Posted by: pygospa | Sat, 05. Mar 2011, 01:53

Nun bin ich ein “Apple Nazi”…


… oder:

Eine kleine Geschichte über meine persönliche Erfahrungen mit Computersystemen und der Gesellschaft

Meine Geschichte mit den Computern fing, wenn man so möchte irgendwann mit 8 Jahren an, als meine Eltern mir einen VTech Genius Leader 2000 plus zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenkten – ein Gerät auf dem man (auf einer 2×20 Zeichen monochromen LCD Ausgabe) neben dem Schreibmaschinentippen unter anderem auch BASIC Programmieren konnte. Der VTech Genius Leader 2000 plus Und ich war begeistert davon, in BASIC dann irgendwann mit 10-12 (als ich endlich verstanden habe, was das mit diesem “Programmieren” eigentlich sein soll) dann irgendwann meine eigenen “Passwort”-Programme zu schreiben, oder den Computer dazu zu bringen, sich mit mir unterhalten zu können (quasi so etwas ähnliches wie Textadventures ;) ).
So ging meine Odyssee los. Der erste PC folgte mit dem Alter 14/15. Damals noch mit Windows 95, irgendwann mit Windows 98 SuSE Linux Karton, CDs und Bootdiskette bekam ich dann auch ein SuSE Linux (damals noch auf CD, mit 56kbit/s war da noch nicht viel mit “mal eben eine Distribution herunter laden”), und als Windows Me sich als noch größerer Reinfall erwies, als es Windows 98 schon war, bereute ich es, dafür Geld ausgegeben zu haben, und schwor mir, fortan nur noch mit Linux zu arbeiten.

Dass das SuSE YaST Konfigurationstool damals noch textbasiert und optional war, werden wahrscheinlich die wenigsten wissen, genau so, wie dass es mal nur SuSE hieß, nichts mit der Novell, Inc. zu tun hatte, und eine komplett kostenlose Distribution war. Auf dem Entwicklungsweg zu dem, was SuSE heute ist, wurde ich immer unglücklicher, und so folgte auf das SuSE ein Red Hat Linux (heute Fedora), dann ein Debian (damals Woody), und als mich das auch nicht mehr glücklich machte bin ich auf Gentoo Linux umgestiegen und habe parallel dazu ein BSD (OpenBSD) ausprobiert. Als Testsysteme zum Herumspielen (damals auf einem dedizierten Testrechner, heute in einer virtuellen Maschine) habe ich unter anderem ein wenig mit DragonFlyBSD, OpenSolaris und FreeDOS experimentiert. Auch mit dem Bedienkonzept hab ich herumexperimentiert, und bin über KDE zu Gnome zu fvwm2 gewechselt, welches mir noch heute mit meiner alten Konfigurationsdatei von damals treu zur Seite steht. Und auch wenn ich kein Freund der Microsoft Betriebssystemreihe bin, habe ich mir die Betriebssysteme XP, Vista und Windows 7 genauer angeguckt (Kostprobe zu Windows Vista ;) ).

Meine Motive für diese Betriebssystem-Odyssee waren etliche – die wichtigsten lassen sich zusammenfassen zu:

  • Ich habe noch kein Betriebssystem gefunden, mit dem ich rundum zufrieden bin – und ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass dies noch passieren wird. Ich bin der Meinung, dass man zwischen den kleinsten Übeln wählen muss, und dazu muss man die Auswahl kennen.
  • Ich denke, dass es für mich als Informatiker essentiell ist, verschiedene Betriebssysteme zu kennen, um im Beruf qualifiziertere Aussagen treffen zu können und Lösungen für spezifische Probleme finden zu können.
  • Ich finde Betriebssysteme total interessant und faszinierend und beschäftige mich daher gerne mit ihnen.
  • Ich bilde mir gerne ein eigenes Urteil, und verlasse mich nicht ausschließlich auf Meinungen anderer, sei es der Bekanntenkreis oder Fachzeitschriften, etc.

Wie kommt es nun zu diesen komischen Titel für einen Blogeintrag? Nun, der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass in der Reihe der Betriebssysteme eine Systemreihe (das damals noch eher ein Nieschen-Dasein pflegte) fehlt. Nämlich die von Apple.

Das liegt unter Anderem daran, dass ich es bis vor kurzem einfach nicht genutzt hatte. Während der Schulzeit hatte ich das Glück, einen Apple-Begeisterten Informatiklehrer zu haben, der den Rechnerraum mit iMac G3s und sogar zwei-drei Power Macs ausstattete (damals, d.h. um 2000-2003 herum, als ich mein Abitur gemacht habe). Dort hatte ich dann die Möglichkeit Mac OS 8 und Mac OS 9 kennen zu lernen, und ich war wenig begeistert, da das Bedienkonzept für mich unbefriedigend war, und es auch irgendwie zu sehr Windows und zu wenig Linux war – Linux, das wurde meine Welt. Und da die Software damals auch noch untrennbar von der Hardware war und ich wenig von Rechnern hielt, die ich nicht erweitern/konfigurieren konnte, kam ich auch nie in die Lage, die Mac-Betriebssysteme weiter zu verfolgen.

Dann aber kam OS X, und irgendwann erreichte es auch ein Stadium, welches Apple in das öffentliche Interesse rückte (unter anderem natürlich auch, weil sie von ihren eigenen PowerPC Prozessoren auf den Intel Prozessor gewechselt sind). Und so entstand auch bei mir wieder ein Interesse für das Betriebssystem: “Einmal ausprobieren müsste man es doch mal…”. Leider scheiterten alle meine “Hackintosch-Versuche”, Intel-Plattform hin oder her.

Und dann geschah es – mein heiß geliebtes IBM ThinkPad (natürlich Gentoo powered) gab den Geist auf. Kühlerschaden, überhitzter Prozessor/Platine. Reparaturkosten überstiegen die Neuanschaffungskosten, IBM wiederum hatte seine Sparte an Lenovo verkauft, von denen ich nichts gutes gehört hatte. Und so habe ich mich nach vielem hin und her, und langem Testen (und alles unter dem Druck, dringend wieder ein Laptop haben zu müssen) für ein Gerät von Apple entschieden. Ich hatte vorher das Glück, ein Gerät eines Freundes für einige Zeit testen zu dürfen, ich konnte verifizieren, dass es für meine Einsatzzwecke genügte. Testberichten nach war es ein ganz akzeptables Gerät ohne großartige Macken, lediglich eine Überteuerung wurde oft kritisiert, die ich aber mit Studentenrabatt ein wenig drücken konnte – und für mein ThinkPad hatte ich seiner Zeit sogar mehr ausgegeben! Und auch auf dem EasterHegg des CCC ist mir aufgefallen, dass die Apple-Fraktion immer weiter wuchs. So verkehrt kann das System also nicht sein. Letztendlich wurde das Gerät dann bestellt und ich war gespannt darauf, ein neues Betriebssystem zu testen und damit meinen Erfahrungshorizont in diesem Bereich noch zu erweitern.

Erfahrungen habe ich dann aber vor allem im gesellschaftlichen Bereich machen dürfen. So erlebte ich in einigen Kreisen quasi einen gesellschaftlichen Abfall. Zu meinen ThinkPad-Zeiten wurde ich vor allem mit den Spitznamen “Hacker”, “Linux-Hacker”, “Konsolen-Junky” (die folgenden Screenshots werden es erklären, denke ich ;) ), und “Computer-Experte” bedacht – meistens natürlich von Leuten, die selbst nie über Windows hinweg gekommen sind, und auch wenig eigene Programmiererfahrung haben. Aber auch unter Leuten, die ein ähnlichen Hintergrund in Sachen Computern haben, wie ich, war ich auf eine gewisse Art und Weise angesehen, nachdem sie gesehen haben, was ich so mit meinen Rechnern mache und welche Fähigkeiten ich besitze.

Screenshot von meinem PCScreenshot von meinem Laptop

Nun, da ich mit einem MacBook herum laufe, scheint sich kaum einer mehr dafür zu interessieren, wie mein Computertechnischer Hintergrund aussieht, und welches Know-How ich habe. Es ist, als ob der leuchtende Apfel auf dem weißen Plastik ausreichend ist, für eine umfassende Urteilsbildung über meine Person. “Apple Nazi” ist bisher das krasseste, was mir gesagt wurde. Daneben bin ich auch zum “Apple Jünger”, “Steve Jobs Lover” und “Apple Fanatiker” geworden – und das, obwohl ich interessanter Weise weder großartig und übertriebene Werbung für den Mac mache, noch ihn großartig anders Bediene als einen Linux; mit MacPorts lassen sich viele schön Linux-Tools auf dem Mac installieren, welches ja weiterhin ein UNIX-System ist. So ist meine Standardapplikation immer noch der Terminal, in dem standardmäßig eine Z-Shell mit grml-Konfigurationsdatei gestartet wird. Screen erlaubt mir weiterhin das komfortable bedienen in der Shell, Texte (vor allem Skripte, Quelltexte, etc.) werden weiterhin in vi verfasst, einen Großteil der administrativen Aufgaben lassen sich in der Konsole nutzen, nicht immer, wie man es unter Linux gewohnt ist, aber auch hier gibt es Alternativen; und eine Secure-Shell-Verbindung zu meinem Linuxrechner gehört ebenfalls zu den Standardapplikationen, die bei mir bei jedem Start des Macs gestartet werden – schließlich will man nicht auf die Tools verzichten, die einem der Mac nicht bieten kann – so wartet auch dort eine Screen Instanz, die im Hintergrund läuft, und mich mit Irssi, rTorrent, cmus und htop grüßt.

Daneben hab ich aber auch die Möglichkeit, mir eine eigene Meinung über die teilweise doch sehr hoch gelobte Software zu bilden und muss nicht blind das nachplappern, was ein Großteil der Menschen von irgend welchen Meinungsmachern hört.

Und ich glaube, dass ist es, was mich am Meisten ärgert zur Zeit. Ich kann glaube ich behaupten, dass ich ein ziemlich breites Hintergrundwissen im Bereich Betriebssysteme habe, ich habe viel selbst ausprobiert, mir etliches Wissen in Eigenarbeit und im Selbststudium angeeignet, zähle weiterhin Linux zu meinem liebsten Betriebssystem und jetzt werde ich tatsächlich von irgendwelchen dahergelaufenen Personen Kritisiert, Vorverurteilt, ja eigentlich sogar schon beleidigt, die meist nie über Windows hinausgekommen sind, und wahrscheinlich einen Großteil der von mir oben genannten Betriebssysteme nicht kennt? Die keine Ahnung von OS X und Apple haben, aber meinen, darüber urteilen zu können, indem sie XYZ Nachplappern, der wiederum UVW nachplappert, der wiederum, … usw.?

Ein Beispieltweet

Was ich dabei nicht nachvollziehen kann ist dieser fanatischer Eifer mit dem jedes Apple-Produkt gleich degradiert wird, jedes Wort von Steve Jobs zerrissen, und jeder Apple User beleidigt wird. Der Auslöser für diesen Blogeintrag ist beispielsweise der 02. März. Wenn ihr euch jetzt fragt “Hm, 2. März, was war denn da?”, dann geht es euch ähnlich wie mir. Am 2. März gab es eine Keynote von Steve Jobs, in der das iPad 2 vorgestellt wurde. Mich hat es nicht sonderlich interessiert – ich meine, ich habe für das Gerät keinen Verwendungszweck, und daher interessiert es mich auch nicht weiter. Aber scheinbar hat es mich zu interessieren? Jedenfalls wurde ich am 2. März plötzlich direkt danach gerfragt, als “Apple Fanboy”, versteht sich, was ich denn von dem neuen Apple-Mist halten würde. Ich wusste von nichts, hab dann die Apple-Seite aufgerufen, die auch von noch nichts wusste. Erst der Blick in Twitter offenbarte dann, worum es ging – das “Event” wurde gerade gestartet, war noch keine 20 Minuten alt, aber in meiner Timeline wimmelte es seit dem Startschuss nur noch von Hasstweets. Denn was macht denn der “Apple-Hateboy”, wenn mal wieder was neues von Apple auf den Markt kommt? Richtig! Der Wecker wird wahrscheinlich schon vor Wochen vorsorglich gestellt, damit man das Event nicht verschläft und gleich mittels Liveticker, oder vielleicht sogar Stream (werden die Events eigentlich gestreamt?) mitverfolgen kann, um alsdann gleich in Twitter der erste zu sein, der darüber tweeten kann, wie bescheuert doch das neue iPad sei, und wie dumm die Apple-Kunden doch seien. Und manch einer geht dann wahrscheinlich noch weiter, öffnet dann sein Adressbuch und schreibt dann die Leute an, die dort als “Apple Fanboy” markiert sind (d.h. wie ich gerade zufällig ein Produkt von Apple besitzen), denn ohne Opfer scheint das Apple-Bashing scheinbar keinen Spaß zu machen. Mein Basher wird sich wahrscheinlich mehr erhofft haben, als lediglich ein desinteressiertes:

Okey? Ja, keine Ahnung, interessiert mich eigentlich auch nicht, das iPad 2, aber wenn mir langweilig ist, guck mir vielleicht die Tage mal die Videoaufzeichnung an

So, und jetzt zum Schluss, lasst uns doch noch einmal bitte von Fanatikern sprechen, ja? Ich kann hier deutlich welche ausmachen, es sind allerdings nicht die Apple-User die ich so kenne. Und vor allem frage ich mich: Warum tut ihr das? Was bringt es euch? Habt ihr keinen Partner? Keine Hobbies? Oder seid ihr so fanatische Apple-Gegner nur des Fanatismus wegen, habt aber kein Interesse oder nicht die geistige Fähigkeit, euch mit richtigen Ideologien aus Politik, Philosopihe oder Religion auseinander zu setzten, weswegen ihr den Fanatismus auf so banale Sachverhalte wie Konsumerprodukte bestimmter Unternehmen ausweitet? Ich versteh es nicht…


Responses

  1. Apple ist doch übelster Plastikschrott.

  2. [...] Artikel Nun bin ich ein “Apple Nazi”…, den es seit März gibt, und der seit dieser Zeit nur durchschnittlich oft gelesen wurde, hat es [...]

  3. Apples Geräte SIND Nazigeräte. Ganz einfach, kein Vertun. Ich hab selbst lange einen ipod touch benutzt – man wird STÄNDIG ÜBERALL kontrolliert, NICHTS kann man machen ohne die Erlaubnis von Apple zu haben. Immer wenn man gerade mal was iE ganz normales tun will, zB
    - Apps/Software installieren, die Apple nicht genehmigt hat
    - den Akku selbst wechseln
    - das Gerät ganz normal an einer Steckdose aufladen
    - Dateien schnell mal per File Explorer auf das Gerät kopieren

    … dann wird man feststellen, dass das software-/hardwaretechnisch ursprünglich ging, Apple das aber GESPERRT hat weil es nicht zur “Produktpolitik” von Apples kleiner Naziwelt passt.

    - zB Akkuschacht zugenagelt dass man es ohne Spezialwerkzeug nicht mehr aufkriegt;
    - zB muss man jailbreaken um Software installieren zu können die Apple nicht angesehen hat
    - zB muss man es einschicken um den Akku zu wechseln oder braucht Spezialwerkzeug!!!
    - Man kann das Gerät NICHT an einer STeckdose aufladen, obwohl man einen USB-Adapter hat und alles 2.0 ist. Das Gerät wird das aufladen VERWEIGERN, wenn man keinen – teuren – Apple Spezialadapter benutzt.
    - entsprechend kann ich meinen ipod touch NICHT an pcs aufladen, auf denen kein Itunes installiert ist (über USB). ich muss dort zuerst Itunes installieren. WTF?!! Soll einen wohl zum Kauf von Musik über Itunes “weich” zwingen.
    - man muss Itunes benutzen um Dateien zu kopieren.

    ->>> Und ja, Applefanboy, ich habe von leuten wie dir schon 100000 mal gehört das Itunes ja “so toll ist, das KANN man gar nicht nicht wollen”.

    Kleines Update für dich: Ja, ich will die “Beglückung” durch die Apple-Verbotswelt nicht. Wenn ich ein Gerät kaufe, möchte ich es kaufen wie ICH will.

    Stell dir mal ein Auto vor, wo du nur losfahren kannst wenn du es vor einem Applestore parkst? Oder wo du nur Leute einsteigen lassen kannst, die du vorher online bei Apple angemeldet hast? Wo im Autoradio nur Musik laufen kann, die von Apple genehmigt worden ist? Wie würdest du das denn finden?

    Und ja: Ich weiß dass man einiges ändern kann indem man es jailbreakt und 1000 komplizierte Tricks benutzt. Und NEIN, das ist KEIN Ersatz für eine erträgliche UNternehmenspolitik….

    • Ich habe ja erst einmal darüber nachgedacht, die Argumente hier im einzelnen durchzugehen und darauf einzugehen, denn vieles was hier steht stimmt so mal absolut gar nicht (zB der Kram über das Aufladen des Geräts, wenn man nur iTunes hätte – ich hab meine Geräte regelmäßig auf meiner Windows-Maschine auf der Arbeit aufgeladen, auf denen iTunes verboten ist, und bekanntlich gibt es iTunes nicht für Linux… well guess what I’ll do, if my MacBook’s not in use and only my Linux PC is running?)

      Von gleichem Wahrheitsgehalt sind viele der anderen Argumente…. aber ich werde nichts weiter dazu sagen, denn

      Apples Geräte SIND Nazigeräte. Ganz einfach, kein Vertun.
      (…)
      ->>> Und ja, Applefanboy, ich habe von leuten wie dir schon 100000 mal gehört (…)

      sagt ja schon alles über den Autor aus.

      Also, wer das hier alles einfach glaubt, ohne sich ein eigenes Bild zu machen, tut mir leid. Und an den Autor: Viel Spaß und Happy Hating, noch!


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