für die düstere Seite des Lebens geweckt.

Schon als Kind waren Vampire und Friedhöfe unglaublich reizvoll für mich und ich wäre am liebsten den ganzen Tag schwarz und in einem Umhang/Mantel gehüllt herum gelaufen. Dennoch lief ich, wegen meiner Eltern lange Zeit sehr bunt durch das Leben, auch wenn ich ein Faible für lange schwarze Mäntel, lange wallende Haare und den viktorianischen Kleiderstil hatte. Und auch wenn ich sehr früh anfing Gedichte zu schreiben, die man eindeutig der Gothic-Szene zuordnen kann, und auch viele meinen, das meine Zeichnungen teilweise was sehr düsteres an sich haben, so habe ich lange Zeit meiner Jugend nichts mit der Szene selbst zu tun gehabt, und mich auch musikalisch eher in anderen Sphären bewegt.

Eine meiner frühen Zeichnungen, die immer als sehr 'düster' bezeichnet wurde...

Leider war ich mit meinen Interessen und Ansichten auf dem Gymnasium wieder fehl am Platze. Zwar war es kein Problem mehr, dass ich ein halber Ausländer war, da das Gymnasium auf dem ich war, recht gemischt war. Aber ich war zu gutherzig, gut erzogen, schüchtern und verträumt. Hinzu kam die strenge Erziehung meiner Eltern die mich sehr stark eingeschüchtert hat. All das sorgte dafür, dass ich schnell zum Außenseiter wurde, viele Probleme mit Mobbing hatte, und alle Versuche, mich anzupassen fehlschlugen. Dennoch bemühte ich mich sehr. Zugang zu etwas anderem hatte ich nicht, irgendwann ließen auch die verzweifelten “Dazugehören” Versuche auf, ich grenzte mich komplett ab, und beschäftigte mich viel mit mir selbst. Meine besten Freunde waren zu der Zeit waren die Bücher, ich verschlang vor allem Fantasy, Horror und besonders gerne düstere Sachen, beschäftigte mich aber auch mit vielen tiefsinnigen Ideen und Gedanken. Vor allem war es mir sehr wichtig, dass meine Musik tiefgründig und gehaltvoll war – mit inhaltsleerem Techno oder Popmusik konnte ich nichts anfangen (ebenfalls ein Außenseiterkriterium). Damals war vor allem der (zu der zeit noch sehr gesellschaftskritisch war, und mit dem Mist von heute in keiner Weise zu vergleichen ist!!!) HipHop sowie ausgewählte Popsongs (Rosenstolz, Coldplay, The Cranberries, The Verve etc.) das, was ich an Musik gehört habe.

Erste Kontakte

Und so kam es, dass ich erst recht spät meinen Einstieg in die Musik und damit auch in die Gothic-Szene fand, nämlich erst mit ~16 Jahren (um das Jahr 2000). Hier fanden einige sehr einschneidende und prägende Erlebnisse statt (auf die ich nicht näher eingehen möchte), und bei der Suche nach Gleichgesinnten, die ähnliches durchlebt haben, bin ich über Foren auch auf die Musik aufmerksam geworden. Zwar kannte ich schon die Stücke einiger Bands, wie E-Nomine oder HIM – halt das was auch auf MTV lief (da ich kein Taschengeld bekam, war das sowie das Radio meine einzige Musikquelle) und sie gefielen mir; musikalisch bewegte ich mich zu der Zeit auch immer weiter weg vom HipHop, der immer populärer wurde, und in dessen Mittelpunkt immer weniger soziale Probleme und immer mehr Bitches, Fame und Money rückten. Dafür interessierte mich zunehmend der Bereich um Rock, Nu-Metal und Metal (Nirvana, Nickelback, Guano Apes, Gorillaz, KoRn, Linkin Park, Evergrey, Oomph!, Rammstein, Peter Heppner, etc.)

Nun aber lernte ich etliche Bands kennen, die es nicht im Fernsehen zu sehen gab. Meine wichtigsten Bands waren Blutengel, Goethes Erben, Nightwish, Within Temptation, Subway to Sally und die bis Dato unbekannten Evanescence.

Zu der Zeit gewann die Tauschbörse Napster an Bedeutung und bald war auch ich im Besitz von Musik, die ich mir sonst nie hätte leisten können. Gerade Evanescence waren wohl die Band schlechtweg – die Musik hat mir sehr viel Kraft und Stärke gegeben, ich habe mich zum ersten mal wirklich verstanden gefühlt. Auch wenn ich mich mit den neuen Liedern (alles nach dem Fallen-Album, mit dem Evanescence ihren Durchbruch schafften und internationale Bekanntheit erlangten) absolut nichts mehr anfangen kann, bedeutet mir diese Band enorm viel, und ich würde sagen, sie war der eigentliche Einstieg in die Szene.

Die Jahre von 2000-2004 verliefen gut für mich, ich lernte immer mehr Leute aus der Szene kennen, hörte viel Musik und bekam zum ersten mal die Augen geöffnet, und verlor viel von meiner Intoleranz und Vorurteilen (besonders auch der Schwarzen Szene gegenüber. Jaja, das allseits bekannte ‘Das sind Satanisten’, etc.). Auch wenn ich vorher schon sehr reflektiert und philosophisch war – der Szene-Einstieg lies es zu, dass ich mich und meine Gedankenwelt, die zwar immer existiert hatte, aber schön säuberlich verborgen blieb, weil sie nirgends hinpasste und von niemanden akzeptiert wurde, entfalten konnte.

Weitere, einschneidende Erlebnisse gab es um 2003/2004 und so geschah es, das ich noch tiefer in die Szene schlitterte, da ich Menschen brauchte, die mich und meine Gedankenwelt und meine spezielle Art des Umgangs mit diesen Erlebnissen verstanden und mir helfen konnten.

Und so lernte ich dann auch meine Freundin kennen, die ebenfalls in der Szene aktiv war, und auch musikalisch kam ich dann zu Bands, wie ASP, Zeraphine, Mantus, L’Âme Immortelle, Illuminate, Mondsucht… und so viele weitere, die jeder wohl mit viel weniger Bauchschmerzen der Szene zuordnen würde, als es bei den zuvor genannten Bands der Fall sein wird 😉

Ich 'gestyled' in Schwarz. Irgendwann 2005/2006 2005 war dann ein weiteres wichtiges Jahr für mich – nun endlich konnte ich mich nicht nur musikalisch und gedanklich der Szene unterordnen – das Ausziehen aus meinem Elternhaus ermöglichte mir auch endlich, dass ich meinen eigenen Kleidungsstil ausleben konnte (mein Elternhaus war, was das anbelangte sehr streng, und hätte mich nie komplett schwarz aus dem Haus gehen lassen – auch meine Musik habe ich lediglich über Kopfhörer genossen).

Und so wurde meine sehr bunte Garderobe nach und nach einfarbig. Nebenbei bewegte ich mich dann auch mehr und mehr in der Mittelalterszene. Meine Einstiegsdroge war hier zwar schon sehr viel früher mit In Extremo gesetzt, aber erst Schandmaul brach den Damm und so gelangte ich dann auch zu Bands wie Faun, Helium Vola, Rapalje, etc.

Auch Ausflüge in die Metal-Welt blieben natürlich nicht aus, und so schafften es auch Cradle of Filth, Mystic Circle, Slipknot oder Dimmu Borgir auf meine Festplatte. Ich bin aber mehr dem ruhigeren Gothic-Rock treu geblieben…

Kontakt mit der Szene

Bis 2005 muss ich dazu sagen, dass die Identifikation mit der Szene ausschließlich virtuell stattfand. Erst ab 2005 habe ich dann auch Menschen im realen Leben kennengelernt, die sich der Szene zugehörig fühlen, und natürlich waren erste Konzert- und Festivalbesuche wichtige Ereignisse für mich, um der Szene näher zu kommen.

Mit Oswald Henke auf dem Blackfield, 2009

Ob sie das wirklich getan haben, weiß ich allerdings nicht sicher. Zwar liebe ich die schwarze Szene sehr, allerdings habe ich das Gefühl, dass sich dort oft mehr Modeerscheinungen tummeln, als Menschen, die sich auch Gedanklich der schwarzen Szene zuordnen lassen. Ich persönlich muss auch dazu sagen, dass ich nicht sonderlich gestyled auf Festivals gehe – teils weil ich denke, dass es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt und mir deswegen auch weniger einen Kopf um so etwas mache. Teilweise aber auch, weil es mir nicht steht, da ich dunkelhäutig bin, und vieles nicht geht, was mit einem blassen Hauttyp einfach nur großartig aussieht. Generell fühle ich mich durch mein äußeres doch wieder sehr stark ausgegrenzt. Und auch insgesamt fallen mir viele Diskussionen und breite Konsense über gewisse Themen in der Szene eher negativ auf. Beispiele sind die Versteifung auf das unpolitische. Natürlich kann ich die Haltung prinzipiell nachvollziehen und akzeptiere sie. Befremdlich finde ich es dann doch, wenn ein Großteil zu nichts eine Meinung haben möchte – selbst wenn es beispielsweise um Rechtsradikale in der Szene geht. Noch schlimmer finde ich beispielsweise einige Reaktionen auf den offenen Brief von ASP. Wo wir bei ASP wären, käme dann ja auch gleich das nächste Thema: Kommerz. Ich weiß nicht, ab wann der Punkt in der Szene erreicht ist (wahrscheinlich dann, wenn die Band-Mitglieder verkünden, dass sie jetzt ihre Jobs gekündigt haben, und hauptberufliche Musiker sind), aber so bald eine Band eine Weile lang erfolgreich ist, gilt sie als kommerziell, darf nicht mehr gehört werden und als Fan outet man sich dann als untrue – so erging es mir mit ASP, Unheilig, Schandmaul, Nightwish, Subway to Sally, … Solche Diskussionen bin ich echt leid, denn was hat denn der Wunsch einer Band, von ihrer Kunst leben zu wollen, oder aber die Größe der Fangemeinde mit der Qualität und Aussage von Songs zu tun? Natürlich ist ein solcher Zusammenhang umgekehrt proportional in den Charts häufig gegeben – aber wenn das mal nicht der Fall ist? Weder ASP, noch Schandmaul, noch Nightwish oder Unheilig haben sich über die letzten Jahre musikalisch sonderlich stark verändert…
Und auch wenn sich die Szene Toleranz auf die Fahnen schreibt – erwähne nie, dass Du mal HipHop gehört hast, und auch heute noch gerne die ein oder andere alte Platte heraus kramst. Dann war es das mit der hochgelobten Toleranz.

Fazit

Man mag sich fragen, was die letzten Aussagen hier jetzt sollen, ich möchte daher abschließend die Bücke noch einmal zu dem Anfang meines Textes schlagen: Gothic ist für mich in erster Linie eine Lebensphilosophie, und in diesem Sinne fühle ich mich voll und ganz der Szene angehörig. Und das eigentlich schon seit ich zurück denken kann – also irgendwann zwischen Grundschule und Unterstufe. Den tatsächlichen Kontakt mit der Szene habe ich leider relativ spät erfahren dürfen, und wie bei den Meisten geschah dies über die mit der Szene assoziierte Musik. Dafür ging es dann, anders als bei vielen, nicht schleichend sondern steil in die Szene hinein und die Identifikation mit den Idealen und der Sichtweise war ein überwältigendes Erlebnis für mich. Der reale Kontakt hat mich dann leider auch ein wenig ernüchtert, das angestrebte Ideal ist selten zu finden. Wahrscheinlich bin ich auch zu facettenreich um mich lediglich der Gothic-Szene unterzuordnen. Zu gerne höre ich auch Musik in anderen Genres, und erlaube mir auch Gedanken über Themen zu machen, die in der Szene idR nicht diskutiert werden, was mich dadurch leider wieder zu einem Außenseiter der Szene macht. Dennoch würde ich mich eher dem Gothic als irgend einer anderen Szene unterordnen wollen und können. Ich selbst bevorzuge jedoch mittlerweile den Begriff “Dunkelromantiker”, da er meiner Meinung nach am besten Ausdrückt, was Gothic für mich bedeutet.

Mit ASP auf dem Blackfield, 2009

So, und jetzt bin ich gespannt auf die anderen Artikel die schon eingegangen sind, bzw. noch eingehen werden 🙂

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8 thoughts on “Gothic Friday – Januar: Wie bist Du in die Szene gekommen?

  1. Das ist ja unglaublich, was für interessante Menschen man durch diese Blogaktion “kennenlernt”. Ich kann deine Gedanken in nahezu jedem Punkt unterschreiben und das gibt mir auch ein wenig den Glauben an die Szene zurück, der mir doch in den letzten Jahren oft abhanden gekommen ist.

    Sehr sehr sympathisch, dass du “nicht sonderlich gestylt” auf Konzerte gehst. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich “natürliche” Menschen auf Festivals sehe. Auch wenn ich durch einige Teilnehmer der Blogaktion doch lernen musste, dass man den “Gestylten” mitunter Unrecht tut, wenn man dahinter nichts als Mode und Show vermutet.

    Ich glaube, du siehst da was komplett falsch. Du bist kein Außenseiter in der Szene. Für mich gehörst du zum Kern der Szene! Zumindest zu dem Kern, den ich mir so einbilde, denn du passt dich (auch innerhalb der Szene) nicht an, denkst musikalisch und inhaltlich über die Grenzen der Szene hinaus und malst ganz nebenbei richtig gute Bilder. 😉 Was um diesen (imaginären?) Kern herum passiert, ist leider in der Tat mitunter sehr ernüchternd.

    Ich fänd es ausgesprochen schade, wenn du dich irgendwem oder irgendwas unterordnen würdest. Das wäre ein echter Rückschritt. Lass sie in Klischees reden und sei facettenreich. Vielen Dank für den tollen Einblick. Er hat mir gute Laune beschert. 🙂

    • Hui, das freut mich ja sehr, dass Dir mein Eintrag gute Laune beschert hat. Gleiches kann ich aber auch voll und ganz zurück geben. Danke für diesen unglaublich lieben Kommentar 🙂
      Freu mich schon darauf Deinen Beitrag zu lesen 😉

  2. Ein Freigeist und der 3te Testosteronträge im Bunde. Sehr schön. Bewahre dir deine Kritik und deinen Blick hinter den schwarzen Vorhang. Denn diese Szene ist im Kern auch nur wie jede andere. Die darin vertretenen Meinungen und Ansichten besitzen natürlich Ungereimtheiten, Widersprüche und Grundzüge, die man ablehnen kann, darf und manchmal auch muss.
    Man sollte wissen, weshalb man sich in dieser bewegt und wodurch man sich als Teil dessen versteht. Aber man sollte…die Sonnenbrille nicht nur Scheuklappe werden lassen 😉 oder die Schweißerbrille, je nachdem. Sollte nicht zu jedem »Jawohl« und »Amen« sagen, nur weil es der Kader vorgibt. Denn Außenseiter sind nur die, die genau das tun. Und sich, ironischer Weise, nur dadurch ach so innig mit dieser Szene verbunden fühlen.

  3. Ein wirklich toller Beitrag, weil Du darin Deine Gefühle, Gedanken und Werte vermittelst und daraus klar wird, warum Du Dich vor allem aufgrund dieser inneren Andersartigkeit zur Gothic-Szene zugehörig fühlst. Aus meiner Sicht ist dein Beitrag durchaus auch ein Lob für die Szene und ‘unsere’ Werte.

    Natürlich tummelt sich mittlerweile in der Gothic-Szene viel Masse mit wenig Tiefgang, wie man an der ASP-Diskussion im letzten Jahr gesehen hat. Es sind auch einige dabei, die sich gar nicht mit den Werten der Szene, wie du sie in Deiner Begriffsdefinition so schön beschrieben hast, identifizieren können und wollen. Für die ist Gothic so eine Art Party-Faschings-Verein, dem sie am Wochenende fröhnen.

    Wenn ich dann sowas wie Deinen Bericht lese, geht es mir wieder gut. Da weiß ich: hier fühlt jemand wirklich tiefinnerlich anders, es ist nicht aufgesetzt und unbeeindruckt von den Erwartungen inner- und außerhalb der Szene. What a relief!

  4. Sehr schöner, interessanter und
    tiefgründiger Artikel! Und:
    Sei und bleib immer Du selbst
    und laß Dich nicht verbiegen –
    auch wenn Du Dich manchmal
    als Außenseiter siehst ( egal in
    welchem Bereich ) 🙂

    Dunkle Grüße
    Melle

  5. Pingback: Gothic Friday – Das Januar Resümee – Spontis Weblog

  6. So facettenreich wie unsere Szene ist, trotz aller mehr oder weniger vorhandener Gemeinsamkeiten, so sollte man sich seine eigenen Gedanken nie verbieten und auch hinterfragen. Der Austausch mit Gleichgesinnten kann ebenso spannend sein wie mit Personen anderer Ansichten und ich denke, das ist wirklich szeneübergreifend. Einfach etwas fertig zu übernehmen, ohne sich weiter Gedanken darum zu machen, endet in Selbstaufgabe.
    Wir beurteilen alle viel zu leicht nach Äußerlichkeiten, da ist die schwarze Szene keine Ausnahme. Wer ungestylt ist gilt als uninteressant/untrue, wer auffällig oder anders gestylt ist, wird ebeso kritisch beäugt. Lernt man die Person dahinter näher kennen, differenziert sich das Bild häufig. Ich denke, wir sollten alle viel eher versuchen, in Dialog zu treten, statt vorschnell Schubladen zu öffnen. Das ist nicht immer leicht… das weiß ich selbst. Aber es heißt ja immer so schön: wer selbst nach Toleranz schreit sollte bei sich selbst anfangen.

    Eine Band abzustempeln, nur weil sie auf einmal Erfolg hat, finde ich ebenfalls bescheuert. Die Mechanismen, die Erfolg ermöglichen, sind manchmal schwer zu durchschauen. Oft stecken Zufälle dahinter. Was ich hingegen abfällig betrachte ist, wenn eine Band oder ein Künstler bewusst seine Wurzeln leugnet, sich seines Werdegangs und seiner (bisherigen) Fans schämt und es bewusst darauf anlegt, Massentaugliches zu produzieren. Anbiedern an den Kommerz. So etwas wird aber oft schnell offensichtlich, bestes Beispiel ist Unheilig (auch wenn ich die nie mochte, aber was da zuletzt geschah, dieser ganzer Medienzirkus, das gruselte mich gewaltig).
    Aber auch The Cure und die Sisters of Mercy haben sich deutlich von ihren schwarzen Fans und der Etikette “Gothic” distanziert. Das macht ihre (frühere) Musik für mich nicht schlechter, aber ich verspüre zugleich wenig Lust, diese Bands noch einmal live zu sehen.

Please comment. I really enjoy your thoughts!

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